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Karin Prien

13.10.2023 Sitzungen 20/40

Nein. – Meine Damen und Herren, wichtig ist auch, dass alle Beteiligten sinnvolle Beiträge bringen können, Teil des Systems sind und beteiligt werden. Auch das tun wir im Rahmen von Fachtagungen und im Rahmen von vielen Beteiligungsformaten. Auch das ist wichtig: Der Handlungsplan Lehrkräftegewinnung wird nur gut, wenn die Perspektiven (Ministerin Karin Prien) aller Beteiligten einfließen, und dazu gehören ausdrücklich auch Schüler, Eltern, die Lehrkräfte, die Interessensvertretungen und die Gewerkschaften. Alle diese müssen ihren Beitrag leisten. Wir sind uns alle darin einig, dass die Maßnahmen von der beruflichen Orientierung der Schülerinnen und Schüler an unseren Schulen bis zu der Frage, wie wir Seniorlehrkräfte dazu bewegen können, länger im Dienst zu bleiben, reichen. Die Maßnahmen müssen also sozusagen entlang der gesamten Lebens- und Bildungskette greifen. Jetzt will ich zu einem wichtigen Punkt kommen, den Sie alle in Ihren Ausführungen bisher nicht so richtig beleuchtet haben. Bisher reden wir auch in Schleswig-Holstein über Sondermaßnahmen. Wir haben längst dualisierte Studiengänge, Herr Vogt. Das wissen Sie auch. Wir haben längst Weiterbildungsmaßnahmen, etwa in der Informatik. Wir brauchen den baden-württembergischen Weg gar nicht, weil wir durch die Weiterbildungsmaßnahmen das Ziel bereits erreicht haben, das die BadenWürttemberger überhaupt erst erreichen wollen, nämlich genügend Lehrkräfte für die Einführung des Pflichtfachs Informatik. (Wortmeldung Christopher Vogt [FDP]) – Lassen Sie mich bitte einmal den Gedanken zu Ende führen. – Die Frage ist doch: Wollen wir nur Sondermaßnahmen? Oder wollen wir eine grundlegend andere Struktur unserer Lehrerausbildung? Darüber werden wir eine Diskussion führen müssen, denn da geht es letztlich um die Frage, und da bin ich auf Ihre Antwort besonders gespannt, Herr Vogt: (Zuruf Christopher Vogt [FDP]) Wollen wir den Vorbereitungsdienst abschaffen? Wollen wir ihn in den Masterstudiengang integrieren? Genau das ist doch das Modell des dualisierten Studiengangs in Baden-Württemberg. Diese Diskussion müssen wir mit großer Ernsthaftigkeit führen. Ich sage an dieser Stelle nicht, dass das hier tabu ist, dass es Denkverbote gibt, aber wir müssen uns schon sehr genau anschauen, was kurz- und mittelfristige Maßnahmen sind, um einen Mangel in bestimmten Fächern zu überwinden. Was ist die Struktur einer Weiterbildung in unserer Lehrerbildung? Diese umfasst diese Strukturfrage: Brauchen wir die erste, die zweite und die dritte Phase? Vielleicht brauchen wir jetzt wirklich die dritte Phase anders, nämlich im Sinne von: Wir können dualisieren. Aber dann brauchen wir eine andere Form von Berufseinstiegsphase. Auch das ist ein – wie ich finde – sehr bedenkenswertes Modell. Aber wir müssen darüber reden: Wollen wir das wirklich für alle Schularten? Wollen wir das für alle Fächer? Wollen wir das nur für Mangelfächer? Gleiches gilt für die Frage des Ein-Fach-Lehrers. Wie Sie wissen, haben wir bereits den Einfach- und den Doppelfachlehrer. So heißt das. Das haben wir bereits in den Bereichen Musik und Kunst. Das tun wir bereits in Schleswig-Holstein. Die Frage ist: Wollen wir das in weiteren Fächern? – Wir sagen: Ja, wir müssen das in Mangelfächern machen. Herr Vogt, wir sagen für den Bereich Mathematik und Informatik, das ist bereits in Vorbereitung. Insofern sind wir hier eher dafür, die Ein-Fach-Lehrerausbildung und nicht die dualisierten Studiengänge auszuweiten. Aber bitte, all diese Themen müssen wir natürlich miteinander beraten. Wir werden das auch tun. Grundlage wäre, das ist meine Vorstellung, unser drittes Paket. Vieles von dem, was Sie in Ihrem Antrag haben, machen wir bereits. Manches halte ich für sinnvoll, anderes halte ich nicht für sinnvoll, aber darüber sollten wir, und so ist es auch gute Tradition in diesem Haus, miteinander beraten. Ich glaube, wir müssen noch weitergehen. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission hat uns gestern ihr Gutachten in einem ersten Überblick vorgestellt. Das wird dann ja im Dezember der KMK vorgelegt. Wir haben uns gestern für KMKVerhältnisse sehr ausführlich mit dieser Frage, diesem Gutachten und dem des Wissenschaftsrates beschäftigt. (Christopher Vogt [FDP]: Haben Sie das sonst nicht gemacht?) – Ja, es ist ganz schön schwierig, sich bei den vielen Tagesordnungspunkten wirklich einmal über zwei bis drei Stunden in einem Themenfeld zu vertiefen. Ich finde es ausgesprochen gut, dass wir das gestern gemacht haben. Da ist auch die Frage, welche Professionen wir an unseren Schulen tatsächlich beschäftigen. Ich werde Sie in den nächsten Monaten häufiger mit meinen Erfahrungen aus Kanada belästigen. Ich kann Ihnen sagen, wie die Personalstruktur dort an einer Highschool aussieht. Die Hälfte des Personals sind noch Lehrkräfte. Die andere Hälfte sind Teaching Assistants, Sozialarbeiter und haben alle möglichen Berufe. (Beifall Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Martin Habersaat [SPD]) (Ministerin Karin Prien) Das ist doch eine Frage, mit der wir uns auch beschäftigen müssen, nämlich ob das nicht auch ein Weg ist, den wir zukünftig in Schleswig-Holstein gehen sollten. Ich bin offen für diese Diskussion. Ich möchte Sie gern mit Ihnen führen. Ich würde Sie nur gern strukturiert auf Grundlage eines konkreten Vorschlags führen. Dann werden wir schauen, ob wir da zusammenkommen können. Ich hatte eben schon die Sondermaßnahme der Vorbereitung der Einführung des Ein-Fach-Lehrers Mathematik und Informatik gemeinsam mit der Allianz für Lehrkräftebildung erwähnt. Diese bereiten wir vor, genauso übrigens wie die Unterstützungskurse für die Studierenden, die an unseren Schulen tätig sind. Ich hatte Ihnen bereits berichtet, dass wir zwei duale Studiengänge insbesondere für die beruflichen Schulen und die Sonderpädagogik haben. Das machen wir also auch schon. Aber das alles wird nicht reichen. Wir werden uns ganz neu über die Inhalte des Lehramtsstudiums beugen müssen. Auch das gehört zur Wahrheit dazu. Meine Damen und Herren, im Übrigen freue ich mich darauf, dass wir auf Basis unseres Handlungsplans eine gute Weiterentwicklung unserer Lehrkräftebildung, aber auch der Qualität unserer Lehrkräftebildung, nicht nur in der Frage der Quantität, weiterdebattieren werden. – Danke schön. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Protokoll ↗