Claus Ruhe Madsen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass wir Reaktivierungen vorrangig vorantreiben wollen. Sie sind ein gutes Mittel, um das ÖPNV-Angebot vergleichsweise einfach zu verbessern. (Minister Claus Ruhe Madsen) Deswegen arbeiten wir bereits an der Reaktivierung der Bahnstrecke Bergedorf–Geesthacht. Geesthacht ist, wie mehrfach erwähnt wurde, die bevölkerungsreichste Stadt in Schleswig-Holstein ohne eigenen Bahnhalt, und das wollen wir ändern. Auch das haben wir im Koalitionsvertrag so verankert, und das treiben wir voran. Wir wollen mehr Menschen für den ÖPNV begeistern; das ist ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zu mehr Klimaschutz. Dafür brauchen wir natürlich das entsprechende Angebot. Die Machbarkeitsstudie aus 2020 hat ergeben, dass sich die Nachfrage in der Region um bis zu 30 Prozent steigern lassen könnte, wenn wir die Strecke reaktivieren. Dieses Potenzial wollen und müssen wir nutzen. Wir sind bereits mitten im Prozess. Wir sind in guten Gesprächen mit Hamburg, der NAH.SH und der AKN als Eigentümerin der Infrastruktur. Die Hamburger Verkehrsbehörde hat bereits einen ersten Entwurf für ein Betriebskonzept erstellt. Ein Gutachten untersucht parallel, inwieweit die Bahnübergänge angeglichen werden müssen, um die Züge zwischen Bergedorf und Geesthacht im 20‑Minuten-Takt fahren zu lassen. Wir haben bereits deutlich gemacht, dass wir eine Durchbindung bis zum Hamburger Hauptbahnhof wünschen und das auch bei möglichen Zwischenstufen mitgedacht werden soll. Denn dann reduzierte sich die Fahrtzeit von aktuell einer Stunde mit dem Schnellbus auf 34 Minuten, und das attraktive Angebot würde eine höhere Nachfrage auslösen. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dieses Ziel werden wir aber vermutlich erst umsetzen können, wenn die Bahnstrecke Hamburg–Berlin durchgängig zweigleisig ist. Im nächsten Schritt wird die AKN im Auftrag von Schleswig-Holstein und Hamburg die Vorplanung für eine Verbindung Geestacht–Bergedorf starten. Grundlage für die Vorplanung wird die verkehrliche Aufgabenstellung sein, die aktuell noch zwischen den beiden Ländern abgestimmt wird. Auch über die Teilung der Planungskosten gibt es schon Einvernehmen. Schleswig-Holstein wird 60 Prozent und Hamburg 40 Prozent dieser Kosten übernehmen. Sie sehen, die Arbeiten laufen. Auch wenn es sich nur um eine Reaktivierung handelt, können wir nicht von heute auf morgen mal eben eine neue Bahnlinie dort einrichten. Wir müssen konkret klären, welche Fahrzeugtypen eingesetzt werden sollen, wie das künftige Buskonzept der Region aussehen kann, wie die Taktfrequenz sein soll. In diesem speziellen Fall muss auch mitgedacht werden, welche Auswirkungen beispielsweise die geplante Entwicklung des Bahnhofsumfeldes in Bergedorf Süd hat. Auch die Bahnübergänge in Bergedorf müssen in die Überlegungen einbezogen werden. Einige der sechs Bahnübergänge in Bergedorf sind ohnehin schon stark befahren. Wenn zusätzliche Züge hinzukommen und damit der Bahnübergang zwangsläufig häufiger für den Kfz-Verkehr gesperrt werden muss, kann das zu Stau führen. Möglicherweise müssen wir hier also Bahnübergänge durch Über- oder Unterführungen ersetzen. Es gibt noch einiges zu klären, aber die Gespräche sowohl mit Hamburg als auch mit der AKN sind vielversprechend, und es werden nach und nach alle Themen geklärt werden können. Die Landesregierung wird gern im zuständigen Ausschuss fortlaufend zu den weiteren Umsetzungsfortschritten berichten. – Vielen Dank. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
