Niclas Dürbrook
Technisch sind die Hürden der Reaktivierung zu meistern, wie die Machbarkeitsstudie der NAH.SH vor drei Jahren gezeigt hat. Zwei Stufen zur Reaktivierung sind vorgesehen: In Stufe eins geht es von Geesthacht bis nach Bergedorf, in Stufe zwei dann vielleicht auch irgendwann einmal bis zum Hamburger Hauptbahnhof. Für diese Strecke braucht der Expressbus heute im Schnitt eine Stunde. Per Bahn wären es noch 34 Minuten. Das ist tatsächlich ein ziemlich relevanter Unterschied. Natürlich ist es ganz so einfach in der Praxis dann doch nicht. In Geesthacht gibt es kritische Stimmen, vor allem aber auch in Bergedorf: die Frage des Lärmschutzes, die konkrete Trasse mit Anbindung des Bahnhofs Bergedorf und vor allem die Frage der Bahnübergänge – drei sind es momentan. Die Schranken sind fast immer oben, weil kaum noch Güterzüge fahren. Das wäre künftig dramatisch anders. Das wird in der Planung zu klären sein. Genau an der Stelle setzt ja die Kritik der FDP an. Wenn die Bahnübergänge mit viel Aufwand überplant werden müssen, dann sieht der Kollege Buchholz die Wirtschaftlichkeit in Gefahr. Darum die Forderung, eine eisenbahnwirtschaftliche Untersuchung vorzuschalten, um den gesamtwirtschaftlichen Nutzen zu überprüfen und sicherzugehen, dass eine Bundesförderung möglich ist. Ich verstehe das Anliegen an der Stelle durchaus. Trotzdem werden wir heute den Grundsatzbeschluss zur Reaktivierung mittragen. Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir es ernst meinen mit der Verkehrswende und wirklich wollen, dass Menschen in großer Zahl vom Auto auf den Zug umsteigen, dann braucht es auch deutlich bessere Angebote, als es sie heute gibt. Diese Angebote gibt es in Schleswig-Holstein letztlich nur mit Reaktivierung, also mit dem Ausbau des Angebots, von dem wir alle im vergangenen Jahr fast schon mantrahaft immer wieder gesprochen haben, wenn wir gesagt haben, dass das Deutschlandticket alleine nicht reicht, sondern dass es eben auch den Ausbau des Angebots braucht. Mit Blick auf die offenen Reaktivierungsprojekte im Land gibt es bei Geesthacht–Bergedorf sicherlich eine ganze Menge Hürden, aber auch ein großes und wachsendes Potenzial. Und darum finden wir es richtig. Manchmal ist es ja tatsächlich so, dass man sich verwundert die Augen reibt, wenn man sieht, wie viel weiter wir beim Thema Bahnverbindungen – das hat die Kollegin Waldeck ja gerade auch schon gesagt – in Schleswig-Holstein eigentlich schon einmal waren, also welche Orte in der Vergangenheit per Zug zu erreichen waren, die es heute nicht mehr sind. Wo heute Gras und Büsche wachsen, da rollten vor einigen Jahrzehnten noch Personenzüge, die man heute mit Blick auf die Mobilitätswende bitter vermisst. Früher war ganz sicher bei Weitem nicht alles besser, aber zuweilen lohnt ein Blick zurück dann doch. Ich wünsche mir, dass wir in den kommenden Jahren eine Reihe von Bahnstrecken in Schleswig-Holstein aus dem Dornröschenschlaf erwecken. Hamburg–Geesthacht wäre dafür ein wirklich guter Anfang. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und vereinzelt CDU)
