Annabell Krämer
Für die Landesregierung erteile ich das Wort der Ministerin für Justiz und Gesundheit, Frau Professorin Dr. Kerstin von der Decken, in Vertretung für die Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur, Karin Prien. Dr. Kerstin von der Decken, Ministerin für Justiz und Gesundheit: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren Abgeordneten! Die Berufswahl ist eine wichtige, in der Regel weitreichende Entscheidung im Leben eines jungen Menschen. In Zeiten, in denen sich die Arbeitswelt immer schneller verändert, fällt diese Entscheidung vielen Jugendlichen zunehmend schwer. Die Landesregierung unternimmt viel, um den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern, und hat schon vor Jahren mit dem Landeskonzept Berufliche Orientierung darauf reagiert. So soll die Berufsorientierung schulartübergreifend gestärkt werden. Dazu gehört zum Beispiel das Seminarfach Berufliche Orientierung an den Gymnasien und der „Stärken Parcours“, den in der Jahrgangsstufe 7 alle Gemeinschaftsschulen verbindlich durchführen. Über diese Angebote zur allgemeinen Berufsorientierung für alle Schülerinnen und Schüler hinaus haben wir aber auch eine individuelle Unterstützung für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, denen dieser Schritt besonders schwerfällt. Es handelt sich um Schülerinnen und Schüler im Abgangsjahrgang, die keine Anschlussperspektive nach dem Schulbesuch haben und diese auch im weiteren Verlauf nicht finden. Die Jugendberufsagenturen im Land bieten ein passgenaues und wirksames Beratungsangebot für genau diese Gruppe von Schülerinnen und Schülern an. Sie sind so erfolgreich, weil sie in dezentraler Verantwortung mit großem Handlungsspielraum und verschiedenen örtlichen Kooperationspartnern zusammenarbeiten. Neben den Schulen sind das zum Beispiel die Jugendmigrationsdienste, Arbeitgeberorganisationen, die Jugendgerichtshilfe, aber (Ministerin Dr. Kerstin von der Decken) auch die Bundesagentur und die örtlichen Jobcenter. Diese rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit ermöglicht einen ganzheitlichen Blick auf die individuellen Herausforderungen jeder und jedes Einzelnen. In den regionalen Netzwerken agieren die Jugendberufsagenturen sehr eigenständig – passend zu den Rahmenbedingungen vor Ort. Die können in Kiel oder Neumünster anders sein als in Nordfriesland. Die erste Jugendberufsagentur eröffnete 2015. Mittlerweile gibt es in 14 Kreisen und kreisfreien Städten eine Jugendberufsagentur, teilweise mit mehreren Standorten. Dadurch erhalten junge Menschen in Schleswig-Holstein an insgesamt 20 Standorten Unterstützung. Darüber hinaus gibt es auch virtuelle Jugendberufsagenturen. Nur im Kreis Steinburg gibt es derzeit noch keinen Standort. Die Jugendberufsagenturen sind zurzeit in ihrer Ausgestaltung und ihrem Angebot noch sehr unterschiedlich aufgestellt. Mit der Richtlinie über die Förderung von Jugendberufsagenturen unterstützt das SHIBB die Etablierung und Weiterentwicklung von Jugendberufsagenturen, damit wir zu einer flächendeckenden Umsetzung des Konzeptes in allen Regionen kommen. Die Vielfalt der unterschiedlichen Jugendberufsagenturen ist auch auf der Fach- und Vernetzungstagung vor einem Monat, am 11. September 2023, sichtbar geworden. Diese Tagung wurde im Ergebnis der 2019 erfolgten Evaluation der Jugendberufsagenturen von vielen Akteuren gewünscht. Wir haben auch dort noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig eine gute Kommunikation und Vernetzung ist. Deshalb werden wir eine dauerhafte Vernetzungsstruktur schaffen und den Fach- und Vernetzungstag jährlich durchführen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vereinzelt CDU und Beifall Christian Dirschauer [SSW]) Um die qualitative Arbeit der Jugendberufsagenturen noch aussagekräftiger darzustellen und natürlich zu verbessern, sollten alle Standorte das gemeinsam entwickelte JBA-Monitoringsystem einsetzen. Dieses Monitoringsystem wurde Ende 2022 fertiggestellt und ist ein Ergebnis der Evaluation von 2019. Außerdem wird an einem Kriterienkatalog mit Qualitätsstandards zur rechtskreisübergreifenden Zusammenarbeit gearbeitet. Dieser soll bei der Neugründung, dem Aufbau und der Weiterentwicklung von Jugendberufsagenturen Hinweise für eine erfolgreiche Arbeit geben. Die sehr enge Zusammenarbeit der Jugendberufsagenturen mit den allgemein- und berufsbildenden Schulen und regionalen Ausbildungsbetrieben ist ein wichtiger Erfolgsfaktor und muss ebenfalls weiter ausgebaut und verbessert werden. Allen Schülerinnen und Schülern in Schleswig-Holstein sollten das Angebot der Jugendberufsagenturen und der für sie erreichbare Standort bekannt sein. Die Nutzung des Angebotes muss niedrigschwellig möglich sein. Das Bildungsministerium unterstützt bei der Information an Schulen. Ich danke an dieser Stelle allen engagierten Lehrkräften, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Jugendberufsagenturen und den zahlreichen Kooperationspartnern. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sie alle bieten jungen Menschen eine Perspektive, wo vorher keine war. Das ist von unschätzbarem Wert. – Vielen Dank. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)
