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Malte Krüger

GRÜNE 12.10.2023 Sitzungen 20/39

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Der Kollege Martin Habersaat hat hier beim letzten Mal, als wir über Jugendberufsagenturen gesprochen haben, ein Zitat von Olaf Scholz vorgetragen. Darin hat der Bundeskanzler gesagt, wie stolz er auf die Jugendberufsagenturen in Hamburg ist. (Zuruf SPD) Nun wissen die alteingesessenen Abgeordneten, dass es damals nicht der Hamburger Bürgermeister war, der die Jugendberufsagenturen bei uns im Land eingeführt hat, sondern die Küstenkoalition und maßgeblich unsere ehemalige grüne Abgeordnete Ines Strehlau, die sich wie keine Zweite für berufliche Bildung und auch die Jugendberufsagenturen eingesetzt hat. (Zurufe SPD: Oh! Ah!) – Das hat Martin Habersaat beim letzten Mal übrigens auch gesagt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf Beate Raudies [SPD]) (Malte Krüger) Jugendarbeitslosigkeit scheint in Deutschland kaum ein Problem zu sein. Nach jüngsten Zahlen liegt sie im EU-Schnitt bei 14 Prozent, in Deutschland aber nur bei 5,1 Prozent. Damit stehen wir im Vergleich am besten da. Auch die Zahlen im bundesdeutschen Vergleich zeigen, dass Schleswig-Holstein mit gut 5,3 Prozent knapp über dem gesamtdeutschen Schnitt liegt. Der schleswig-holsteinische Trend ist in den letzten Jahrzehnten nun einmal äußerst positiv. Waren 2005 noch 13,7 Prozent der 15- bis 25-Jährigen arbeitslos, hat sich diese Quote mehr als halbiert. Das ist erst einmal ein gutes Zeichen. Die Kollegin Uta Röpcke hat bereits im Dezember letzten Jahres darauf hingewiesen, dass es Jugendlichen und jungen Erwachsenen aber schwerfällt, ihre eigenen Zukunfts- und Ausbildungsperspektiven richtig einzuschätzen. Multiple Konfliktlagen verstärken dieses Phänomen. Eine gute Beratung ist von entscheidender Bedeutung. Ich bin auch der Überzeugung, dass junge Menschen eine so hohe Vielfalt an Angeboten haben, dass sie sich kaum entscheiden können. Uta Wenzel und ich waren neulich bei der Meister_innenfeier in Flensburg, und ich glaube, wir erinnern uns beide noch an eine junge Frau, die dort ihren dritten Meisterintitel stolz gezeigt hat. Das zeigt ein bisschen, dass es sehr viele Möglichkeiten gibt. Als sie gefragt worden ist, warum sie nun drei gemacht hat, sagte sie: „Es sind einfach so viele interessante Angebote da.“ – Das meine ich. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Dann braucht es eben eine gute Beratung. Oft gibt es Zweifel, ob man ein und denselben Beruf 40 Jahre lang ausüben will. Ehrlich gesagt: Ich hatte diese Zweifel auch und konnte mir nicht vorstellen, 40 Jahre lang als Lehrer zu arbeiten. Das mag auch ein Grund gewesen sein, warum ich Abgeordneter geworden bin. (Vereinzelte Heiterkeit BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Denn fünf Jahre Abgeordneter kann man noch überschauen, 40 Jahre Lehrer ist schon eine andere Nummer. Gute Beratung ist der Schlüssel, und mit der Einführung der Jugendberufsagenturen 2015 ist ein Meilenstein gesetzt worden. Hier ein Zitat von Ines Strehlau: „Die Jugendberufsagenturen gewährleisten eine engmaschige Begleitung. Die Jugendlichen stehen im Zentrum, Agentur für Arbeit, Jugendhilfe, Jobcenter und Schulen bilden unter einem gemeinsamen Dach ein Unterstützungsnetzwerk um sie herum. So fällt kein Schüler und keine Schülerin auf dem Weg von der Schule in den Beruf durch das Raster.“ – Zitatende. – Das Zitat ist tatsächlich ein Zitat von Ines Strehlau und nicht vom Bundeskanzler. Ich kann das nur dreimal unterstreichen. Die mittlerweile 14 Agenturen mit ihren 20 Standorten leisten einen wichtigen Beitrag für Jugendliche und junge Erwachsene. Daran wird nicht gerüttelt. Im Gegenteil: Wir möchten mit dem vorliegenden Antrag rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit in den Jugendberufsagenturen stärken, indem wir einheitliche Standards setzen. Mit dem Antrag soll nun ein Qualitätsrahmen durch die Landesregierung entwickelt werden. Dieser wird der Diversität der Jugendberufsagenturen gerecht, indem lokale Besonderheiten weiterhin berücksichtigt werden können. Wir werden den Fachtag der Jugendberufsagenturen verstetigen und dadurch den Erkenntnissen der Wissenschaft gerecht werden. Nur ein Austausch kann den Erfolg der Agenturen aufrechterhalten. Dadurch wird es möglich sein, die Strukturen noch weiter auszubauen und noch gezielter auch in die ländliche Fläche hinein eine Beratung und Vermittlung sicherzustellen – Herr Knöfler hat gerade darauf hingewiesen. Die Verlagerung der Beratung und Vermittlung von jungen Bürgergeldempfänger_innen in den Rechtskreis der Arbeitsagenturen ist mittlerweile nach berechtigter Kritik vom Tisch. Da unterscheiden wir uns ein bisschen: Ich habe schon Signale vernommen, dass der Bund reagiert hat und das Ganze so nicht machen will. – Hoffentlich! Um sicherzugehen, sollten wir als Land in unserem Antrag die Forderung aufrechterhalten, dass Beratung und Vermittlung sowie weitere Leistungen in Bezug auf den Beruf zwingend aus einer Hand kommen müssen. Dies bleibt nun also weiterhin in den Jobcentern und den Jugendberufsagenturen – hoffentlich. Es gibt noch den Änderungsantrag des Kollegen Habersaat. Erst einmal vielen Dank für diesen Änderungsantrag! Ich habe ihn mir angeschaut und finde, er enthält ein paar valide Punkte. Andere halte ich aber für nicht so valide, und deshalb möchte ich hier beantragen, dass wir beide Anträge in den Bildungsausschuss überweisen. (Malte Krüger) Lassen Sie uns weiter gemeinsam daran arbeiten, dass wir die Quote arbeitsloser junger SchleswigHolsteiner_innen erfolgreich unten halten! Lassen Sie uns weiter daran arbeiten, dass junge Menschen in diesem Land effektiv und zielorientiert beraten und in den Arbeitsmarkt integriert werden! – Herzlichen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

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