Peer Knöfler
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Wir reden heute nicht das erste Mal über Jugendberufsagenturen, aber in unserem Koalitionsvertrag steht: „Wir wollen in allen Regionen des Landes Jugendberufsagenturen als effizientes Unterstützungssystem einrichten.“ So haben wir es letztes Jahr im Mai dort niedergeschrieben. Nachdem seit 2015 in 14 Kreisen und kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins Jugendberufsagenturen aufgebaut wurden, die inzwischen an 20 Standorten vertreten sind, hatten wir uns zuletzt zur Aufgabe gemacht, diese Jugendberufsagenturen in regelmäßigen Austausch zu bringen. Auf dem Fach- und Vernetzungstag im September 2023 wurde die strukturelle Vielfalt der 14 Jugendberufsagenturen sichtbar. Jugendberufsagenturen sind für alle Beteiligten ein Erfolg. Sie bilden als erste Anlaufstelle für junge Menschen eine Brücke zwischen Schule und Ausbildung. Darüber reden wir sehr oft. Nach der Aufbauphase der Jugendberufsagenturen muss es jetzt darum gehen, gemeinsam mit allen Rechtskreisen und Kooperationspartnern einen Qualitätsrahmen mit Standards zur rechtskreisübergreifenden Zusammenarbeit für alle Jugendberufsagenturen festzulegen und weiterzuentwickeln. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD) Hierfür sollte ab 2025 eine dauerhafte Vernetzungsstruktur geschaffen werden und ein jährliches Fachund Vernetzungstreffen stattfinden. In dem Änderungsantrag wird von 2024 geredet; ich denke – wir haben das vorhin auch schon besprochen –, darüber können wir sicherlich auch im Ausschuss noch diskutieren. Denn: Wir müssen dafür werben beziehungsweise auch sorgen, dass die Jugendberufsagenturen von den Jugendlichen, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder Job sind, auch wirklich aufgesucht werden. Wir müssen dafür sorgen, dass junge Menschen bei ihrem Übergang von der Schule in den Beruf gefördert und begleitet werden. Wir müssen für eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten im Übergangsbereich sorgen, sozusagen ein Übergangsmanagement schaffen und festigen. Seit Jahren hören wir immer wieder vom Fachkräftemangel. Seit Jahren reden wir – auch hier – immer wieder darüber: Wie kann es sein, dass Ausbildungsplätze nicht mehr besetzt werden können? Wie kann es also sein, dass wir immer mehr Jugendliche direkt in die Arbeitslosigkeit verlieren? Wie kann es sein, dass unsere Jugendlichen keine Perspektive sehen, keinen Willen verspüren, sich in unserem System zu integrieren und mitzuarbeiten? – Da spreche ich nicht von der neuen Work-LifeBalance oder Ähnlichem. – Wie kann es sein, dass immer mehr Jugendliche ohne Schulabschluss die Schule verlassen? (Peer Knöfler) Der Bund – das ist mein Kenntnisstand von heute – möchte junge Menschen unter 25 Jahren, die Bürgergeld beziehen, ab dem Jahr 2025 vom Verantwortungsbereich der Jobcenter einfach in die Zuständigkeit der Agentur für Arbeit überführen. Durch diesen Wechsel der Zuständigkeit von der Jugendberufsagentur zur Agentur für Arbeit wären massive negative Auswirkungen auf die Zielgruppe zu erwarten, da die Jugendberufsagenturen weit mehr leisten als nur Beratung und Ausbildungsvermittlung. In den meisten Fällen sind zunächst eine Stabilisierung und Aktivierung erforderlich. Dafür sind die Jugendberufsagenturen ausgebildet und mit allen relevanten Arbeitsmarktakteuren in der Region gut vernetzt. (Beifall CDU und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Der Zugang zu diesen bestehenden Unterstützungsstrukturen muss weiterhin niedrigschwellig möglich sein, da ansonsten berufliche Integration behindert sowie Verarmung, soziale Ausgrenzung und Radikalisierung junger Menschen befördert würden. Dabei unterstützt auf jeden Fall auch das YouConnectSystem zum digitalen Datenaustausch zwischen den Rechtskreisen, damit eine gemeinsame Fallarbeit effizienter gestaltet werden kann. Und noch einmal: Es ist zu befürchten, dass bei einem Wechsel dieser Zuständigkeiten insbesondere die Jugendlichen, die Unterstützung am dringendsten benötigen, den Weg zu den Agenturen für Arbeit nicht finden werden. Darum kann ich bei diesen Überlegungen auf keinen Fall mitgehen. Ich denke, das können alle hier nicht, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Aber vielleicht werden die Bundesschwingungen in die richtige Richtung ja bald irgendwann einmal final fixiert werden. Wir haben dafür gesorgt, dass das Netz der Jugendberufsagenturen auf- und ausgebaut wurde und hier auch ein Austausch stattfindet. Genau hier sollten wir ansetzen, die Qualität der Beratung weiter verbessern und ermitteln, wie wir Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 besser erreichen, wie wir sie dazu motivieren können, sich für einen handwerklichen, gastgewerblichen oder sozialen Beruf zu entscheiden. Es ist eigentlich egal, wofür sie sich entscheiden – Hauptsache, eine Berufsausbildung und dadurch dauerhaft im Arbeitsmarkt. Wir müssen ihnen helfen, einen Berufszweig zu finden, der mit ihren Vorstellungen und Qualifikationen übereinstimmt, sie ermutigen, ihren Abschluss nachzuholen oder sich gar weiterzuqualifizieren, um den Start ins Berufsleben doch noch zu schaffen. Genau hierfür brauchen wir die Jugendberufsagenturen mit der Zuständigkeit für Personen bis mindestens 25 Jahre. Vor einer Erweiterung auf die über 25-Jährigen ist es sicherlich wichtiger, die Jugendberufsagenturen in alle Regionen, auch dorthin, wo sie noch nicht vorhanden sind, auszuweiten, und sich dann mit dem anderen Thema zu beschäftigen. (Vereinzelter Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
