landtag.ltsh.de ↗

Malte Krüger

GRÜNE 21.09.2023 Sitzungen 20/36

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich habe die Zeit gerade genutzt, die Herr Balasus uns gegeben hat. Bei mir ist es noch nicht allzu lange her mit den Klassenfahrten. Da kamen bei mir Momente hoch, wie in Glücksburg einer meiner Mitschüler ins Wasser gefallen ist, als er die Enten füttern wollte, oder als wir Public Viewing Deutschland gegen Argentinien 2010 bei der WM geschaut haben, und auch eine Wanderung bei Schloss Neuschwanstein. Das sind Momente – ich denke, jeder von uns kennt solche Momente von Klassenfahrten –, die einfach unver- (Malte Krüger) gesslich und total wichtig für jeden Schulbesuch sind. Klassenfahrten oder – wie sie auch im Schulgesetz heißen – Schulausflüge sind mehr als nur eine Pause vom Bücher- und Klassenzimmeralltag; sie sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Bildung und bieten unschätzbare Lektionen und Erfahrungen, die weit über die Grenzen des Klassenzimmers hinausgehen. Wir alle kennen vielleicht noch den Film „Das fliegende Klassenzimmer“. (Beate Raudies [SPD]: Ach du liebe Güte, jetzt wird es aber bunt! – Dr. Kai Dolgner [SPD]: Das war aber keine Klassenfahrt, das war ein Theaterstück!) Ich habe den oft gesehen. Ich glaube, das ist ein Klassiker der deutschen Kultur. Bei Klassenfahrten geht es auch um Lebenskompetenzen wie Problemlösung, Entscheidungsfindung und Anpassungsfähigkeit. Wenn wir unsere Komfortzone verlassen und neuen Umgebungen, Kulturen und Herausforderungen begegnen, sind wir gezwungen, spontan zu denken. Das bringt etwas für Resilienz und das praktische Leben. Das können wir gut für das schulische Leben, das Privatleben und später auch für das berufliche Leben nutzen. (Beate Raudies [SPD]: Das hat hier niemand in Abrede gestellt!) Viel wichtiger finde ich aber, dass Klassenfahrten auch die soziale Interaktion und die Entwicklung zwischenmenschlicher Kompetenzen fördern. Sie bieten Schüler_innen die Möglichkeit, in einem weniger formellen Rahmen, wenn auch für einen kurzen Zeitraum, mit Gleichaltrigen zusammenzuleben, zu kommunizieren und Kontakte zu knüpfen. Freundschaften und Erinnerungen, die auf Klassenfahrten entstehen, halten oft ein Leben lang und führen zu einem positiven Schulklima. (Beate Raudies [SPD]: So, jetzt aber Butter bei die Fische!) Bei einer Debatte über Klassenfahrten muss aber natürlich auch betont werden, dass aus finanziellen Gründen nicht alle Schüler_innen den gleichen Zugang zu Klassenfahrten haben. Ich persönlich hätte mir daher gewünscht, dass die kommende Kindergrundsicherung Eltern noch mehr bei solchen Kosten unterstützen würde. Hier sind auch Schulkonferenzen und Klassengemeinschaften gefragt, gemeinsam darauf hinzuwirken, dass jede Schülerin und jeder Schüler die Möglichkeit hat, an diesen bereichernden Erfahrungen teilzunehmen. Ich würde mir wünschen, dass das auch mehr das Zentrum der heutigen Debatte wäre. (Beate Raudies [SPD]: Dass der Bund etwas tut! Genau, ja! – Weiterer Zuruf Dr. Kai Dolgner [SPD]) Herr Habersaat tut allerdings in seiner Rede gerade wieder genauso wie in den letzten Wochen, als ob in Schleswig-Holstein keine einzige Klassenfahrt stattfände. Das ist jedenfalls mein Eindruck. (Martin Habersaat [SPD]: So ein Quatsch! – Weitere Zurufe SPD) Sie tun so, als ob es nicht stattfinden würde. Das stimmt natürlich nicht. (Dr. Kai Dolgner [SPD]: Sie können gern Ihre Pappkameraden aufbauen!) Das Land – das stimmt – hat bei Klassenfahrten die Aufgabe, die Kosten für die Lehrkräfte zu tragen. Wiederholt ist in den letzten Wochen die Kritik geäußert geworden, auch mir gegenüber, dass die Mittel dafür nicht ausreichten. Das stimmt, einige Schulen haben sich auch bei mir gemeldet. Allerdings sehe ich da schon einen Unterschied. Wenn ich mir die Fälle, die an mich herangetragen worden sind, wirklich ernsthaft angeschaut habe, hat sich meist auch eine Erklärung ergeben, warum an der spezifischen Schule die Mittel nicht ausgereicht haben. Herr Balasus hat gerade schon ausgeführt – das ist auch meine Erkenntnis –: In den überwiegenden Fällen, in 95 Prozent der Fälle, haben die Mittel für die Klassenfahrten vollkommen ausgereicht. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Für mich ist die Erkenntnis aus den letzten Wochen, in der die Debatte geführt wurde: Schulen planen ihre Klassenfahrten sehr unterschiedlich. Das ist auch gut so. Wir wollen, dass Schulen die Freiheit haben, ihre Fahrten selbst zu gestalten. Allerdings steht jeder Schule hierfür ein festes Budget für die Fahrtkosten der Lehrkräfte zur Verfügung, das dann bei der Planung berücksichtigt werden muss. Natürlich ist nicht zu verhehlen, dass sich Reiseund Unterbringungskosten in den letzten Jahren erhöht haben. Deshalb macht es Sinn zu prüfen, ob die durch das Land zur Verfügung gestellten Mittel noch auskömmlich sind. Das hört sich erst einmal nach einem Widerspruch an: Die Mittel werden nicht ausgereizt, aber an einigen Schulen reichen sie nicht. Das muss man sich noch einmal ernsthaft anschauen. (Malte Krüger) Es macht auch Sinn, einmal die Kriterien zu betrachten, nach denen diese Mittel auf die einzelnen Schulen verteilt werden. Das steht auch in unserem Alternativantrag. Darauf sind Sie leider gar nicht eingegangen, Herr Habersaat. Das hätte ich mir sehr gewünscht. Vielleicht können Sie das gleich noch nachholen. Denn eines ist und bleibt klar: Eine Umlage der regulären Fahrtkosten der Lehrkräfte auf die Eltern ist rechtlich nicht zulässig. Das war so, und das bleibt so. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

Alle Reden von Malte Krüger Protokoll ↗