Dagmar Hildebrand
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Wenn wir über Drogenkonsum sprechen, dann sprechen wir in erster Linie von einer großen Herausforderung, nämlich der Suchtprävention. Hierbei geht es nicht nur darum, dass der Bund die Länder bei der Prävention finanziell kraftvoll unterstützen muss – und das wesentlich deutlicher, als es jetzt der Fall ist. Dies sage ich insbesondere mit Blick auf die Cannabislegalisierung, die wir als CDU landauf, landab ablehnen. Das möchte ich ganz klar betonen. (Beifall CDU – Dr. Kai Dolgner [SPD]: Mit Ausnahme der Jungen Union!) Um den Drogenkonsum einzudämmen und schwere Folgen zu verhindern, sind wir gleichwohl aufgeschlossen, wenn es darum geht, niedrigschwellige Angebote im Bereich der Drogenberatung und der Suchtprävention anzubieten – so auch in diesem Fall mit dem sogenannten Drug-Checking. (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Damit haben wir niedrigschwellige Angebote zur Selbsttestung psychoaktiver Substanzen, die unterschiedlich, zum Beispiel in Tablettenform, vorliegen. Dieses Angebot wollen wir hier in Schles- (Dagmar Hildebrand) wig‑Holstein im Party- und Präventionsprojekt Odyssee modellhaft erproben. Neben der Schadensminimierung steht besonders die Kontaktaufnahme zu den Konsumierenden im Vordergrund; denn Personen, die verbotene psychoaktive Substanzen in ihrer Freizeit konsumieren, sind in der Regel schwer für uns erreichbar. Mit dem Drug-Checking im Rahmen des Odyssee-Programms wollen wir den Konsumenten den Zugang zu Prävention niedrigschwellig ermöglichen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Denn nach der freiwilligen und anonymen Analyse der Substanzen und deren Inhaltsstoffe wird auch ein Beratungsgespräch bei den Konsumenten stattfinden. Darin werden die Konsumierenden auf mögliche Gefahren der getesteten Substanzen wie zum Beispiel Streckmittel, Verunreinigungen, Hochdosierung oder auch Wechselwirkung mit anderen Drogen hingewiesen. Dies hilft den Konsumenten, aber auch der Politik, uns und auch der Landesregierung, denn durch die Analyse und die Beratungsgespräche werden Erkenntnisse über das Verhalten der Gelegenheitskonsumierenden sowie über die Entwicklung des illegalen Drogenmarktes oder auch zu neu aufkommenden psychoaktiven Substanzen erlangt. Andere Länder wie Österreich oder die Schweiz haben bereits Langzeiterfahrung mit Drug-Checking. Es ergibt sich auch ein Vorteil aus dieser Maßnahme. Dementsprechend ist das Instrument der Selbsttestung ein geeignetes Mittel, um Überdosierung oder ungewollte Intoxikation konkret zu verhindern. Wie sieht es mit dem Erfolg aus? Gibt es Verhaltensanpassungen der Nutzer, nachdem sie Drug-Checking durchgeführt haben? – Ja, in der Tat, die gibt es. Satte 65 Prozent sagen, dass sie nach der Testung der Substanzen weniger riskant konsumieren. Rund 45 Prozent geben an, dass sie nach der Testung weniger bis gar nicht mehr konsumieren. Dementsprechend ist es besonders wichtig, gerade diese Zielgruppe zu erreichen und ebenso konsequent wie ausreichend zu sensibilisieren. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Meine Zeit geht leider dem Ende zu. Eine wichtige Konsequenz des Drug-Checking ist auch, dass immer dann, wenn aufgrund einer chemischen Analyse eine Warnung erfolgt, Konsumierende 90 Prozent weniger als vorher geplant konsumieren, dass im Umkreis informiert wird, dass die Drogen, die sie bei sich tragen, verunreinigt sind und dass Warnungen in ihrem Umfeld ausgesprochen werden. Es ist Zeit, dass wir mit einem Modellvorhaben hier in Schleswig‑Holstein starten. Ich bedanke mich bei meinen Kollegen der Fraktionen. Ich sage vielen Dank, und lassen Sie uns mit diesem Projekt einmal starten. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
