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Sophia Schiebe

SPD 20.09.2023 Sitzungen 20/35

Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zur Vorbereitung auf die heutige Landtagssitzung habe ich ChatGPT gefragt, was eine effektive Strategie ausmacht. Demnach umfasst eine effektive Strategie die Festlegung von Zahlen, die Identifizierung von Ressourcen und die Auswahl von Handlungsabläufen, um diese Ziele zu (Sophia Schiebe) erreichen, wobei auch die Umstände berücksichtigt werden. Die Fachkräfte-Stärken-Strategie des Sozialministeriums hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Fachkräfte für unsere Kitas zu gewinnen. Das unterstützen wir alle. Check. Erstes Kriterium erfüllt. Doch bereits beim zweiten Merkmal wird es schwierig. Denn leider weiß die Landesregierung überhaupt nicht, wie viele Fachkräfte fehlen oder noch fehlen werden. Mit anderen Worten: Sie wissen gar nicht, was Ihre Ressourcen sind. Damit scheitern Sie schon beim zweiten Kriterium der Strategiefähigkeit. Das ist doch eine Farce, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall SPD und Christian Dirschauer [SSW]) Auf welchen Annahmen beruhen denn ihre nächsten Schritte? Karten legen oder in die Glaskugel schauen? Wir wissen, dass sich viele Erzieherinnen und Erzieher in unseren Kitas dem Rentenalter nähern. Daher wäre es wichtig, frühzeitig den Bedarf an Nachwuchskräften zu ermitteln, um Engpässe zu vermeiden. Zudem muss auch unsere Bildungsministerin, Frau Prien, wissen, wie viele Lehrkräfte sie zur Ausbildung unseres Fachpersonals braucht. Oder nicht? Oder wird auch das einfach gewürfelt? Nicht nur in unseren Kitas mangelt es an pädagogischen Fachkräften. Ich habe noch keine Maßnahme oder zumindest ein paar Worte seitens der Landesregierung vernommen, wie wir pädagogisches Personal für den Bereich der Jugendhilfe gewinnen wollen. Auch dort werden gerade Gruppen geschlossen. Das geht überhaupt nicht. (Beifall SPD und Christian Dirschauer [SSW]) Da frage ich mich schon, wo wir beispielsweise Kinder und Jugendliche in stationären Wohngruppen unterbringen wollen, wenn keine Erzieher_innen mehr da sind. Ziehen die dann bei uns ins Landeshaus ein? In meinem Büro kann maximal ein Kind übernachten. Wie viele ziehen bei Ihnen ein, Frau Touré? Und da war ja noch etwas: Ich habe gehört, da kommt so etwas, das sich Rechtsanspruch Ganztag nennt, ab dem Jahr 2026. Aber was beschwere ich mich! Das ist ja noch so lange hin. (Zurufe FDP: Das läuft!) Da muss die AG Ganztag auch nicht so oft tagen. Dreimal bis jetzt, das reicht doch völlig aus! Ihr Konzept ist offenbar: Wir lassen die Schüler_innen nach dem Unterricht einfach auf den Schulhof laufen, und zwischendurch gibt es eine Fußball AG und den Nähkurs mit Frau Meier. Das passt dann schon. Ein Viertel unserer pädagogischen Fachkräfte verlässt bereits nach fünf Jahren wieder die Kita. Was ist die Antwort seitens der Landesregierung? Helfende Hände gibt es nur, wenn der Fachkraft-KindSchlüssel abgesenkt ist, und die Bürokratie wird nicht abgebaut. § 35 beispielsweise bleibt mit ein paar Ausnahmen bestehen. Die Kitaleitungen dürfen weiter fleißig Listen ausfüllen, anstatt sich mit der Konzeption und Führung ihrer Mitarbeiter_innen auseinanderzusetzen. Viele erhofften sich, dass mit der Evaluation des Kindertagesstättengesetzes endlich Anpassungen erfolgen, die unser pädagogisches Personal im Alltag wirklich entlasten. Verfügungszeit zur Vor- und Nachbereitung des Kitaalltags, für Elterngespräche, Anrechnung von Hauswirtschaftspersonen im Standard-Qualitäts-Kosten-Modell oder mehr Ausfalltage. Doch die Evaluation wird ohne ein Übergangsmanagement nach hinten geschoben. Und wer soll das ausbügeln? – Die Standortgemeinden. Auch hier fehlt es an einem klaren Bekenntnis in Richtung unserer Kitaeltern, dass die Beiträge im kommenden Jahr nicht steigen werden. Bei vielen fällt jetzt schon der Urlaub oder der Ausflug in den Zoo weg. Sie haben Angst, dass alles immer teurer wird. Die Eltern wollen einfach, dass ihre Kinder Kinder sein können. Sie sollen die Möglichkeit haben, in den Fußballverein oder mit Freunden ins Schwimmbad zu gehen. Unsere Eltern setzen die Besorgungen für ihre Kinder ganz oben auf die Liste und stecken bei sich selbst zurück. Auch wenn ein Vollzeitverdiener und eine Teilzeitkraft mit 30 Stunden ihr Einkommen zusammenlegen, ist der Monat manchmal zu lang für das Geld. Der Verweis auf die Anhebung der Sozialstaffel, das Wohngeld oder andere soziale Ermäßigungen hilft nicht. Viele haben darauf einfach keinen Anspruch. Ich höre in letzter Zeit immer wieder, dass vor allem den Müttern geraten wird, doch einfach zu Hause zu bleiben, dann würde ja der Anspruch bestehen. Sieht so für uns in Schleswig-Holstein Gleichstellung aus? – Für mich nicht! (Beifall SPD und SSW) (Sophia Schiebe) Zudem brauchen wir genau diese Frauen als Fachkräfte. Nicht selten sind es doch gerade sie, die in der Pflege und in unseren Schulen arbeiten. Daher wäre eine Fachkräftestrategie, die auch dies berücksichtigt, angebracht. Liebe Landesregierung, Sie haben ein paar Ideen auf den Weg gebracht, um unsere Kitas zu entlasten. Da die Kenntnisse über die Ressourcen und Handlungsabläufe noch Luft nach oben haben, kann ich hier jedoch leider keine Strategie erkennen. (Beifall SPD und SSW)

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