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Sandra Redmann

SPD 20.09.2023 Sitzungen 20/35

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sechs entzückende Katzenbabys, die vor circa einem Monat neben ihrer toten Mutter auf einem Feld gefunden wurden, werden zurzeit im Tierheim Mölln liebevoll aufgepäppelt. Was viele von uns verzückt – nicht umsonst gibt es Millionen Videos von süßen Katzen im Internet –, hat einen dramatischen Hintergrund: das Elend der Straßenkatzen. Weit mehr als 50.000 verwilderte Katzen leben in Schleswig-Holstein von den meisten unbemerkt und doch so nah: in Kleingärten, auf Friedhöfen, in Wohngebieten oder in der Nähe von Bauernhöfen. Die allermeisten – meine Kollegin hat es gesagt – sind von Parasiten befallen, unterernährt und krank. Die Lage ist verheerend, und die Tierheime und Organisationen wenden sich mit Hilferufen an die Politik, also an uns, damit wir endlich mehr tun und dieses Problem in den Griff bekommen. Bereits 2014 hat Schleswig-Holstein mit einer landesweiten Kastrationsaktion begonnen. Ich kann mich gut an die vorausgegangene Diskussion erinnern. Zu Beginn eher belächelt, zweifelt heute kaum jemand daran, dass dies der richtige erste Schritt war, denn die Fundtierzahlen sanken tatsächlich. Das hat sich nun aber wieder geändert. In der Coronazeit haben sich viele Menschen eine oder mehrere Katzen angeschafft, die leider oft nicht kastriert sind. Wenn diese dann auch noch Freigänger sind, steht der Vermehrung mit frei lebenden Katzen nichts mehr im Wege. Das ist dann weder süß noch tierfreundlich. (Beifall SPD, FDP und SSW) Liebe Kolleginnen und Kollegen, auf Einladung der SPD-Fraktion waren der Tierschutzbund Schleswig-Holstein, Tierheime und Tierschutzorganisationen aus dem ganzen Land vor Kurzem im Landeshaus zu Gast. Alle, wirklich alle haben übereinstimmend von diesem erheblichen Problem berichtet und uns gebeten – ich möchte schon sagen: angefleht –, (Annabell Krämer [FDP]: Ja!) eine landesweite Katzenschutzverordnung auf den Weg zu bringen. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Das macht ja auch Sinn!) 2021 und 2022 haben die Tierheime circa 200 Fundkatzen pro Jahr aufgenommen. Hinzu kommen weitere Katzen, die aus unterschiedlichsten Gründen im Tierheim abgegeben werden. So bleibt trotz Vermittlung der Katzenbestand in den Tierheimen hoch, und das Elend der Straßenkatzen geht weiter. Einige Tierheime mussten einen Aufnahmestopp erlassen, weil sie die Katzen nicht mehr unterbringen konnten. Das kann zur Folge haben – ich gebe einmal ein Beispiel –, dass eine achtzigjährige ältere Dame, die ins Altenheim muss, ihre Katze im Tierheim nicht mehr abgeben kann. Aber die dortigen Tierschützerinnen und Tierschützer helfen in der Regel natürlich bei der Vermittlung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, man kann jetzt sagen, dass die Kommunen es richten sollen – einige machen das ja auch. Das allein wird aber nichts bringen und reicht auf keinen Fall – das ist eben ausgeführt worden. Wir können auch fordern, dass eine bundesweite Katzenschutzverordnung auf den Weg gebracht wird, und seien Sie sicher, die SPDFraktion wird dies auch weiterhin verfolgen. Jetzt aber sind wir hier gefragt. Berlin und das Saarland machen es uns vor, Niedersachsen macht sich gerade auf den Weg. Mit unserem Antrag vereinen wir gleich mehrere wichtige Punkte: Kastrations‑, Kennzeichnungsund Registrierungspflicht für Freigängerkatzen, eine Informationskampagne und eine praktikable Übergangsfrist, Mittelverstetigung, ein Härtefallfonds für finanzschwache Tierhaltende und Ausnahmetatbestände. (Vereinzelter Beifall SPD und FDP) In den Tierheimen und Tierschutzvereinen wird zurzeit mit viel Herzblut – man muss wirklich sagen: bis zur Erschöpfung – gearbeitet. Viele von uns haben sich vor Ort selbst ein Bild davon gemacht. Da gibt es keinen Dienst nach Plan, und ohne das Ehrenamt würde rein gar nichts mehr laufen, da könnten die zumachen. Dafür wollen sie von uns keinen Händedruck und auch keine warmen Worte am Tag der offenen Tür. Sie erwarten von der Politik, dass sie nachhaltig das Elend der Straßenkatzen (Sandra Redmann) beendet und ihnen dabei hilft, ihre Arbeit überhaupt weiterführen zu können. Das Hin- und Herschieben von Verantwortung muss endlich ein Ende haben. Das ist hier heute unsere Aufgabe. Wir stimmen dem Antrag der FDP natürlich ebenfalls zu und sind auf die Erläuterungen von CDU und Grünen wirklich sehr gespannt. – Vielen Dank. (Beifall SPD, FDP und SSW)

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