Anette Röttger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst ein herzlicher Dank, Herr Minister, für Ihren ausführlichen Bericht. Heute gibt es Ferien. Heute gibt es Zeugnisse. Da wäre doch nichts passender, als genau heute über das Thema Weiterbildung zu sprechen. Deswegen freue ich mich sehr, dass wir das an dieser Stelle tun. Ich möchte Ihnen, Herr Habersaat, ganz deutlich sagen: Es erfordert immer auch die Bereitschaft zu einem lebenslangen Lernen. Ich möchte drei wesentliche Aspekte zu dem Thema hervorheben. Der Fachkräftemangel ist uns allen gegenwärtig. Daraus leitet sich eine wichtige Botschaft ab: Jeder und jede hier in diesem Land wird gebraucht. Das ist eine Botschaft, die nicht immer gegolten hat. Es gab Jahre, da hatte man nicht das Gefühl, Arbeit zu finden und gebraucht zu werden. Heute brauchen wir jeden und jede. (Beifall CDU) Die Vielfalt der beruflichen Angebote ist aber unübersichtlicher geworden, und es braucht umso mehr Dialog und Hinführung, um den richtigen Platz im Leben zu finden, damit sich die Talente, die jeder individuell von uns mitgebracht hat, auch entfalten können. Weiterbildung ist also ein zentrales Thema in dieser Zeit. Jeder und jede hier in unserem Land soll die Chance erhalten, die ganz persönlichen Neigungen und Talente in einen Beruf zu verwandeln, der dann auch zu einer Art Berufung wird. Denn es passt dann am besten, wenn aus Beruf Berufung wird. Nutzen wir die nächsten Wochen, in denen es nicht nach einem strammen Stundenplan zugeht, vielleicht für die Entdeckung mancher neuen Talente, mancher neuen Überraschung. Sich selbst kennenlernen, das kann diese Zeit bringen. Der zweite Aspekt: Die Veränderungen und Transformationsprozesse in der Arbeitswelt sind uns allen allgegenwärtig. Eine Zeit, die immer digitaler wird, verändert Arbeitsprozesse, verändert Arbeitszeiten, kollegiales Miteinander, aber auch Behördengänge und Antragstellungen. Vieles von dem lässt sich nur gemeinsam auch unter den unterschiedlichen Altersgruppen und in Generationen erlernen und bewältigen. Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen ist und bleibt auch für diesen Aspekt unverzichtbar. Der einmal erlernte Beruf muss nicht im ganzen Leben ausgeübt werden oder kann manchmal auch nicht ausgeübt werden, weil die Berufe gar nicht mehr erforderlich sind und neue Dinge anstehen. Das erfordert eine lebenslange Bereitschaft, sich auf Umschulung überhaupt einzulassen. Der dritte Aspekt: Wir wollen Schleswig-Holstein mit Innovationen in die Zukunft führen. Das ist ein zentrales Anliegen in dieser Legislaturperiode. Lassen Sie mich dazu das Beispiel von gestern Abend aufgreifen. Gestern Abend trafen sich die IHK und die HanseBelt-Region zu einem Parlamentarischen Abend und richteten den Blick auf die Chancen und Herausforderungen im HanseBelt. Unter der Überschrift „HanseBelt – Wir haben alles zum Glück“ beschreibt man diese neue Zukunftsregion. Eine Zukunftsregion mit dieser Überschrift, in der die glücklichen Menschen leben und in der eine Region zwischen der Metropole Hamburg bis nach Kopenhagen – hier in Schleswig-Holstein könnte man sagen: zwischen Hamburg und Fehmarn – zusammenwachsen soll und sich den neuen Veränderungsprozessen durch Fehmarnbelt stellen soll, erfordert kluge und kompetente Köpfe. Auch hier wieder der Aspekt: Weiterbildung ist gefragt. Ich war begeistert, dass sich auch Vertreter der Universität in diesen Prozess einbinden. Das zeigt deutlich – Herr Minister, Sie haben darauf hingewiesen –, dass die Weiterbildungsstrategie, die durch den Koalitionsvertrag auf den Weg gebracht worden ist, alle Ministerien einbindet, vom Wirtschaftsministerium über das Bildungs- und Wissenschaftsministerium bis hin zum Energieministerium. In dieser Plenarwoche haben wir von den basalen Kompetenzen bis hin zur Wettbewerbsfähigkeit in der Industrie vieles besprochen. Der Sprachenerwerb, Lesen, Schreiben, Rechnen sind Grundkom-2548 Schleswig-Holsteinischer (Anette Röttger) petenzen, die immer hilfreich sind. Sie müssen eingeübt werden. Persönliche Begabungen und Talente sind individuell ganz unterschiedlich ausgeprägt. Diese gilt es zu entdecken. Nutzen wir das und seien wir bereit; denn auch Anstrengung und Leistungsbereitschaft sind die Voraussetzungen dafür. Das sollten wir nicht vergessen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Nutzen wir diesen Sommer für eine feste persönliche Verankerung von Weiterbildung in diesem Land; denn es ist sehr schön hier. Wir leben in einer guten Region, und es ist bekannt, dass hier die glücklichsten Menschen leben. Gehen wir gut miteinander um. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen schönen Sommer. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
