Claus Ruhe Madsen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wir brauchen Fachkräfte. Der Fachkräftemangel nimmt Fahrt auf, und wir müssen mit allen Mitteln gegensteuern. Die Tatsache, dass EU-weit das Europäische Jahr der Kompetenzen ausgerufen wurde, zeigt, dass das kein rein deutsches Problem ist; es ist vielmehr ein Problem, mit dem alle Industriestaaten zu kämpfen haben. Spanien sucht heute schon 120.000 Fachkräfte. In Schweden fehlen 70.000 IT-Fachleute. Frankreich braucht 50.000 Lkw-Fahrer. In Italien sind sogar 400.000 Stellen unbesetzt, vor allem im Maschinenbau, aber auch im Tourismus. Diesen Ländern geht es also so ähnlich wie uns. Deswegen ist es sinnvoll, sich auf europäischer Ebene damit zu befassen. Aber wir warten hier natürlich nicht auf Initiativen der EU, sondern wir haben das Thema schon lange auf dem Radar. Um den Fachkräftebedarf zu decken, brauchen wir Zuwanderung. Deswegen eröffnen wir noch in diesem Jahr unser Welcome-Center. Aber wir müssen auch nach innen schauen und, wie es so schön heißt, die vorhandenen Potenziale heben. Im Juni dieses Jahres hatten wir in Schleswig-Holstein rund 85.000 Arbeitslose; rein rechnerisch deckt das den Bedarf an Fachkräften. In der Praxis funktioniert das natürlich nicht so einfach. Wir können dem gelernten Friseur schließlich keinen Job als Anlagenmechaniker aufzwingen. Aber wir können mit Fort- und Weiterbildung schon einen Unterschied machen und die eine oder andere Lücke füllen. Wir schauen auf Weiterbildung, aber nicht nur aus Unternehmerperspektive. Es geht in erster Linie darum, den Menschen lebenslanges Lernen zu ermöglichen und ihnen die Chance zu geben, sich in den Bereichen weiterzuentwickeln, die sie interessieren oder die ihnen etwas bringen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Digitalisierung ist dafür das beste Beispiel. Wenn ich kein Smartphone habe, bin ich mittlerweile von vielen Dingen ausgeschlossen oder habe es erheblich schwerer. Konzertkarten kaufen, Busverbindungen nachschauen, einen Tisch im Restaurant reservieren – gesellschaftliche Teilhabe ist oft digital. Gleiches gilt für den Beruf. Auf Schreibmaschinen schreibt heute niemand mehr, und immer mehr Produktionsprozesse laufen digital und automatisiert ab. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass alle so gut es geht daran teilhaben können, und das gelingt nur mit entsprechenden Weiterbildungsangeboten. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Darum geht es beim Europäischen Jahr der Kompetenzen, und darum wird es auch in unserer Weiterbildungsstrategie gehen. Bei der Erarbeitung werden wir die im SPD-Antrag genannten Punkte prüfen. Wir wollen mit der Weiterbildungsstrategie alle Bereiche abdecken: die berufliche, die abschlussorientierte sowie die allgemeinpolitische und die kulturelle Weiterbildung. Die EU will bis 2030 dafür sorgen, dass sich jedes Jahr mindestens 60 Prozent aller Erwachsenen weiterbilden. Deutschland setzt sich mit 65 Prozent noch höhere Ziele, und dazu wollen wir beitragen. Ich finde es gut und wichtig, dass die EU das Europäische Jahr der Kompetenzen ins Leben gerufen hat; denn wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen. Vor allem müssen auch Unternehmen verstehen, wie wichtig Investitionen in die Weiterbildung der Beschäftigten sind. Das ist keine verlorene Arbeitszeit, kein verlorenes Geld, es ist gewonnene Kompetenz und eine Investition in eine bessere Zukunft. Wir müssen uns auch mal fragen, was es kostet, etwas nicht zu tun, statt uns immer zu fragen, was es kostet, wenn wir etwas tun. Klar ist: Bildung kostet, keine Bildung noch viel mehr. Weil das so wichtig ist, gibt es zahlreiche Unterstützungsprogramme, vor allem im Rahmen des Landesprogramms Arbeit. Der Weiterbildungsbonus Pro war ein Riesenerfolg. Deswegen führen wir die Förderung als Weiterbildungsbonus Schleswig-Holstein weiter. Dabei übernehmen wir bis zu 40 Prozent der Seminarkosten der beruflichen Fort- und Weiterbildung. Auch das Beratungsnetzwerk Weiterbildung und das Kursportal Schleswig-Holstein unterstützen wir weiterhin. Im Bildungsministerium werden die Gelder der EU unter anderem in die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung investiert. Das Europaministerium hat mehrere Veranstaltungen zum Thema Europäisches Jahr der Kompetenzen durchgeführt. (Minister Claus Ruhe Madsen) Sie sehen also: Hier passiert schon sehr viel, und dank der EU-Förderung können wir zahlreiche Projekte im Bereich der Fort- und Weiterbildung durchführen. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
