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Kristina Herbst

13.07.2023 Sitzungen 20/33

Für die Landesregierung hat das Wort die Ministerin für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung, Aminata Touré. Aminata Touré, Ministerin für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Kinder zu unterstützen, damit sie gestärkt und selbstbewusst in die Grundschule gehen können, darum geht es uns. Damit das gelingen kann, braucht es gut ausgestattete Kitas sowie ausreichend und gut ausgebildete Fachkräfte. Genau deshalb ist es richtig, dass wir als Sozial- und Bildungsministerium einen Schwerpunkt auf die Stärkung und Gewinnung von Fachkräften gelegt haben. Unser zweiter gemeinsamer Schwerpunkt ist der Übergang von der Kita zur Schule. Im Herbst 2023 werden wir dazu eine Veranstaltung durchführen, das erarbeiten wir gerade gemeinsam als Sozial- und Bildungsministerium. Wir wollen den Kongress mit Fachkräften aus Grundschulen und Kitas, Personen aus der Wissenschaft, Eltern und Kindern durchführen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Die Bildungsministerin und ich sind überzeugt: Ein systematisches und aufeinander abgestimmtes Vorgehen ist dabei notwendig, besonders dann, wenn wir uns vor Augen führen, dass die Fachkräfte in Kitas und Grundschulen gerade in den letzten Jahren unfassbar viel geleistet haben. Wir stellen immer wieder fest, dass Gesellschaft komplexer wird, die staatlichen und sozialen Strukturen immer wichtiger im Auffangen dieser Komplexität werden. Deshalb ist es notwendig, diese Strukturen, nämlich Kita und Schule, aber vor allem die Menschen, die dort arbeiten, zu stärken: Fachkräfte, die alles dafür gegeben haben, dass jedes Kind in diesen besonderen Zeiten abgeholt wird. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle von ganzem Herzen bedanken. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) In unserem Koalitionsvertrag steht, dass wir den Übergang von Kita zu Schule beziehungsweise den Start in die Schule gut organisieren und damit Kinder stärken wollen. Dem Bericht der Bildungsministerin haben Sie entnehmen können, welche (Ministerin Aminata Touré) Punkte wichtig sind. Was ich betonen und ergänzen möchte, ist Folgendes: Es geht im Grundsatz darum, Kinder zu unterstützen, damit sie selbstbewusst und selbstwirksam werden, damit es uns gelingt, eine reale Chancengerechtigkeit und Teilhabe hinzubekommen, und Kinder zu befähigen, zu lesen, zu sprechen und zu rechnen. Dafür ist Bildung, gerade auch die frühkindliche Bildung, so wichtig. Genau deswegen ist es wichtig, dass Kinder unterstützt und in den jeweiligen Fähigkeiten gestärkt werden und wir nicht nur eine defizitorientierte Perspektive auf Kinder haben, (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) dass sie erfahren, dass ihre Sicht der Dinge, ihre Ideen und Vorstellungen ernst genommen werden und wichtig sind. Vor zwei Wochen war ich mit unserer Bundesfamilienministerin Paus bei der Kita Amrumring. Ich bin begeistert davon gewesen, wie diese Kita ausgestattet ist, wie Demokratiebildung vor Ort gelebt wird, wie verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden durch Sprachfachkräfte und Assistenzkräfte, wie Inklusion gelebt wird, dass PiA-Kräfte vor Ort sind. Wenn wir überall eine solche Struktur, eine solche Ausstattung hätten, wäre ich als Kitaministerin extrem glücklich. So wünsche ich mir die Ausstattung in jeder Kita. Der SPD sind beim Übergang Kita zur Schule weitere Aspekte wichtig, beispielsweise warum Kinder nicht in Kitas gehen und eine vernünftige Datenlage fehlt. Ich teile die Einschätzung, dass wir beides brauchen. Wir stellen fest, dass in Schleswig-Holstein zehn Prozent der Kinder nicht in die Kita gehen. Das ist kein Zustand, den wir beobachten und wo wir sagen sollten, dass das in Ordnung ist. Ich möchte betonen, dass wir durchaus auch positive Entwicklungen in dieser Gesellschaft nach vorne stellen können. Vor 30 Jahren gab es beispielsweise für Kinder in Flüchtlingsunterkünften nicht die Möglichkeit, in die Kita zu gehen. Dass sich die Strukturen verändert haben und dadurch mehr Kinder im Bildungssystem sind, ist eine gute Entwicklung. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt SPD – Zuruf Martin Habersaat [SPD]) Als Integrationsministerin ist es mir ebenfalls wichtig zu betonen, dass vor 30 Jahren die Situation so war, dass Eltern beispielsweise überhaupt keine verpflichtenden Deutschkurse hatten. Auch heute haben wir nicht die Situation, dass jede geflüchtete Person an einem Deutschkurs teilnehmen kann. Wenn wir die Appelle an Eltern formulieren, dass auch sie natürlich Teil davon sein sollen, dass Kinder besser lesen und sprechen sollen, müssen wir eben solche unterschiedlichen politischen Felder zusammen denken und können nicht im Nachhinein feststellen, dass wir nicht dafür gesorgt haben, dass es ausreichend Deutschkurse gibt und dass genügend Kinder in der Kita sein können, und uns dann über die Entwicklung wundern. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir haben gerade im Zuge des Krieges in der Ukraine im letzten Jahr auf den Weg gebracht, dass die Gruppen in den Kitas erweitert werden, damit auch ukrainische Kinder Teil davon werden können. Ich erinnere Sie an dieser Stelle noch einmal daran, dass es hier keine einheitliche Position zu der Frage gab, ob man das richtig findet oder nicht, aus einem berechtigten Grund, der Frage, ob es genug Fachkräfte gibt. Deshalb liegt der politische Schwerpunkt eben auch bei den komplexen Fragen, die wir haben. Man kann das nur realisieren, wenn man genügend Menschen und Kitas hat, die gut ausgestattet sind, um dann diesem Mehrbedarf und der Komplexität einer Gesellschaft gerecht werden zu können. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Martin Balasus [CDU] und Rixa Kleinschmit [CDU]) Wir als Landesregierung haben die Zielgruppe der Kids, die nicht in den Kitas sind, im Blick. Die Strukturen der Jugendhilfe, also frühe Hilfen, Familienzentren, Hilfen zur Erziehung und viele andere Projekte, haben natürlich genau den Auftrag – deswegen fördern wir diese Strukturen –, die Familien zu beraten, die ihre Kinder noch nicht in der Kita haben. Daran werden wir auch weiter arbeiten. Zum Vorschlag landeseinheitlicher Standards für Sprachförderkurse: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Sprache besonders gut und nachhaltig gelernt wird, wenn das Lernen in Alltagssituationen stattfindet. Das ist auch der Grund, warum in unserem Sprach-Kita-Programm genau diese alltagsintegrierte Sprachförderung stattfindet und keine punktuellen Förderformate. Ich habe mir von vielen Sprachfachkräften erzählen lassen, wie das vor Ort passiert. Ich glaube, es gibt eine gute strukturelle Überlegung in diesem Sprach-Kita-Programm. Alle Fachkräfte – Sie haben das angesprochen – müssen so oder so eine Qualifizierung in alltagsintegrierter Sprachförderung vorweisen, damit dieser Standard (Ministerin Aminata Touré) überall im Land gesichert ist. Sprachförderkurse können also nur als Ergänzung sinnvoll sein. Zu den Vorschlägen landesweiter Qualitätssicherung für die Kooperationsvereinbarungen und landesweiter Standards für die Form des Informationsaustausches zwischen Kitas und Grundschulen: Aktuell schauen wir uns genau diesen Bereich daraufhin an, wo wir eine verbindlichere Struktur schaffen können. Die Ministerin hat gerade erwähnt, dass wir uns auch anschauen, ob man gesetzliche Maßnahmen ergreifen kann. Das heißt, wir beobachten das Ganze nicht nur, sondern sind schon längst in Arbeitsprozessen drin. Wir werden uns außerdem auch das Verfahren zur Viereinhalbjährigen-Vorstellung in Hamburg genau ansehen. (Martin Habersaat [SPD]: Haben Sie noch nicht?) Deswegen wird meine Arbeitsebene nach Hamburg fahren und sich mit den Kolleginnen und Kollegen dort austauschen, um sich anzugucken: Welche Aspekte können wir hier übernehmen? Ich verstehe überhaupt nicht, wo das Problem ist, wenn wir uns darüber austauschen, welche Konzepte es in unterschiedlichen Bundesländern gibt. Es gibt ja nicht nur Hamburg, es gibt auch andere Bundesländer, die gute Konzepte haben. Ich verstehe die Kritik daran nicht. Ich lasse sie an der Stelle einmal stehen; aber unser Anspruch ist es, das in unseren politischen Arbeiten mitzudenken. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Birte Glißmann [CDU] und Rixa Kleinschmit [CDU] – Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja!) Dort in Hamburg gibt es nämlich ein abgestimmtes, koordiniertes und einheitliches Verfahren zwischen Eltern, Kindern, Kitas und Schulen, in dem mehrere Aspekte, unter anderem auch der Sprachstand, wie es beispielsweise die FDP fordert, angeguckt werden. Ich finde das alles sehr überlegenswert. Wir werden uns deswegen genau anschauen, welche Aspekte hier in Schleswig-Holstein infrage kommen. Die Koalitionsfraktionen bitten uns darum, ein landesweites Screening zu prüfen und dabei auch die PerspektivSchulen zu berücksichtigen. Ich halte das für absolut sinnvoll, genauso wie die Standards für Informationsaustausche so zu gestalten, dass die Informationen bei den Beteiligten auch wirklich ankommen. Ich begrüße alles an den Punkten im Koalitionsantrag. Ich begrüße es auch, dass Sie Ihren Antrag vor allem aus der Kompetenzförderung heraus denken. Diesen Auftrag nehmen wir gern mit, weil wir alle hier im Haus das gemeinsame Interesse haben, Kinder zu stärken und den Übergang gut zu gestalten. Genau deshalb laden wir zu diesem Kongress „Übergang Kita/Schule“ im Herbst 2023 ein. Wir wollen – das ist der politische Anspruch, den wir an dieser Stelle haben –, dass die Ergebnisse der Beteiligten in den Prozess für einen besseren Übergang eingebunden werden. Deswegen finde ich es absolut nicht fatal, hier gerade nur politisch-theoretisch Antworten zu entwickeln, sondern dies mit all denjenigen, die in diesem System Kita und Schule unterwegs sind, zu gestalten. Wir sind der Überzeugung, dass wir diese Entscheidung gemeinsam mit denjenigen treffen müssen, die davon betroffen sind. Dabei stehen für uns Kinder und ihre Entwicklung absolut im Mittelpunkt. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)

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