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Beate Raudies

SPD 13.07.2023 Sitzungen 20/33

Das ist echt unglaublich!) Bisher führen wir Schuleingangsuntersuchungen durch, also Untersuchungen, wenn Kinder ungefähr sechs Jahre alt sind, und fördern die Kinder im Halbjahr vor der Einschulung, die in einer SprachIntensivmaßnahme – kurz: Sprintmaßnahme – sind. Auch gibt es Einschulungsgespräche mit Familien, deren Kinder keine Kita besuchen. Das ist schön und gut, aber es reicht nicht aus. Alle Studien zeigen uns das, und gerade mit unserem Wissen nach Corona sind wir in der Verantwortung. Wir müssen früher mit der Förderung anfangen, denn ein frühzeitiges Screening mit einhergehenden Fördermaßnahmen legt den Grundstein für einen erfolgreichen Bildungsweg und erspart Kindern, die Unterstützung brauchen, Scham, Schuldgefühle oder anderes nur wenige Jahre später. Es erleichtert das Erlernen von Vorläuferkompetenzen als Voraussetzung für das Erlernen basaler Kompetenzen. Ich möchte an dieser Stelle ganz deutlich sagen: Niemand – kein Kind, kein Elternteil – muss sich schämen, wenn er oder sie Unterstützung braucht. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich denke, da sind wir uns alle einig. Es ist richtig, auf Unterstützungsbedarf aufmerksam zu machen. Es ist keine Stigmatisierung. Sinnvoll ist das insbesondere im Einzugsbereich der PerspektivSchulen, also im Umfeld von Schulen mit besonders herausfordernder Lage. Wichtig ist uns, den Informationsaustausch zwischen Kindertageseinrichtungen, Grundschulen, Eingliederungshilfe und Jugendhilfe zu verbessern und auch die Kinder zu erreichen, die keine Kindertageseinrichtung besuchen. Das ist aber nur ein Teil eines Dreiklangs. Weil die Schülerschaft immer heterogener wird, die Anforderungen an das System Schule kontinuierlich steigen, in den Elternhäusern immer weniger gelesen wird und zu Hause nicht immer Deutsch gesprochen wird, ist mehr nötig. Der zweite Ton im Dreiklang: Schulen und Kitas brauchen mehr Fachpersonal. Bei uns in SchleswigHolstein gehen wir mit dem Handlungsplan zur Lehrkräftegewinnung stringent voran und haben bereits eine Vielzahl an Maßnahmen auf den Weg gebracht. Und der dritte Ton: Wir müssen uns fokussieren und auf das Wesentliche konzentrieren: weniger das Unterrichtsfach Glück in der Schule, dafür mehr Lesen, Schreiben und Rechnen. Nur so können wir die desaströse Lage verbessern, die wir alle kennen. Ein Viertel der Viertklässler scheitert an den Mindeststandards beim Lesen. Das sind deutlich mehr als im Jahr 2001. Die Kinder sind somit nicht in der Lage, zentrale Informationen aus einem Text zu erfassen und den Sinn zu verstehen. Es betrifft aber nicht nur das Lesen. Den Grundschülern fehlen leider grundlegende Kompetenzen beim Lesen, Schreiben, Rechnen. Das ist keine subjektive Beobachtung, nein, das belegen die IGLU-Studie sowie der IQB-Bildungstrend; es wurde schon angesprochen. Es braucht also mehr Zeit zum Lesen, Schreiben und Rechnen. Also erhöht die Landesregierung die Unterrichtszeit in den Grundschulen. Zwei zusätzliche Stunden sollen in Deutsch und Mathe verbindlich gegeben werden. Dort, wo die Defizite am größten sind – oder pädagogisch ausgedrückt: dort, wo die Verbesserungsmöglichkeiten am größten sind –, also an unseren PerspektivSchulen, sollen zwei weitere Stunden in die erste und zweite Jahrgangsstufe gegeben werden. Leider wird in Deutschland insgesamt viel zu wenig gelesen. Wir bringen es im vierten Jahrgang auf nur 141 Minuten pro Woche, während es im (Martin Balasus) OECD-Durchschnitt rund eine Stunde mehr ist. Da wollen wir nun ran. Wir fordern die Schulen auf, mehr zu lesen. Dazu erproben wir das Programm „Leseband“ an 30 Schulen. Dort wird dann täglich mindestens 20 Minuten verbindlich gelesen, und das unabhängig vom Fach. Es muss ja nicht immer in Deutsch sein, sage ich als Deutschlehrer. Man kann auch mal in den anderen Fächern lesen. Natürlich bin ich mir aber auch bewusst, dass zu Hause mehr gelesen werden muss, damit sich das Gelernte beziehungsweise das Gelesene verfestigt. Da müssen wir auch die Eltern mehr in die Pflicht nehmen. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Leider müssen wir an einigen Stellen auch viel niedriger ansetzen. Wir müssen Eltern manchmal erklären, warum das Lesen zentral für die Schülerinnen und Schüler ist, aber auch für die Eltern selbst. Überdies sollte ein wesentlicher Baustein in der sprachlichen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen der länderspezifische Grundwortschatz sein, den wir im Schuljahr 2024/25 einführen wollen. Mit dieser Wörtersammlung sollen Schülerinnen und Schüler Rechtschreibstrategien erwerben und auch Rechtschreibsicherheit gewinnen. Im Kern wollen wir doch alle in die gleiche Richtung, liebe FDP und liebe SPD. Ich weiß, dass Sie lieber das Haar in der Suppe suchen, als mit uns gemeinsam eine richtig gute und stärkende Kraftbrühe für unsere Schulen zu kochen. (Heiterkeit) Ich bitte Sie aber: Binden Sie sich eine Schürze um, und bringen Sie die richtigen Zutaten mit! (Beifall CDU)

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