Martin Habersaat
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Damen und Herren! 2019 war es, da schlug der CDU-Politiker Carsten Linnemann vor, Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse nicht einzuschulen. Er fand, ein Kind, das kaum Deutsch spricht, habe auf einer Grundschule nichts zu suchen. Ein grausamer Vorschlag, fand ich. Wo sonst, wenn nicht in einer Schule, soll man denn am besten lernen können? Glücklicherweise setzte Herr Linnemann sich mit diesem Vorschlag nicht durch. Auch SchleswigHolsteins Bildungsministerin Karin Prien lehnte (Martin Habersaat) diesen Vorschlag seinerzeit ab und schlug stattdessen vor – ich zitiere die Kieler Nachrichten –: „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir mit der Einführung einer Viereinhalbjährigen-Untersuchung den Sprachstand, aber auch die motorische Entwicklung der Kinder erfassen, um dann noch gezielter fördern zu können.“ Jetzt haben wir 2023 und stellen fest: Herr Linnemann hat in der CDU Karriere gemacht, der Vorschlag von Frau Prien bisher zumindest in Schleswig-Holstein leider noch nicht. – Jetzt ist aber der Zeitpunkt, wo wir vom „gut vorstellen“ zum „gut machen“ kommen sollten, meine Damen und Herren. Das Konzept der Vorstellungsgespräche für Viereinhalbjährige wird seit vielen Jahren in Hamburg erfolgreich umgesetzt. Das zeigte zuletzt zum Beispiel die IQB-Studie, deren Länderauswertung im Oktober 2022 veröffentlicht wurde. Die Vorstellung der Viereinhalbjährigen stellt dort ein wichtiges Bindeglied beim Übergang von der Kita in die Schule dar, bei der auf die fachliche Expertise aus Kita und Grundschule zurückgegriffen wird. Oft steht die sprachliche Entwicklung im Mittelpunkt; selbstverständlich werden aber auch die körperliche, die kognitive und die emotionale Entwicklung mit einbezogen. Das Vorstellungsgespräch bietet Eltern und Kind die Chance, einen ersten Einblick in die Schule zu gewinnen. Eltern haben dabei die Gelegenheit, Antworten auf alle Fragen zur anstehenden Einschulung und zu möglichen Erwartungen an das Kind zu erhalten. Für die Grundschulen eröffnet sich durch dieses Verfahren die Möglichkeit, die Bedingungen bis zur Einschulung zu verbessern und möglichst gute Chancen für jedes Kind zu erreichen. Im November 2022 berichteten dann Sozialministerin und Bildungsministerin gemeinsam im Bildungsausschuss über die für Schleswig-Holstein verheerenden Ergebnisse der IQB-Studie und verkündeten, Verbesserungen beim Übergang von der Kita in die Grundschule hätten für sie Priorität. Konkret passiert ist seitdem vor allem, dass das erfolgreiche Projekt Schuleingangsphase für Grundschulen gestrichen wurde. – Frau Prien, Frau Touré, ich möchte mir nicht vorstellen, was mit Themen passiert, die für Sie nicht absolute Priorität haben. Heute nun haben wir Ihnen als SPD-Landtagsfraktion das erfolgreiche Hamburger Konzept auf den Tisch gelegt. Womit reagiert die Regierungskoalition? Damit, was sie am besten kann, mit einem Prüfauftrag. (Beifall SPD) Also, vor vier Jahren sagt Frau Prien, sie halte das für eine gute Idee, und heute gibt es nun einen Prüfauftrag. Frau Prien, ab heute dürfen Sie darüber nachdenken, ob Sie das vielleicht wirklich mal machen wollen, was Sie für eine gute Idee halten. Wahnsinn! (Beifall SPD)
