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Bettina Braun

GRÜNE 12.07.2023 Sitzungen 20/32

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Wir wollen und wir müssen gemeinsam für die Zukunft bauen, und das ist gar nicht so einfach. Drastisch steigende Preise für Baumaterialien und Energie belasten das Baugewerbe. Um fast 17 Prozent sind die Baupreise im vergangenen Jahr gestiegen. Das ist ein Anstieg, wie es ihn zuletzt vor mehr als 50 Jahren gegeben hat. Hinzu kom- (Bettina Braun) men steigende Zinsen und der erhebliche Fachkräftemangel, der sich durch nahezu sämtliche Gewerke zieht. Gleichzeitig wächst der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum überall in Schleswig-Holstein – in der Stadt wie auf dem Land. Vielen Menschen fällt es zunehmend schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Nicht zuletzt sollen aber auch die dringend benötigten Fachkräfte in unserem Land angemessen leben können. Denn was nützen alle Bemühungen, Fachkräfte sogar im Ausland anzuwerben, wenn sie hier schlichtweg keinen Wohnraum finden können? Bauen ist grundlegend, um das menschliche Bedürfnis nach Unterkunft befriedigen zu können. Zudem ist die Bauwirtschaft eine der Schlüsselbranchen, wenn es um die Erreichung unserer Klimaziele geht. Wir stehen hier in Schleswig-Holstein wie überall in Deutschland vor einer gewaltigen Herausforderung. Wir wollen und wir müssen CO 2 einsparen. Das bedeutet eigentlich, dass wir weniger bauen müssten. Denn vom Material über den Bau, die Nutzung und die Sanierung bis hin zum Abriss ist der CO -Ausstoß im Gebäudebereich be2 sonders hoch. Gleichzeitig wollen und müssen wir mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. Diesen Widerspruch aufzulösen, erfordert sehr viel Kompromissbereitschaft von allen Beteiligten. Ein Weg kann es sein, neue Experimentierräume zu schaffen. Aus genau diesem Grund haben wir im vergangenen Plenum einen Antrag zur möglichen Einführung einer neuen Gebäudeklasse E eingebracht. Hiermit könnte man Raum für Vereinfachung beim Bau und für die nachhaltige Verwendung von Baustoffen schaffen. Um für die Zukunft zu bauen, müssen wir bereit sein, auch ungewohnte Wege zu gehen. Wer früher davon gesprochen hat, Recyclingbeton für Gebäude einzusetzen, wurde belächelt. Heute wissen wir, wie kostbar Baustoffe sind und dass Wiederverwendung besser ist als Downcycling oder gar Entsorgung. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Auch die Umnutzung von Bürogebäuden zu Wohnungen ist ein vielleicht etwas ungewöhnlicher Ansatz zur ressourcensparsamen Schaffung von Wohnraum. Wir müssen an vielen Punkten ansetzen und viele Details berücksichtigen. Die vorgeschlagene Gesetzesänderung ist genau eine solche Detailarbeit. Ein Beispiel aus dem Gesetzentwurf ist die Möglichkeit, nachträglich eine Wärmepumpe an Hauswänden anzubringen, auch wenn dadurch der Abstand zum Nachbargrundstück von drei Metern unterschritten wird. Ob Wärmepumpen, PV-Anlagen oder Windenergie: Neue technologische Möglichkeiten der nachhaltigen Energieversorgung dürfen durch die Vorschriften der Landesbauordnung nicht behindert werden. Im Gegenteil, um die Energiewende zu schaffen, müssen wir diese Möglichkeiten besonders begünstigen. Ein weiteres Beispiel für Detailarbeit: Um Baukosten zu senken und den Materialbedarf zu reduzieren, soll die lichte Höhe für Aufenthaltsräume um zehn Zentimeter gesenkt werden. Der Abweichungsparagraf – § 67 – soll dahin gehend geändert werden, dass aus einer Kannvorschrift wie bisher zukünftig eine Sollvorschrift wird. Das bedeutet, dass bei Abweichungen von bauordnungsrechtlichen Vorschriften Genehmigungen zu erteilen sind, sofern Leben und Gesundheit nicht gefährdet werden und keine unzumutbaren Belastungen entstehen. Denn wir dürfen natürlich nicht den Zweck der Landesbauordnung vergessen. Diese dient im Wesentlichen der Gefahrenabwehr. Wir müssen mit der Landesbauordnung gewährleisten, dass dort, wo Menschen leben und wohnen, Gefahren für Leib und Leben, soweit es geht, gebannt werden. Genau das ist der Zweck dieses Gesetzes, und das ist auch die Grenze, an der sich alle Änderungen ausrichten müssen. Zugleich ist es aber auch sinnvoll, mit einheitlichen Vorschriften Verfahren, wo immer es möglich ist, zu vereinfachen. Aus diesem Grund begrüße ich grundsätzlich alle Änderungen mit dem Ziel, die Landesbauordnung der Musterbauordnung anzugleichen. Ich bin aber zurückhaltend, wenn es darum geht, hier von der Reduzierung von überflüssiger Bürokratie zu sprechen. Jede Änderung der Landesbauordnung muss, und das ist kompromisslos, die Sicherheit von Leib und Leben sowie die Förderung der klimaneutralen Bauwende zwingend berücksichtigen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das bedeutet eben manchmal auch dort Regulierung, wo es ohne vielleicht schneller und günstiger, aber eben nicht besser ginge. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)

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