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Annabell Krämer

12.07.2023 Sitzungen 20/32

Für die Landesregierung erteile ich nun der Ministerin für Justiz und Gesundheit, Frau Dr. von der Decken, das Wort. Dr. Kerstin von der Decken, Ministerin für Justiz und Gesundheit: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wir haben es gehört: Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Laut statistischem Bundesamt wurden 2017 deutschlandweit über 28.000 Frauen wegen einer Endometriose in einem Krankenhaus aufgenommen. Bei der Endometriose bildet sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter, zum Beispiel im Bauch oder Beckenraum. Dadurch entstehen gutartige, unter Umständen aber auch schmerzhafte Wucherungen. Zysten und Entzündungen können sich dann an benachbarten Organen ansiedeln und dort bleibende Schäden verursachen. Das Krankheitsbild – auch das wissen wir mittlerweile – ist vielfältig. Es reicht von Unterleibs‑, Bauch- und Rückenschmerzen über Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Erschöpfung bis hin zur (Ministerin Dr. Kerstin von der Decken) Unfruchtbarkeit. Es gibt aber auch Fälle, in denen gar keine Beschwerden auftreten. Auch deshalb gibt es keine eindeutigen Endometriosefallzahlen. Die Krankheit ist zurzeit nicht abschließend heilbar. Bei ihrer Behandlung gibt es aufgrund der unterschiedlichen Krankheitssymptome keine pauschale Lösung. Es ist daher gut und richtig, dass das Thema Endometriose Bestandteil des Medizinstudiums, der fachärztlichen Weiterbildung sowie der ambulanten und stationären Versorgung ist. Neben der ambulanten frauenärztlichen Versorgung in Schleswig-Holstein gibt es Endometriosezentren an beiden Standorten des UKSH, in Kiel und Lübeck. Die Ursachen der Endometriose sind noch nicht ausreichend erforscht. Es ist daher wichtig, dass das Phänomen auch bei uns in Schleswig-Holstein bereits seit längerer Zeit Gegenstand anwendungsbezogener Forschungsprojekte ist. So wird seit diesem Jahr in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am UKSH Lübeck in Kooperation mit der Schmerzklinik Kiel eine Schmerzstudie durchgeführt, um den Zusammenhang von Endometriose und Kopfschmerzen beziehungsweise Migräne genauer zu untersuchen. Am UKSH Kiel wird an einem nicht invasiven, bildgebenden Verfahren zur Diagnose und Lokalisation von Endometrioseherden und an einer Studie zu durch Endometriose befallenen Eierstöcken gearbeitet. Nicht nur in Schleswig-Holstein sind Frauen von Endometriose betroffen. Deswegen ist es richtig, dass das Phänomen bundesweit mehr in den Fokus gerückt ist und der Bund, wie wir wissen, 5 Millionen Euro dafür zur Verfügung gestellt hat und die Mittel verstetigen möchte. Erfreulich ist auch, dass das Thema international mehr und mehr die Forschung beschäftigt. So wurden vor Kurzem in Australien Proben bekannter Arten der Endometriose dahin gehend untersucht, wie sie auf eine Behandlung anschlagen. Daraus können dann neue Erkenntnisse gewonnen werden, wie die verschiedenen Arten von Endometriose gezielter und effektiver behandelt werden können. Bei der Erforschung von Endometriose noch mehr zu tun, um damit letztlich auch die Versorgung der Patientinnen zu verbessern, ist der richtige Ansatz. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Aber aufgrund der Verbreitung der Krankheit dürfen sich die Bemühungen um Aufklärung, um bessere Versorgung nicht auf Schleswig-Holstein beschränken. Wir möchten daher die auf Bundesebene geplante nationale Strategie Endometriose positiv begleiten und uns dabei mit eigenen Vorschlägen konstruktiv beteiligen. – Vielen Dank. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und SSW)

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