Hauke Hansen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit diesem interfraktionellen Antrag stellen wir eine Frauenkrankheit in den Fokus, die durchaus die Bezeichnung Volkskrankheit verdient hat. Endometriose ist eine gutartige, aber chronisch verlaufende gynäkologische Erkrankung, unter der schätzungsweise 2 Millionen bis 4 Millionen Frauen in Deutschland leiden. Sie ist damit die zweithäufigste bekannte gynäkologische Erkrankung. Bei Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter und siedelt sich an anderen inneren Organen an. Die Krankheit tritt sehr unterschiedlich ausgeprägt auf. Im Extremfall ist neben starken Schmerzen, die durch Entzündungen oder Verwachsungen im Körper der Frauen hervorgerufen werden, auch Unfruchtbarkeit eine Folge; man schätzt, das 40 bis 50 Prozent der ungewollt kinderlosen Frauen an Endometriose leiden. Viele Betroffene müssen sich Operationen unterziehen, um Entzündungsherde zu entfernen und der Krankheit damit zumindest teilweise entgegenzutreten – ich betone „teilweise“, weil eine vollständige Heilung nicht möglich ist. Bei schweren Verläufen kommen dauerhafte Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit und damit einhergehend wirtschaftliche Folgen hinzu. Die Diagnosestellung ist schwierig und dauert im Extremfall Jahrzehnte. In dieser Zeit leiden die Frauen meist unbehandelt oder nicht sinnvoll behandelt an den Folgen der Erkrankung. Auch nach der Diagnose sind Wartezeiten für einen Behandlungs- und OP-Platz von sechs Monaten und mehr keine Seltenheit. An dieser Stelle ist es mir ein Anliegen, auch die psychischen Folgen für die Betroffenen und deren Familien einmal in den Fokus zu rücken. Viele Jahre mit diesen teils gravierenden Einschränkungen durch das Leben zu gehen, ohne einen Beleg für die Krankheit zu haben, das verändert natürlich einen Menschen. Warum dauert die Diagnosestellung so lange? – Viele Aspekte der Endometriose sind heute noch unbekannt oder zu wenig erforscht. Es fehlt an geeigneter Forschung und dadurch bedingt an geeigneter Sensibilisierung, Prävention und Versorgung. (Hauke Hansen) Daher begrüßen wir, dass die Bundesregierung inzwischen 5 Millionen Euro für die Endometrioseforschung zur Verfügung stellen will. Das ist aus unserer Sicht nicht nur ein guter Anfang und erweiternswert, wir appellieren an die Bundesregierung, die Einrichtung einer nationalen Endometriosestrategie positiv zu begleiten. Das bedeutet den Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Endometriosezentren unter Einbeziehung der aktuell bestehenden Strukturen und die Einrichtung von angemessenen Abrechnungsmöglichkeiten für diese chronische Erkrankung. Auch Aufklärung und Entstigmatisierung müssen im Rahmen von Präventionsmaßnahmen vorangetrieben werden. Aber richten wir nun einmal den Blick weg von Berlin konkret auf unser Bundesland, auf Schleswig-Holstein. Was machen wir in Schleswig-Holstein bislang gegen Endometriose? Tatsächlich schon eine ganze Menge: Wir haben am UKSH Campus Kiel seit 2018 ein zertifiziertes klinisch-wissenschaftliches Endometriosezentrum der höchsten Stufe, Stufe III. Auch am UKSH Campus Lübeck besteht so ein Zentrum. Es gibt in Deutschland nur eine Handvoll spezialisierte und zertifizierte Rehabilitationskliniken, zwei davon befinden sich in Schleswig-Holstein, in Bad Schwartau und in Ratzeburg. Auch wenn sich das für unser Bundesland schon gar nicht schlecht anhört – es gibt wirklich noch viel zu tun. Liebe Entscheidungsträger in Berlin, wenn es nun um die Verteilung der 5 Millionen Euro Forschungsgelder geht, die in den Bundeshaushalt eingestellt werden: In Schleswig-Holstein beschließen heute die regierungstragenden Fraktionen gemeinsam mit allen Oppositionsfraktionen diesen Antrag zur Endometriose, um das wichtige Thema überparteilich voranzubringen. Das ist ein sehr wichtiges Zeichen. Ich hoffe, die Regierung in Berlin unterstützt uns dabei und bringt einen Teil der 5 Millionen Euro nach Schleswig-Holstein. Hier ist das Geld mit Sicherheit gut angelegt, um das Leiden der betroffenen Frauen dauerhaft zu reduzieren. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW)
