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Niclas Dürbrook

SPD 16.06.2023 Sitzungen 20/31

Ich habe heute Nachmittag nichts mehr vor. Jetzt haben Sie sehr schnell weitergeredet. Ich bin tatsächlich immer noch bei den Sprachkenntnissen. Ich würde Ihnen sofort zustimmen, was die Landesverwaltung angeht. Ich würde Ihnen aber vehement widersprechen wollen, was Busfahrerinnen und Busfahrer angeht. Wenn wir uns die Realität im ÖPNV in Schleswig-Holstein angucken, dann sehen wir, dass die allermeisten Busse im Land, die unterwegs sind, für die Schülerbeförderung unterwegs sind. Wir haben gerade – der Kollege Knöfler wird es bestätigen können – bei uns im Norden von Ostholstein im letzten halben Jahr eine wirklich dramatische Situation gehabt, auch eine Betriebsübernahme, ähnlich wie erixx: neuer Betreiber, fehlende Deutschkenntnisse und dramatische Probleme im Schulbusverkehr gerade aufgrund von Sprachbarrieren, die wir an der Stelle haben; Kinder, die verschollen sind, Eltern, die angerufen haben und nicht mehr wussten, wo der Bus war, verzweifelte Grundschülerinnen und Grundschüler. Ich leite bei Bedarf gerne einen Teil der umfangreichen Korrespondenz dazu weiter. Gerade deswegen wollte ich die Anmerkung machen: Sprachkenntnisse bei Busfahrerinnen und Busfahrern sind kein Nice-to-have, sondern sie sind schon etwas sehr Grundsätzliches. – Herr Dürbrook, ich kann das total verstehen. Natürlich ist das ein Problem. Aber ein noch größeres 2340 Schleswig-Holsteinischer (Dr. Bernd Buchholz) Problem ist, wenn der Bus gar nicht fährt, weil kein Fahrer da ist. (Zuruf Sandra Redmann [SPD]) Deshalb muss man die Frage der Abwägung stellen, was das größere Problem ist. Ich glaube, viele Menschen verfügen inzwischen über technische Hilfsmittel, die auch bei einer ganz merkwürdigen Sprache, die man vielleicht als Heimat- oder Muttersprache spricht, in der Lage sind, (Zuruf Christopher Vogt [FDP]: Berlinerisch zum Beispiel!) mit einem sprachgesteuerten System auch andere Sprachen zu verstehen oder sich jedenfalls übersetzen zu lassen. Vielleicht muss man einmal über so etwas nachdenken und das einsetzen. Ich finde nur, wir sollten diese B‑1-Konstruktion nicht wie einen Fetisch hochhalten (Beifall FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und für alle Berufe aufzwingen – meine Auffassung. Ich finde nur in der Fachkräftedebatte eines wichtig, und das darf bitte schön auch für den öffentlichen Verkehr gelten. Da sind wir wieder bei Rahmenbedingungen, und die gilt es in der Tat zu beeinflussen. Übrigens sind die Zugführer schon lange auf der Mangelliste der Berufe. Das hat jetzt nicht dazu geführt, dass erixx leichter welche bekommen hat. Das wollen wir nur einmal festhalten. Wir werden angesichts der demografischen Situation insgesamt nicht umhinkönnen, nicht immer über zusätzliche Fachkräfte zu reden, sondern über Produktivitätssteigerungen. Deshalb werden wir über Technologien reden müssen. Wir werden deshalb darüber reden müssen, warum im Schienenverkehr nicht automatisiert gefahren werden kann. Wir werden darüber reden müssen, warum man mit anderen System nicht dann durch Technik Menschen ersetzen muss, denn wir werden ansonsten einfach nicht in der Lage sein, all Stellen, die wir in allen möglichen Bereichen haben, tatsächlich mit Menschen zu besetzen. Die Diskussion ist in vielen Bereichen zu führen. Ich habe sie mal – blöderweise zu einer Zeit, als der Kollege Garg noch für die Pflege zuständig war – auch für den Pflegebereich angerissen: Ich verstehe bis heute nicht, warum in Krankenhäusern die meiste Zeit für die Dokumentation von Krankengeschichten an einem PC sitzend in einem extra Büro aufgewendet wird. Das verstehe ich einfach nicht. (Beifall FDP, Jasper Balke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], Serpil Midyatli [SPD] und Birte Pauls [SPD]) Davon sind wir eigentlich technisch meilenweit entfernt. Warum kann eine pflegende Kraft nicht am Krankenbett direkt in ein sprachgesteuertes System ihren Text reinsprechen und anschließend gucken, ob alles richtig wiedergegeben worden ist? (Beifall FDP und Jasper Balke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Warum nutzen wir diese Technik nicht, um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten? Staatsgläubigkeit ist mir weniger zu eigen als die Gläubigkeit daran, dass Technologie an vielen Stellen in der Lage wäre, unsere Probleme besser in den Griff zu bekommen. Ich wünsche dem Minister bei der Abarbeitung dieses Antrages viel Freude. – Vielen Dank. (Beifall FDP, SPD und SSW)

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