Karin Prien
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Erst einmal ein großes Dankeschön an den SSW, dass Sie diesen Antrag hier eingebracht haben; denn ich glaube, dass es auch für die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bibliotheken, die im Wesentlichen keine Landesbibliotheken, sondern kommunale Bibliotheken sind, ein Zeichen der Wertschätzung ist, dass wir einmal über Bibliotheken und deren wichtige Aufgaben in unserem Land sprechen. Also, dafür erst einmal vielen Dank. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW) Darüber hinaus, liebe Frau Nitsch: Grüßen Sie herzlich Frau Spoorendonk – ich bin ein ganz großer Fan von ihr –, die in vielen Bereichen der Kultur in unserem Land viel Gutes geleistet hat. Vieles von dem setzen wir ja fort. Ich will das ausdrücklich auch für das Bibliotheksgesetz sagen. Das war wirklich eine tolle Sache. Dazu stehen wir und werden es weiterentwickeln. (Beifall SSW und Lasse Petersdotter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Das muss man an so einer Stelle auch einmal sagen dürfen. – Darüber hinaus werde ich jetzt keine Ausführungen über die Bedeutung der Bibliotheken als Dritte Orte machen, weil das heute schon in so hervorragender Weise gemacht worden ist, dass ich mich den Ausführungen einfach anschließe. Da spare ich jetzt einfach ein bisschen Zeit. Vielen Dank dafür, liebe Uta. Ich will etwas zum Thema Lesekompetenz sagen, weil das ein Thema ist, das uns alle sehr bewegt. Lesen ist für eine erfolgreiche Bildungsbiographie die absolut entscheidende Schlüsselkompetenz. Wir haben in diesem Bereich Probleme; Frau Röttger hat dazu schon einiges gesagt. Auch das wiederhole ich nicht. Ich will mir aber doch erlauben, auch wenn das jetzt vielleicht ein bisschen konservativ und altbacken klingt, schon noch einmal zu sagen, dass Lesen nicht nur einen funktionalen Wert hat, sondern auch einen hohen Selbstwert, weil es Welten eröffnet, die ohne Lesen gar nicht erreichbar sind. Ich habe hier ein wunderschönes Hermann-HesseZitat, das ich Ihnen – mit Erlaubnis der Präsidentin – nicht vorenthalten möchte. Er hat gesagt: „Echte Bildung ist nicht Bildung zu irgendeinem Zwecke, sondern sie hat, wie jedes Streben nach dem Vollkommenen, ihren Sinn in sich selbst. … Von den Wegen, die zu solcher Bildung führen, ist einer der wichtigsten das Studium der Weltliteratur, das allmähliche Sichvertrautmachen mit dem ungeheuren Schatz von Gedanken, Erfahrungen, Symbolen, Phantasien und Wunschbildern, den die Vergangenheit uns in den Werken der Dichter und Denker vieler Völker hinterlassen hat.“ Das ist ein wunderschönes Zitat; wollte ich heute einfach einmal sagen. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW) Aber leider müssen wir eben auch über das Nichterreichen von Mindest- und Regelstandards sprechen, über den IQB-Bildungstrend und über die IGLU-Studie. Das haben wir schon mehrfach hier und im Bildungsausschuss getan. Deshalb ist das Lesenlernen eben auch die zentrale Schlüsselkompetenz. Das ist Aufgabe zentral von Schule, aber die Bibliotheken, unsere Büchereien, leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Das tun sie übrigens nicht einfach so, sondern es gibt – das wollte ich Ihnen heute auch berichten – eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem IQSH, unserem Landesinstitut, und dem Büchereiverein, mit dem wir diese Zusammenarbeit übrigens seit 2017auch weiterentwickelt haben, bei der es gerade darum geht, beim Lesenlernen, beim Lesetraining durch institutionalisierte Zusammenarbeit, durch Fortbildungsangebote einen zusätzlichen Beitrag zur Leseförderung zu leisten. Da spielen die Fahrbibliotheken eine große Rolle – eine ganz tolle Einrichtung. Natürlich geht es heute nicht mehr nur um Bücher im Sinne von analogen, haptischen Büchern. Es geht auch um andere Medien. Es geht auch darum, das Interesse von Kindern an Geschichten, auch über Hörbücher und alle möglichen Dinge, die es da heute gibt, zu wecken. Es geht aber auch darum, zum Beispiel den Zugang zu digitalen Medien, zu Virtual Reality und zu neuen Entwicklungen im di- (Ministerin Karin Prien) gitalen Bereich über die Bibliotheken zu fördern. Es ist ganz toll, was auch hier in Schleswig-Holstein an dieser Stelle geleistet wird. Ich will auch sagen, dass uns der Büchereiverein und das IQSH im Moment dabei helfen, die Schulbibliotheken zu Orten zu machen, in denen das stattfinden kann. Auch da gibt es eine richtig gute Zusammenarbeit über diesen Kooperationsvertrag. Ich darf in diesem Zusammenhang erwähnen, dass wir inzwischen auch einen Zertifikatskurs, Büchereiverein mit IQSH, anbieten, mit dem wir Mitarbeiterinnen an Schulen weiterbilden, damit sie diese Aufgabe erfüllen können. Morgen werden wir die ersten 14 mit dem Zertifikat auszeichnen als Ergebnis dieser Zusammenarbeit und die ersten Zertifikate hier ausstellen können. Auch das ist wirklich eine gute Entwicklung. Das sind alles so kleine Dinge, die laufen, aber eben wichtig sind, um die Situation zu verbessern. Ich nehme die Gelegenheit dieser Debatte aber auch wahr, um zu sagen: Wir brauchen hier auch die Eltern. Wir brauchen die Eltern, damit sie das Interesse am Lesen wecken, damit sie als Vorbilder fungieren. Deshalb ist Ihr Vorschlag, Frau Nitsch, wichtig. Es eröffnet nämlich den Familien die Möglichkeit, am Wochenende gemeinsam in eine Bibliothek zu gehen, damit Eltern ihre Kinder an dieser Stelle begleiten können. Deshalb unterstütze ich Ihren Vorschlag, aber nicht erst seit Einbringung Ihres Antrags; das sage ich auch deutlich. Ich bin mir nicht ganz sicher, was Ihre Aussage angeht, es sei gut, wenn einzelne Bundesländer da jetzt vorpreschten. Ich habe das Urteil des OVG und die ganz klare Aussage des Deutschen Bibliotheksverbandes mitgebracht, der davor warnt, diese Einzellösung in den Bundesländern zu gehen, sondern der ganz klar dafür plädiert, dass der Bund jetzt hier tätig wird. Wir setzen uns dafür auch gemeinsam ein, Uta Röpcke. Es ist natürlich der andere Teil der Wahrheit, dass ver.di gegen diese Regelung klagt, dass die Gewerkschaften dagegen sind, im Interesse ihrer Mitglieder, die natürlich sagen: So weit kommt es noch, jetzt sollen wir auch noch sonntags arbeiten. – Also, auch diese Debatte hat mehrere Seiten. Deshalb ist es gut, darüber im Bildungsausschuss weiter zu beraten. Es ist auch richtig, darüber im Kulturdialog zu beraten; das tun wir übrigens ohnehin schon. Ich will vielleicht noch ergänzend sagen: Wir haben, und das freut mich, in Schleswig-Holstein doch schon einige Bibliotheken – ich nenne sie auch: Büsum, Glücksburg, Plön und zwei Stadtteilbüchereien in Norderstedt –, die schon die OpenLibrary-Modelle praktizieren. Es werden immer mehr, die das machen. Das ist eine gute Sache. Insofern freue ich mich darauf, dass wir über diese Themen weiter im Bildungsausschuss beraten.
