Anette Röttger
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. (Beifall CDU, Catharina Johanna Nies [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Lars Harms [SSW]) Manchmal nutzen wir diesen Satz mit einem Lächeln auf den Lippen, wenn ein wichtiges Hinweisschild übersehen wurde. Sprechen wir diesen Satz allerdings vor dem Hintergrund der aktuellen Ergebnisse aus der IGLU-Studie aus, die rund einem Viertel der Viertklässler unzureichende Lesekompetenz bescheinigt, dann bekommt er eine erschreckende Ernsthaftigkeit und damit eine ganz neue Dimension. Eine weitverbreitete Leseschwäche in unserem Land dürfen wir nicht hinnehmen. Darüber haben wir in diesem Hohen Haus bereits an anderer Stelle mehrfach gesprochen. Was tatsächlich dagegen hilft, ist ein gutes Buch, ob klassisch analog oder inzwischen auch digital, als E-Book. Das tägliche Üben während der Grundschulzeit hilft. Oder noch besser gesagt: Lesen, lesen, lesen! Und das gern auch einmal laut und deutlich! Mehr Verbindlichkeit beim Lesenlernen brauchen wir hier im Land. Sinnerfassendes und flüssiges Lesen ist und bleibt in unserer Gesellschaft eine zentrale Basiskompetenz, die auch ökonomisch, in der späteren Arbeits- und Berufswelt, unverzichtbar bleibt. Zur Förderung der Lesekompetenz tragen verschiedene Ebenen bei: die Elternhäuser, die Schulen und unsere öffentlichen Bibliotheken. Ich danke allen, die sich dort engagieren. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Quantität des Lesens in unserem Land muss gesteigert werden. Insoweit stimmen wir mit dem SSW-Antrag und dem Vorschlag, dieses Thema zu setzen, sehr wohl überein. Lesezeit ist wertvolle Zeit. „Klotzen statt kleckern“ heißt die Devise, wenn wir wieder zu besseren Ergebnissen kommen wollen. In dem vorgelegten Antrag geht es um den wichtigen außerschulischen Beitrag zur Leseförderung durch Angebote in öffentlichen Bibliotheken. Bibliotheken sind nicht nur Orte voller Lesestoff; sie haben bereits gute Konzepte und attraktive, niedrigschwellige Angebote. Diese Angebote müssen von der Bevölkerung aber regelmäßig erlebt und genutzt werden, damit sie für breite Teile der Gesellschaft ihren Zweck erfüllen beziehungsweise ihr Potenzial entfalten können. Während es an den Schulen vorrangig um den Erwerb von Lesefähigkeit und Lesetechnik geht, ergänzen unsere Bibliotheken und Büchereien im Land als wichtige außerschulische Lernorte die Bildungsförderung. Wer sich regelmäßig Bücher ausleiht, entwickelt eine hohe Lesemotivation und Freude am Lesen. Lesen trägt zur unabhängigen Meinungsbildung bei und ist für das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft mitbestimmend. In Bibliotheken kann man sich wertvolles Wissen erlesen und Kenntnisse aneignen. Im öffentlichen Auftrag bieten die Bibliotheken Zugang zu vielschichtiger Information, Bildung, Wissenschaft und Kultur. Wer nicht informiert ist, der verliert schnell den Überblick und den Anschluss. Im Rahmen des Kulturdialogs gibt es nun für die öffentlichen Bibliotheken eine gute Gelegenheit, an der Seite der Kommunen passgenaue und zukunftsträchtige Angebote vor Ort stetig weiterzuentwickeln. Damit können bestimmte Orte zu Dritten Orten werden, zu einem Wohnzimmer in einer Stadt. Es kann die Entwicklung hin zu einer Zukunftsbibliothek sein. Oder es kann die schon genannte Open Library sein, die ohne Personal für Benutzerinnen und Benutzer zugänglich ist. Für die Erweiterung von Öffnungszeiten auch an Sonn- und Feiertagen ist eine Änderung des Bundesarbeitszeitgesetzes erforderlich. Dafür wollen wir uns im Bund einsetzen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Anette Röttger) Aus heutiger Sicht geht es dabei hier in SchleswigHolstein in erster Linie um die Schaffung einer möglichen Option für Sonntagsöffnungen. Einzelne Bibliotheken im Land würden diese voraussichtlich bei Stadtfesten oder an verkaufsoffenen Sonntagen anwenden, während eine flächendeckende Sonntagsöffnung der Bibliotheken derzeit personell gar nicht darstellbar wäre. Entscheidendes Ziel aus der Sicht der CDU bleibt die Stärkung der Lesekompetenz. Die gute Arbeit der Bibliotheken spielt dabei eine entscheidende Rolle. Ich beantrage die Überweisung in den Ausschuss, damit wir dort gemeinsam weiter an Lösungen arbeiten können. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Birte Pauls [SPD])
