Martin Balasus
Sehr geehrter Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Schüler‑, Eltern- und Lehrerschaft wissen um die Bedeutung der Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter – nicht erst seit der Coronapandemie und dem Krieg in der Ukraine. Wenn es sie nicht gäbe, man müsste sie erfinden. Warum behaupte ich das hier so steil? – Ich weiß es aus eigener Erfahrung. Ich habe fast zehn Jahre lang hautnah miterlebt, welche wertvolle Hilfe Schulsozialarbeit für Schülerinnen und Schüler, für Klassen, für Eltern und auch für Lehrkräfte ist. Sie helfen in der Klassengemeinschaft, im Umgang mit Lehrkräften, bei Lern- und Lebensproblemen jeder Art, bei Problemen zu Hause, indem sie auf der Basis von Vertrauen die Persönlichkeit eines Kindes oder Jugendlichen stärken. Erst gab es an meiner Schule keine, dann eine und schließlich sogar zwei Schulsozialarbeiterinnen. Was für ein Glück, dass die Schulsozialarbeit sukzessive ausgebaut wurde. Während es zunächst nur wenige kommunal finanzierte Stellen gab, wird seit 2011 die Sozialarbeit mit 4,6 Millionen Euro jährlich aus dem Landeshaushalt gefördert. Mehr noch: 2015 übernahm das Land den weggefallenen Bundesanteil – freiwillig! – mit 13 Millionen Euro. All dies hat ermöglicht, dass das Land schon heute rund 730 Vollzeitstellen finanziert. Während der Coronapandemie wurde die Schulsozialarbeit noch einmal dringender gebraucht denn je. Schulschließungen und Onlineunterricht haben uns vor Augen geführt, wie wichtig das soziale Miteinander für den Lernerfolg, die Motivation, die Persönlichkeitsentwicklung und für das persönliche Glücksempfinden der Jugend ist. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Nachwirkungen stellen unsere Schulen vor enorme Herausforderungen. Im Gespräch wurde mir von Schulsozialarbeitern zum Beispiel zurückgemeldet, dass sie zurzeit vermehrt Depressionen, Essstörungen und Versagensängste bei jüngeren, aber auch bei älteren Schülerinnen und Schülern wahrnehmen. Vor Ort wird dann alles versucht, um den Betroffenen zu helfen. Auch das Land hat konsequent reagiert. Wir haben das Sofortprogramm zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen bei psychosozialen Folgen von Pandemie und Krisen auf den Weg gebracht. Das heißt 5 Millionen Euro zusätzlich für die Schulsozialarbeit und 3,1 Millionen Euro für den schulpsychologischen Dienst. Seit dem 24. Februar 2022 hält uns der Überfall Russlands auf die Ukraine in Atem – natürlich auch unsere Schulen. Ukrainische Kinder und Jugendli- (Martin Balasus) che werden in unseren Schulen aufgenommen. Sie müssen betreut, beschult und integriert werden. Sie müssen natürlich auch Deutsch lernen. Häufig müssen sie mit traumatischen Erlebnissen zurechtkommen. Sie müssen mit Geschichten von Flucht und Zerstörung klarkommen, die wir höchstens aus den Erzählungen unserer Großeltern kennen – zumindest in meinem Fall. Ein Beispiel einer Schulsozialarbeiterin: Sie berichtete von einem jüngeren ukrainischen Kind, welches sich bei einem lauten Geräusch erschrocken hatte und schließlich unter dem Tisch Schutz suchte. Das Kind reagierte intuitiv so, wie es das in der Ukraine erlebt hatte. – Lehrkräfte kommen bei solchen Herausforderungen an ihre Grenzen, denn schon jetzt ist der zeitliche Aufwand für Lehrkräfte enorm. Auch hier benötigen wir erneut die wichtige Arbeit und die wertvollen Erfahrungen aller Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, um diese Kinder und Jugendlichen bestmöglich aufzufangen und ihnen zu helfen. Deswegen hat die Landesregierung in 2022 zusätzlich 3 Millionen Euro für Maßnahmen der Schulsozialarbeit bereitgestellt, und das wird sich auch im Jahr 2023 wiederholen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie sehen, die Landesregierung weiß um die Bedeutung und den Stellenwert der Schulsozialarbeit. Wir sind überzeugt, eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Schule sowie die Entwicklung von multiprofessionellen Teams und Poollösungen sind die nächsten Meilensteine. Auch der Bund möchte mit seinem StartchancenProgramm die Schulsozialarbeit unterstützen, und ich finde, das ist hervorragend und absolut begrüßenswert. Aber schnacken allein reicht nicht, man muss am Ende auch liefern. Es darf nicht bei vollmundigen Ankündigungen bleiben. Milliarden sind angekündigt. Leider steht im Raum, dass diese immer weiter eingedampft werden. Was zuletzt aus dem Hause Lindner zu hören war, lässt auf jeden Fall Böses für das Bildungsressort erahnen. (Beate Raudies [SPD]: Und was macht das Land Schleswig-Holstein?) – Sie müssen einmal zuhören, dann hätten Sie gehört, was das Land Schleswig-Holstein tut. – Bildung und Erziehung sind keine Sache allein der Schule oder der Eltern. Nein, Bildung und Erziehung sind Sache aller. Und was unseren Part an dieser Titanenaufgabe betrifft, da zeigen wir von Landesseite bereits vollen Einsatz. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf Beate Raudies [SPD])
