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Martin Habersaat

SPD 15.06.2023 Sitzungen 20/30

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Damen und Herren! Jede zehnte Lehrkraft, die momentan in Schleswig-Holstein an einer Schule unterrichtet, ist keine ausgebildete Lehrkraft. Diese Zahl kommt nicht von mir, sondern aus dem Bericht der Landesregierung zur Unterrichtssituation. An Grundschulen sind es noch mehr. Fast 15 Prozent der Lehrkräfte sind dort keine ausgebildeten Lehrkräfte. Wir haben Grundschulen im Land, an denen 40 Prozent des Kollegiums keine ausgebildeten Lehrkräfte sind. Ich habe mir das ja nicht ausgedacht, sondern das ist die Ausgangslage, von der wir sprechen. Ich wehre mich dagegen, dass man als Schwarzmaler dargestellt wird, wenn man hier auf die Situation im Land hinweist. (Beifall SPD, FDP und SSW) Aus Ihren Zahlen aus der Lehrkräftebedarfsanalyse geht hervor, dass wir, wenn sich nichts ändert, nur sieben Prozent der Pensionierungen bei den Musikschullehrkräften an unseren Grundschulen kompensieren können. Nur sieben Prozent, wenn sich nichts ändert – es ändert sich was, es wird vielleicht besser, aber dies ist erst mal die Ausgangslage. Nun haben wir heute die Situation, dass es Musikpädagoginnen und ‑pädagogen gibt, die an Grundschulen unterrichten, die aber keine ausgebildeten (Martin Habersaat) Lehrkräfte sind und die nicht dauerhaft an der Schule arbeiten können, weil sie keinen Quer- und Seiteneinstieg ermöglicht bekommen. Warum kann man solchen Leuten nicht Plätze freischaufeln? Warum können wir für diese Leute nicht einen planbaren Übergang ermöglichen? Ich verstehe es einfach nicht. Denen erzählt man: Na ja, du kannst ja einmal im Jahr auf unsere Website gucken. Wenn wir mal Plätze haben, findest du sie da 14 Tage lang. Wenn du nicht rechtzeitig guckst, hast du Pech gehabt. Wir können dich leider nicht proaktiv informieren; so wichtig ist es uns doch nicht. – Das ist doch keine Art. Wir müssen doch darüber reden, wenn die Kräfte gerne bleiben wollen und die Schulleitungen sagen: Es sind gute Leute, die sich bewährt haben. – Warum können wir denen dann keinen planbaren Einstieg ermöglichen? (Beifall SPD – Zuruf Peer Knöfler [CDU]) Ja, ich habe mich auf Studierendenzahlen im Bund bezogen. Ich halte das nicht für ganz irrelevant, wie viele Studierende bundesweit auf Lehramt studieren, weil wir zum Beispiel unmittelbar vor meiner Haustür die Freie und Hansestadt Hamburg haben – übrigens auch mein Arbeitgeber als Lehrer, bevor ich im Landtag gelandet bin –, die Lehrkräfte besser bezahlt, wo Lehrkräfte weniger unterrichten müssen, wo in der Regel auch früher verbeamtet wird und in der Regel auch die Auswahl größer ist: An welche Schule möchten Sie denn? Wir stehen doch in einer Konkurrenzsituation mit allen Bundesländern. Deswegen ist der Blick richtig. In Niedersachsen arbeiten Gymnasiallehrkräfte noch weniger als in Hamburg beziehungsweise müssen weniger Stunden geben. Dass sie weniger arbeiten, will ich damit nicht pauschal behauptet haben. (Christopher Vogt [FDP]: Oh! Dünnes Eis!) Frau Prien, ich habe mich ausdrücklich auf die Bundeszahlen bezogen. Wenn Sie mir hier unterstellen, ich hätte für das Land falsche Zahlen aufgestellt und dann eine Zwischenfrage verweigern, ist das nicht souverän und nicht der Stil, in dem wir hier miteinander diskutieren sollten. (Beifall SPD)

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