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Sybilla Nitsch

SSW 15.06.2023 Sitzungen 20/30

Geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Da es ja gängige Praxis geworden ist, dass man noch einmal kurz seine Laufbahn referiert, will ich sagen: Ich bin Lehrerin, (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) ich habe aber keinen Vorbereitungsdienst gemacht, weil ich meine Laufbahn in Dänemark abgeschlossen habe. Ich könnte jetzt die Vorteile des dualen Studiums in Dänemark hervorheben, aber wir wollen uns mal auf den Vorbereitungsdienst in Schleswig-Holstein konzentrieren. Da möchte ich einmal die Fraktionen von CDU und Grünen loben und mich bei ihnen für den vorliegenden Antrag bedanken. Aber freuen Sie sich nicht zu früh, das Lob hält nicht lange an. (Beifall Lars Harms [SSW]) Vor allem bedanken möchte ich mich für den Satz: „Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für junge Lehrkräfte in Vorbereitung ist ein Schlüssel für die Lehrkräftegewinnung.“ Dem können wir als SSW nur zustimmen. Aber ist das jetzt eine neue Erkenntnis, im Juni 2023? – Definitiv nicht. So sehr ich inhaltlich alles befürworten kann, was im Antrag gefordert wird, macht mich der Zeitpunkt dieser Themendebatte allerdings doch ein bisschen sprachlos. Wir wissen schon lange, dass sich die Situation an den Schulen zuspitzt, auch wenn die Zahl der fehlenden Lehrkräfte gerne mal schöngerechnet wird. Fakt ist, dass viele Lehrkräfte am Limit sind und sich besonders nach der Pandemie mit den vielfältigen Herausforderungen überfordert fühlen. Dass (Sybilla Nitsch) in dieser Situation auch der Einstieg für Lehramtsanwärterinnen und -anwärter kein Zuckerschlecken ist, liegt auf der Hand. Wie oft wurde schon darüber geredet, dass der Einstieg in den Lehramtsberuf attraktiver gestaltet werden muss. Was empfiehlt denn hier die „Allianz zur Lehrkräftegewinnung“? Wieso ist hierzu noch nicht genug umgesetzt worden? Wo hakt es denn? Wieso muss hierzu schon wieder ein Antrag gestellt werden und schon wieder ein Konzept erarbeitet werden? Forderungen wie, es soll ein Schwerpunkt auf die didaktische, methodische und pädagogische Entwicklung gelegt werden, schockieren mich schon ein bisschen. Ja, bitte, das wollen wir. Aber man muss sich auch die Frage stellen: Was ist denn vorher gewesen, wenn man darauf nicht seinen Fokus gelegt hat? Genauso verhält es sich bei der Forderung nach transparenten Bewertungskriterien für die Staatsprüfung. Heißt dies im Umkehrschluss, dass die Lehramtsstudentinnen und Studenten gar nicht wissen, nach welchen Kriterien sie geprüft werden? Das macht einem wirklich Angst. Die aktuelle Lage motiviert scheinbar nicht unbedingt dazu, sich für ein Studium auf Lehramt zu entscheiden. Auch solche Debatten hier im Parlament tragen dazu bei, weil Leute, die sich gegebenenfalls für den Beruf entscheiden, doch irgendwie auch ein bisschen bange sein können, wie schlimm das alles läuft. Deshalb ist die Forderung nach einer Fahrtkostenerstattung schon lange richtig und wichtig; denn das bedeutet für einige wirklich eine finanzielle Belastung. Das Gehalt im Vorbereitungsdienst muss auch erhöht werden, damit nicht noch stundenlang nebenher gejobbt werden muss, damit man überhaupt seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Aber grundsätzlich nützt es niemandem, wenn wir nur durch finanzielle Anreize den Markt der angehenden pädagogischen Kräfte bestimmen wollen. Der Beruf und die Ausbildung an sich müssen Ansehen und Anreiz bieten, damit sich Abiturienten bewusst und gezielt für ein Lehramtsstudium entscheiden und dann motiviert und engagiert in die praktische Vorbereitungsphase starten. Aber damit das passiert, braucht es sichere Rahmenbedingungen für die Ausbildung. Dazu gehören nach meiner Erfahrung auch Unterstützungskonzepte. Es ist wirklich richtig und wichtig, dass man gut begleitet wird und dass man regelmäßige Beratungen hat. Möglichkeiten für Feedback beziehungsweise Mediation und Supervision im Team und Einzelfall müssen ausgebaut werden, weil das nachher den beruflichen Alltag prägt. Es muss verhindert werden, dass man in der Ausbildung an seine physischen und psychischen Grenzen gerät. Ich weiß von vielen Kollegen, dass das Narben hinterlässt, wenn man später im Beruf ist. Deshalb fordern wir, dass zeitnah bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Wir stimmen dem Antrag der Koalition vollkommen zu, ebenso dem SPD-Antrag, und bitten das Bildungsministerium, dass die Forderungen schnell umgesetzt werden. Vielleicht gelingt das ja auch ohne ein Konzept. Denn auch Sie in der Koalition haben laut Antrag nun endlich begriffen: „Die Lehrkräftegewinnung ist eine zentrale Herausforderung für die Bildungspolitik“. Danke für diese Erkenntnis am heutigen Tage. Meine Bitte: nicht lange schnacken, sondern schnell anpacken! (Beifall SSW und SPD)

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