Martin Habersaat
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Zahl der Lehramtsstudierenden in Deutschland sinkt, und zwar sowohl in absoluten Zahlen als auch, was ihren Anteil an den Studierenden insgesamt angeht. Das ist angesichts des Lehrkräftemangels eine schlechte Nachricht. Schon heute ist jede zehnte Lehrkraft an den Schulen in Schleswig-Holstein keine ausgebildete Lehrkraft; zumindest war das die letzte Zahl, die ermittelt werden konnte. Den Ernst der Lage illustriert nach fünf Jahren Vorarbeit auch das Lehrkräftebedarfsanalysetool der Landesregierung: Es wird schwer, die Pensionierungen in den kommenden Jahren zu kompensieren. Wir müssen also gut mit der knappen Ressource der angehenden Fachkräfte umgehen, im Referendariat – da machen Sie einige Vorschläge –, in der Berufseingangsphase – da finde ich Ihre Vorschläge schon etwas zögerlicher –, aber auch im Studium – das Feld lassen Sie aus. – Herr Balasus, Sie mussten ja selber lachen. Was gegen unseren Antrag spricht ist, dass er von der SPD kam. Ansonsten sind das doch Sachen, die man guten Gewissens machen kann, aber von mir aus gern in einem Monat unter anderer Überschrift – Hauptsache es passiert. Wir stimmen Ihren Vorschlägen zu; unsere kann jeder in der Drucksache 20/1117 selbst nachlesen. Weil wir wissenschaftlich fundiert miteinander sprechen wollen, verrate ich Ihnen auch, woher unsere Vorschläge in großen Teilen kommen. Es gibt das Lehramtsstudierenden-Panel, das die wissenschaftliche Grundlage dafür liefert. Von 2014 bis 2023 wurden in einer Längsschnittstudie circa 5.000 Studierende von ihren Anfängen an der Hochschule bis zu ihrem Einstieg ins Referendariat und darüber hinaus in den Beruf begleitet. Im Kontext zu dieser Datensammlung sind Studien zur Motivation, Zufriedenheit und dergleichen, aber auch zum Studienverlauf und Studienabbruch entstanden. Dabei stand zum Beispiel die Struktur des Lehramtsstudiums im Fokus, die ja eine besondere ist. In wenigen Studiengängen geht es so konkret auf einen bestimmten Beruf zu, und in wenigen Studiengängen wird also die Entscheidung über den künftigen Beruf eigentlich schon mit Beginn des Studiums getroffen. Das kann natürlich ein Grund für spätere Abbrüche sein, dass diese Entscheidung so früh getroffen wurde. Erschwerend kommt hinzu, dass die beiden ersten Phasen der Lehrkräftebildung nicht wirklich gut miteinander verzahnt sind. Es ist wenig überraschend, dass viele Referendarinnen und Referendare den Vorbereitungsdienst in seiner jetzigen Form als Praxisschock erleben. Ich wurde an der Schule damals als junger Referendar mit den Worten begrüßt: Erlauben Sie sich in den zwei Jahren, die jetzt kommen, bloß nicht zu viel rechts und links! Das werden keine schönen Jahre werden! (Serpil Midyatli [SPD]: Damals schon? –
