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Malte Krüger

GRÜNE 15.06.2023 Sitzungen 20/30

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Die Süddeutsche Zeitung hat im März einen Artikel zum Lehrerinnen- und Lehrermangel und zu den strukturellen Problemen des Vorbereitungsdienstes geschrieben. Dort heißt es, ich zitiere: „Gleichzeitig sitzen Tausende Referendare bis spät abends in Lehrerzimmern, bekommen mitleidige Blicke von den älteren Kollegen, ein Schulterklopfen“ – an der einen oder anderen Stelle und die Aussage – „Wir mussten da auch durch. Tagsüber putschen sie sich mit Kaffee auf, abends schlucken sie Beruhigungstabletten.“ Wer Lehramt studiert, dem erzählen die Älteren vom Referendariat, es sei die Hölle: „die schlimmsten zwei Jahre meines Lebens“. (Zurufe CDU und FDP) Das ist so oder so ähnlich genau das, was ich an Schulen als Lehrkraft, als Freund oder als Abgeordneter höre. Der Vorbereitungsdienst ist also ganz oft – ja, er ist alles, er ist auf jeden Fall qualitativ hochwertig, da stimme ich dem Abgeordneten Balasus auf jeden Fall zu, aber er ist nicht beliebt. Ich glaube, darauf können wir uns einigen. Es ist keine Zeit, auf die man sich freut oder der man sehnsüchtig entgegenfiebert. Im Zeitraum der Schulhalbjahre 2015/16 bis 2017/18 war der Anteil der LiV, die ihren Vorbereitungsdienst abgebrochen haben oder durch die Abschlussprüfung gefallen sind, wie folgt: 2015/16 14,2 Prozent, 2016/17 14,4 Prozent und in den Folgejahren so ähnlich, aber auch leicht absinkend. In diesem Zeitraum brachen deutlich mehr LiV ihren Vorbereitungsdienst ab als dass sie durch die Prüfung fielen. Die Abbruch- und Durchfallquoten waren im Gymnasiallehramt am höchsten. Dagegen müssen wir etwas tun, und daher freue ich mich sehr, dass wir heute über diesen Antrag debattieren, der ein paar Lösungsschritte aufzeigt. Im Kern geht es in dem Antrag darum, dass wir Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst besser unterstützen wollen. Dafür sehen wir erst einmal fünf Möglichkeiten: Erstens. Wir wollen ein verbessertes Konzept für Beratungsangebote. Dabei soll ein Schwerpunkt auf die Entwicklung der LiV gelegt werden. Bei jungen Lehrkräften geht es darum, sie im Vorbereitungsdienst fit für das Berufsleben zu machen. Dafür brauchen Lehrkräfte in Vorbereitung eine enorm gute Rückmeldung zu ihrer Entwicklung in Didaktik, Methodik und angewandter Pädagogik. Zweitens. Die Bewertungskriterien für die Staatsprüfung müssen so weiterentwickelt werden, dass sie den Lehrkräften in Vorbereitung auch transparent zur Verfügung gestellt werden. Viel zu oft stochern LiV noch im Dunkeln bei ihrer eigenen Prüfung. Oftmals gibt es dann keine Rückmeldung zu allen Teilen der Prüfung. Das ist verwunderlich. Lehrkräfte lernen, wie man Schülerinnen und Schüler an Kriterien bewertet. Jetzt stellen Sie sich vor, dass ich bei der Prüfung, die über mein Lehrerdasein entscheidet, nicht einmal eine Rückmeldung anhand von Kriterien bekomme, warum ich in meiner Unterrichtsstunde nur eine Drei oder eine Zwei bekommen habe, aber vielleicht keine Eins oder keine Zwei. Später soll ich dann aber als Lehrkraft im Unterricht meinen vielleicht 27 Schülerinnen und Schülern anhand von Kriterien erklären, wie ich zu meiner Note gekommen bin. Das passt nicht. Deshalb ist das genau richtig, was wir hier im Antrag fordern. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Drittens. Es gibt bereits Anreizmöglichkeiten für LiV in bestimmten Regionen. Wenn sie in Steinburg oder Dithmarschen Grundschul- oder Förderschullehrerin oder -lehrer werden wollen, dann kann es sein, dass sie an bestimmten Schulen eine erhöhte Vergütung bekommen. Dieser Anreiz ist schon mal gut; er reicht aber noch nicht aus für die Herausforderungen, vor denen wir stehen. Wir müssen auch noch mehr über die zum Beispiel passgenauere Erstattung von Fahrtkosten, eine höhere Vergütung und gemeinsam mit den Kreisen eventuell über Anreize bei den Mietkosten nachdenken. Viertens. Ich bin der Überzeugung, dass der Runde Tisch, also die Vertretung der Lehrkräfte in Vorbereitung, gestärkt werden muss. Es gibt einen hohen Unmut unter Referendaren über den Vorbereitungsdienst. LiV haben viele kluge Ideen für die Verbesserung des Vorbereitungsdienstes, und diese Ideen sollten wir nutzen und nicht verpuffen lassen. Wissen Sie aber, was mir viele LiV gesagt haben? – Wir trauen uns nicht, bestimmte Dinge anzusprechen, weil wir – Zitat „am Ende der Nahrungskette stehen“. Das ist verwunderlich. Es gibt ja den Runden Tisch, es gibt dort auch die Möglichkeit, Sachen anzuregen, aber anscheinend trauen sich einige nicht, dort ehrlich zu sprechen. Dieser Angst möchten wir Aufmerksamkeit schenken, und deshalb wollen wir diesen Runden Tisch weiterent- (Malte Krüger) wickeln, damit LiV dort auch ohne Angst ihre Anregungen vorbringen können. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Fünftens. Außerdem müssen wir Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern nach dem Vorbereitungsdienst Vernetzungsangebote an die Hand geben. Viele fühlen sich nach dem Referendariat und mit dem Einstieg in den Beruf überfordert. Auch hier höre ich Stimmen, die sagen: Ja, was denn noch alles für unsere Lehrkräfte? – Aber noch einmal: Wir brauchen jede und jeden für unsere Schulen. Unser Ziel muss es also sein, den Beruf möglichst attraktiv zu gestalten. Von daher sollten wir da auch weiterdenken. Mit diesen Maßnahmen lösen wir natürlich nicht jede Herausforderung, die der Einstieg in den Lehramtsberuf mit sich bringt. Deshalb werden wir auch beim Handlungsplan Lehrkräftegewinnung und darüber hinaus weitere umfängliche Veränderungen der Lehramtsausbildung anregen und zukünftig hier vermehrt hoffentlich auch diskutieren. Aber dieser Antrag zeigt, worum es uns geht, dass Menschen, die sich für den schönsten Beruf Schleswig-Holsteins entscheiden, auch unser aller Wertschätzung dafür erfahren sollen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

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