Martin Balasus
Verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gute Lehrkräfte fallen nicht vom Himmel. Es ist ein langer Weg dorthin – vom Abitur über das Studium bis hin zum Referendariat, und dann braucht es noch eine gehörige Portion Erfahrung im schulischen Alltag, um den ambitionierten Ansprüchen zu genügen. (Zuruf Christopher Vogt [FDP]) Eine Schlüsselrolle in diesem Prozess nimmt der Vorbereitungsdienst, früher „Referendariat“ genannt, ein. Hier wird das theoretische Wissen der Uni mit der Praxis verwoben. Hier rücken plötzlich neben der Fachwissenschaft auch Didaktik, Methodik und mediale Umsetzung in den Vordergrund. Schleswig-Holstein setzt dabei auf zwei Ebenen der Ausbildung an: am IQSH – das ist das Institut für Qualitätsentwicklung – und an den Schulen vor Ort. In meinen Augen ist das eine gelungene Mischung aus Theorie und eigener Unterrichtstätigkeit, aus Input und Anleitung, aus Einzel-, Partnerund Gruppenerfahrungen, aus Ausprobieren und dem Unter-Beweis-Stellen von Gelerntem. Diese Ausbildungsphase findet nach 18 Monaten mit ei- (Martin Balasus) nem Prüfungstag ihren Abschluss, an dem selbstverständlich eigener Unterricht gezeigt wird; aber es gibt auch weitere Prüfungssequenzen wie Schulrecht und Schulentwicklung. Diese anderthalb Jahre fordern viel von den Lehrerinnen und Lehrer im Vorbereitungsdienst. Es ist eine anstrengende Zeit, in der die jungen Pädagoginnen und Pädagogen eine Menge an neuen Informationen verarbeiten müssen. Sie machen vielfältige Erfahrungen und werden mit Anforderungen und Erwartungen konfrontiert. Es ist aber eine wahre Freude, wenn man miterleben kann, welche Fortschritte und Entwicklungsschübe in dieser kurzen Zeit gemacht werden. Ich durfte als Mentor in den letzten Jahren zwei angehende Lehrkräfte durch den Vorbereitungsdienst begleiten und mich so von der hohen Qualität der Ausbildung in Schleswig-Holstein überzeugen. Hier bei uns können wir angehende Lehrkräfte wirklich guten Gewissens in den Beruf entlassen. Es ist nicht nur meine persönliche Erfahrung, sondern ich habe es auch von vielen Berufskolleginnen und -kollegen gehört: Im IQSH wird hochprofessionelle Arbeit geleistet und an unseren Schulen auch. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Doch, liebe Kolleginnen und Kollegen, was gut ist, kann immer noch besser werden, und genau das wollen wir mit unserem Antrag erreichen. Natürlich wird die Ausbildung an Schule und IQSH stets evaluiert, und es wird geprüft, wo sich Potenziale für Nachschärfungen ergeben können und was als besonders herausfordernd wahrgenommen wird. Genannt werden zum Beispiel Belastungserfahrungen, die aus Druck von außen, aber auch aus persönlichem Unter‑Stress-Setzen resultieren können. Manch einer berichtet von einem „Realitätsschock“ nach dem Studium. Ich denke, diesem könnten wir durch mehr Praxis im Studium Herr oder Frau werden; denn so weiß die angehende Lehrkraft frühzeitig, was sie später erwartet und ob die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern sie erfüllt. Häufig werden von Referendarinnen und Referendaren belastende Bewertungssituationen bei Unterrichtsbesuchen oder in der Prüfung als Kritikpunkte benannt. Natürlich gehören solche Bewertungssituationen ein Stück weit dazu, was aber nicht heißt, dass man nicht auch hier für Verbesserungen sorgen kann. Ein Konzept soll intensivere Beratungsangebote auf den Weg bringen und kontinuierliche Rückmeldungen gewährleisten, damit niemand am Prüfungstag aus allen Wolken fällt. Ich bin mir sicher: Das passiert schon vielerorts, das heißt, es ist bestimmt schon Praxis; aber wir wollen es verbindlich regeln. Ebenso sollen Bewertungskriterien transparent gemacht werden, damit sich die Lehrkraft im Vorbereitungsdienst, LiV, besser daran orientieren kann. Auch Vernetzungsangebote sollen ausgeweitet und die Vertretung der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst gestärkt werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Diese Vorschläge werden – wie viele weitere aus unserem Handlungsplan zur Lehrkräftegewinnung – dazu beitragen, die Attraktivität des Berufes weiter zu erhöhen. Nun liegt uns auch ein Änderungsantrag der SPDFraktion vor. Diesen möchte ich ausdrücklich loben; denn er enthält richtig gute Vorschläge. Es gibt dennoch einen Wermutstropfen: (Zuruf Martin Habersaat [SPD]) – Na, wenn Sie das selber sagen. (Heiterkeit) Insgesamt ist das Ganze etwas zu kurz gesprungen. Wir müssen hier umfassender ansetzen und die gesamte Lehrkräfteausbildung in den Blick nehmen. Ich bin mir sicher, das werden wir zu gegebener Zeit auch tun. Einig sind wir uns alle: Wir brauchen fachkundige, motivierte, engagierte und gesunde Lehrkräfte. Das ist unsere große Verantwortung! (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dabei wollen wir so früh es geht ansetzen, nämlich hier im Vorbereitungsdienst. Schließlich starten angehende Lehrkräfte in den Vorbereitungsdienst, weil sie in ihrem Wunsch- und Traumberuf arbeiten wollen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen dafür die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen und ihnen das ideale Rüstzeug an die Hand zu geben. – Vielen Dank! (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
