Silke Backsen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In Schleswig-Holstein, im Land zwischen den Meeren, hat die Fischerei eine lange Tradition. Fischfang gibt es sowohl in Nord- und Ostsee; die Krabbenfischerei ist allerdings eine Besonderheit der Nordsee. Die Fischerei ist das älteste Handwerk, welches die Meere nutzt, und hat eine Bedeutung sowohl für das Land, für die Menschen, die hier leben, als auch für diejenigen, die Schleswig-Holstein besuchen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Darüber hinaus ist die Fischerei auch ein Garant für lebendige Häfen. Das schätzen auch Touristinnen und Touristen, unsere Gäste. Sie schätzen die Fischanlandung, den Direktverkauf von frischem Fisch und Krabben. Dem geforderten Bekenntnis zum traditionellen Handwerk der hauptberuflichen Küsten- und Krabbenfischerei können wir uns anschließen, denn wir als Koalitionsfraktionen haben ein solches Bekenntnis in unserem Koalitionsvertrag schon längst abgelegt. Dort steht auch, dass wir die regionale, traditionelle Küsten- und Krabbenfischerei erhalten wollen und uns dafür aktiv einsetzen. Außerdem wollen wir auch die Einrichtung eines Dialogs „Zukunft der Küstenfischerei“, der hier gefordert worden ist. Auch das haben wir bereits vorgesehen. (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Wir werden im Kontext der Biodiversitätsstrategie eine Initiative zur nationalparkverträglichen Ausgestaltung der Krabbenfischerei starten. Wir wollen dies im Dialog mit Fischerei und Naturschutzverbänden tun, insbesondere mit der Krabbenfischerei – das ist jetzt schon mehrmals gesagt worden. Wir wollen für und mit den Krabbenfischerinnen und ‑fischern einen Zukunftspakt schließen, auch das haben wir bereits beschlossen. Für uns hat die Fischereitradition, aber eben auch der Schutz der Meere eine große Bedeutung. Wir wollen beides miteinander vereinbaren. Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der in aller Munde ist. Er hat aber eben auch für die Fischerei eine große Bedeutung, sowohl in ökonomischer und sozialer als eben auch in ökologischer Hinsicht. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) In der deutschen Nordsee werden überwiegend Grundschleppnetze und Baumkurren eingesetzt: küstennah zum Fang der Krabben, aber eben auch zum Fang von Plattfischen und anderen bodennah lebenden Fischen wie zum Beispiel dem Kabeljau. Die grundberührende Fischerei kann ein Problem für den Meeresnaturschutz darstellen. Das lässt sich nicht so leicht wegdiskutieren, weil es auch zu Beeinträchtigungen des Meeresbodens und zu hohen Beifangraten kommen kann. Die Krabbenfischerinnen und ‑fischer haben sich aber in den letzten Jahren – auch mit Unterstützung durch das Land – wirklich bemüht, hier naturverträglicher zu werden und gute Lösungen zu finden. (Beifall Eka von Kalben [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Sie haben dabei wirklich Fortschritte erzielt. Wir wollen dies weiter unterstützen, aktiv begleiten und, wie bereits gesagt, eine nationalparkverträgliche Ausgestaltung der Krabbenfischerei starten. Hier geht es auch um mehr regionale Wertschöpfung. Mir ist ein Punkt ganz wichtig, wenn wir darüber reden. Wenn man diese Nachfrage nach Krabbenbrötchen in den Häfen sieht, müssen wir dafür sorgen, dass wir auch hier vor Ort Pulmaschinen für die Krabben entwickeln und dies unterstützen. Es kann doch nicht sein, dass diese Krabben immer nach Übersee geflogen oder anders transportiert werden, um dann hier regional vermarktet zu werden. Da müssen wir deutlich mehr vorangehen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Cornelia Schmachtenberg [CDU]) Wir wollen uns für den Schutz der Meere einsetzen und diesen sicherstellen. Meeresschutzgebiete dienen primär dem Schutz bedrohter Arten und der Lebensräume. Bei der Umsetzung geeigneter Managementmaßnahmen können sie gleichzeitig Rückzugsräume und letztendlich Erholungsgebiete für die bedrohten und überfischten Bestände sein. Meeresschutzgebiete haben nachweislich auch auf die Fischbestände positive Auswirkungen, sofern die Gebiete angemessen groß und langfristig etabliert sind und sofern sie einen ausreichenden Schutzstatus haben. Vorteile dieser Gebiete können zum Beispiel sein, dass die Artenvielfalt zunimmt und man bestimmte Lebensstadien der Fische schützt. Wie gerade gesagt, gilt es eben hier, (Silke Backsen) einen ausgewogenen Kompromiss zu finden zwischen dem Schutz und der Nutzung. Mit Blick auf die Ostsee ist es gut, dass der Bund die Kommission zur Zukunft der deutschen Ostseefischerei ins Leben gerufen hat. Dabei geht es um den Wiederaufbau von Fischbeständen und um eine zukunftsfeste Ausrichtung der Ostseefischerei. Weil der Meeresnaturschutz nicht an den Grenzen haltmacht und weil wir eine europarechtlich gemeinsame Fischereipolitik haben müssen, müssen wir das Thema auch jenseits unserer Hoheitsgrenzen angehen und politisch gestalten. Fangmethoden und Fangnetze müssen sich für einen besseren Schutz der Meere und für eine nachhaltige Küstenfischerei in der gesamten Nord‑ und Ostsee verbessern. Lieber Kollege, es geht aus meiner Sicht nicht darum, dass irgendwann in Zukunft einmal Kollegen Fisch‑ und Krabbenbrötchen essen können, sondern darum, dass wir die familiengeführten Betriebe erhalten. – Vielen Dank. (Serpil Midyatli [SPD]: Das hat er auch gesagt! – Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)
