Thomas Hölck
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich vor: Wir befinden uns im Jahr 2040, das Land ist klimaneutral, in Büsum gehen am Hafen die ehemaligen Landtagsabgeordneten Oliver Kumbartzky und Thomas Hölck spazieren – möglicherweise auch beide noch im Amt; man weiß es nicht. (Zurufe) Der geschätzte FDP-Kollege gibt altersmilde gestimmt zu, dass sein ebenso geschätzter Kollege Hölck bei der Winddebatte recht hatte. (Claus Christian Claussen [CDU]: Niemals! Märchenstunde! – Weitere Zurufe) Plötzlich bekommen die jung gebliebenen Herren Hunger, Heißhunger auf Fischbrötchen. Sie steuern die nächstgelegene Fischbude an und stellen fest: kein Fischbrötchen, kein Krabbenbrötchen, nichts, null. Sie drehen sich um: kein Fischkutter weit und breit. (Lars Harms [SSW]: Dann fahr nach Husum! – Unruhe) Was könnte passiert sein? Stark einschränkende Fangverbote der EU konnten zwar zum Teil verhindert werden, aber die Zukunftsperspektive für die Fischereiflotte an Nord- und Ostsee blieb aus, mangelnde Planungssicherheit hat die Investition in klimaneutrale Kutter verhindert, die Fischbestände sind durch Klimawandel und Überfischung zurückgegangen, und das Fischereihandwerk ist ausgestorAnlage bei (Thomas Hölck) ben. – So weit darf es nicht kommen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall SPD und Oliver Kumbartzky [FDP]) Man kann nicht leugnen, dass sich die Küstenfischerei in einer anhaltend schwierigen Situation befindet: Fachkräftemangel, steigende Betriebskosten, zum Teil schwindende Fischbestände, die Konkurrenz um Fanggebiete und Fangquoten sind nur einige Gründe, die es dem traditionellen Handwerk schwer machen. Auch ein möglicher Nationalpark Ostsee könnte die Ostseeküsten-Fischerei weiter einschränken. Ein Großteil der deutschen Fischereiflotte ist veraltet. Das Durchschnittsalter der Kutter liegt bei 42 Jahren. Technisch und wirtschaftlich lassen sich die Kutter nicht mit klimaneutralen Antrieben ausstatten, aber an der Klimaneutralität kommt diese Branche – wie jede andere – nicht vorbei. (Anhaltende Unruhe) Der Fischkutter der Zukunft ist in der Entwicklung. Er wird vermutlich mit Methanol angetrieben. Ein handelsüblicher Kutter soll nach heutiger Schätzung 2 Millionen Euro kosten. Das ist kein Pappenstiel. Sehr geehrte Damen und Herren, das zeigt deutlich: Wir müssen verstärkt in die Forschung klimaneutraler Antriebssysteme investieren und die Betriebe in die Lage versetzen, diese Investitionen stemmen zu können. (Beifall SPD und SSW) Wer in neue Technik investiert, braucht Perspektive und das Bekenntnis, dass die Küstenfischerei in unseren Gewässern langfristig gewollt ist. Deshalb bekenne ich mich für meine Fraktion zu der Zukunft der häufig familiengeführten Küstenfischereibetriebe. (Beifall SPD und SSW – Lars Harms [SSW]: Sehr gut!) Sie sind identitätsstiftend für unsere Regionen, stärken den Tourismus, tragen zur regionalen Wertschöpfung bei und sind von uns gewollt. Es reicht aber nicht, eine EU-Richtlinie mit Fangverboten abzuwehren, um dann dieses traditionelle Handwerk wieder aus den Augen zu verlieren. Wir benötigen einen Prozess, einen Dialog zur Zukunft der nachhaltigen Küstenfischerei. Dabei muss anerkannt werden, dass die Fischer bereits heute bemüht sind, ihr Handwerk umweltschonend auszuüben. Natürlich ist die Fischerei in Nationalparks eine hochsensible Angelegenheit. Deshalb müssen Fangmethoden hinsichtlich der Nachhaltigkeit ständig verbessert werden. Forschung und staatliche Förderung müssen dabei unterstützen. Am 27. April 2023 hat das Thünen-Institut seine Erkenntnisse zu den Auswirkungen der Krabbenfischerei auf den Meeresboden vorgestellt. Vier Jahre wurden die Auswirkungen der Garnelenfischerei auf die Lebensräume in den Wattenmeer-Nationalparks der norddeutschen Bundesländer untersucht. Als Fazit des Forschungsprojekts Cranimpact wurde seitens des Instituts erklärt: „In der Gesamtschau der Experimente konnte keine statistisch signifikante Häufung von Effekten durch fischereiliche Störung gemessen werden.“ Die Ergebnisse machen Mut für einen fairen Zukunftsdialog, der Umwelt und Fischerei zusammen denkt. Sehr geehrte Damen und Herren, was die beiden junggebliebenen Abgeordneten oder Herren in Büsum 2040 übersehen hatten: Es gab noch Fisch, gezüchtet oder aus anderen Ländern, unter schlechtesten Bedingungen gefangen und nach Norddeutschland gebracht. – Das kann keiner wollen. Deshalb setze ich mich mit meiner Fraktion für eine nachhaltige Küstenfischerei in Schleswig-Holstein ein. Die Haltung „Irgendwie geht das schon weiter!“ müssen wir überwinden. Ich möchte einen ehrlichen Dialog und ein ehrliches Bekenntnis zu einer Küstenfischerei, die die Naturschutzbelange berücksichtigt. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall SPD, FDP und SSW)
