Sybilla Nitsch
Geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich spreche heute in Vertretung für Jette (Sybilla Nitsch) Waldinger-Thiering. An dieser Stelle noch einmal gute Besserung! (Beifall) Schule muss auf das Leben vorbereiten. Zum Leben gehört im besten Fall ein Grundverständnis für die Politik und für die Wirtschaft. Deshalb wollen wir als SSW die politische und die wirtschaftliche Bildung im Schulunterricht weiter ausbauen und stärken, und zwar – wie wir feststellen müssen – nicht erst seit heute, sondern bereits seit vielen, vielen Jahren. Konkret bedeutet das, dass wir den WiPo-Unterricht in den Kontingentstundentafeln der Sekundarstufe I an den Gymnasien und den Gemeinschaftsschulen mit einem verpflichtenden Mindestkontingent von sechs Jahreswochenstunden ausstatten wollen. Alle weiterführenden Schulen in Schleswig-Holstein müssen das Fach WiPo auf einem guten und verlässlichen Niveau verpflichtend unterrichten. Wenn ich als ehemalige WiPo-Lehrerin an den Schulen unseres Landes unterwegs bin und mich mit den Schülern und Schülerinnen unterhalte, höre ich immer wieder eine Sache, nämlich dass man den Wunsch hat, das Fach Lebenspraxis einzuführen. Unsere Schüler und Schülerinnen wollen lernen, wie sie allein zurechtkommen können. Das bedeutet, dass sie lernen möchten, was man beachten muss, wenn man zu Hause auszieht, also: Wie melde ich mich um? Welche Versicherung brauche ich? Wie regele ich meine Bankangelegenheiten? – Nicht in allen Familien wird dieses Wissen weitergegeben. Trotzdem betrifft es uns alle irgendwann in unserem Leben. Dieses Wissen müssen wir den Schülern und Schülerinnen vermitteln – vor allen Dingen, bevor sie einen Abschluss machen und nicht erst, wenn sie ins Leben hinaustreten. Ähnlich sieht es mit der politischen Bildung aus. Daher unterstützen wir die Forderung nach politischer Bildung sehr. Hier hebe ich ganz besonders das Engagement der Schulen hervor. Viele Schulen bemühen sich schon in Form von politischen Veranstaltungen, dialogP-Formaten und durch den direkten Austausch mit Politikern und Politikerinnen, eine praxisnahe politische Bildung an die Schulen zu bringen. Besonders in Wahlkämpfen – das ist hervorzuheben – organisiert der Verband politischer Jugend, also unsere Jugendparteien, in Zusammenarbeit mit dem Landesbeauftragten für politische Bildung viele Podiumsdiskussionen an den Schulen, um junge Menschen über Parteien und die politischen Standpunkte zu informieren. In diesem Zusammenhang auch vom SSW ein großes Lob und Sitzung (neu) – Mittwoch, 14. Juni 2023 2151 ein Dank für die gute Arbeit des Landesbeauftragten für politische Bildung. (Beifall) Durch kreative Formate wie zum Beispiel den Wahl-O-Mat zum Aufkleben wird den jungen Menschen das Wissen über Politik und Demokratie praxisnah und verständlich beigebracht. Genau so muss es nämlich laufen. Wir wollen die Arbeit des Landesbeauftragten für politische Bildung weiterhin stärken und unterstützen. Demokratiebildung und Partizipation junger Menschen sind nämlich existenziell für unser politisches System. Deshalb darf hier niemals gespart werden. Keine Frage, es gibt ganz viele tolle Angebote, wie eben genannt. Leider kommt es eben immer auf das Engagement vor Ort an. Durch freiwillige Angebote sichern wir keinen flächendecken Wirtschaftsund Politikunterricht. Das sollten wir bei aller Freude über die Formate ins Bewusstsein rufen. Das Konzept der Klassenräte von Schwarz-Grün klingt auf den ersten Blick sehr schlüssig. Aber ganz im Ernst: Wird es besser, wenn wir immer mehr Konzepte in die Schulen verfrachten, wenn nicht klar ist, wo überhaupt die Verantwortlichkeiten liegen? Die Schulen arbeiten bereits mit Klassensprechern und Klassensprecherinnen, binden die Schülerinnen und Schüler in demokratische Prozesse ein. Hier könnten wir Ansätze ergänzen und die Aufgabenbeschreibung mit den Akteuren vor Ort entwickeln. Apropos vor Ort: Außerschulische Lernorte finden wir als SSW im WiPo-Fach existenziell. (Beifall SSW) Mit Besuchen in Rathäusern und bei ortsansässigen Banken hat man einen hohen Lerneffekt. Hier sprechen wir von einer echten Handlungsorientierung. Ich möchte noch eine Sache besonders hervorheben. Die Bildungsfahrten nach Buchenwald unterstützen wir natürlich. Fangen wir aber doch erst einmal hier bei uns im Land an. Die Küstenkoalition hat zusammen mit ihrer Ministerin Anke Spoorendonk dafür gesorgt, dass Klassen Gelder für Fahrten zu Gedenkstätten hier bei uns im Land bekommen und zum Beispiel auch ein Bus bezahlt wird. Nicht alle Schulen wissen von diesem Angebot. Dieses bestehende System muss weiter promoviert werden. Dazu gehört, dass wir unsere Gedenkstättenarbeit in unserem Land für die politische Arbeit im Land entsprechend mit ordentlichen institutionellen Mitteln ausstatten. (Sybilla Nitsch) (Beifall SSW und FDP) Natürlich können wir diese Forderung nicht immer nur auf die Lehrkräfte abwälzen und dann verlangen, dass sie alles umsetzen. Wir wissen: Der Lehrkräftemangel ist kritisch, und die Leute sind an den Schulen überbeansprucht. Klar ist aber: Wir müssen jedem Schüler und jeder Schülerin vor dem Abschluss eine vernünftige politische und wirtschaftliche Bildung bieten.
