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Malte Krüger

GRÜNE 14.06.2023 Sitzungen 20/29

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Es dürfte nicht verwundern, dass mich als WiPo-Lehrer so eine WiPoDebatte schon freut. Ich freue mich ehrlich gesagt auch, dass ich endlich mal einen Antrag habe, bei dem ich sage: Da haben wir zumindest eine ähnliche Stoßrichtung, liebe FDP. (Unruhe FDP – Christopher Vogt [FDP]: Das kriegen wir nie wieder hin!) In Zeiten von Extremismus und Fremdenfeindlichkeit, Verbreitung von Fake News, der rasanten Entwicklung von KI und Verschwörungserzählungen müssen Schülerinnen und Schüler dazu befähigt werden, sich kritisch mit unterschiedlichen Positionen auseinanderzusetzen, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Wir Grüne betrachten die politische Bildung als festen Bestandteil im Prozess des lebenslangen Lernens und haben uns deshalb im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, dass wir im Fach WiPo mehr Raum zur Verfügung stellen wollen. Schülerinnen und Schüler werden durch die Auseinandersetzung mit Kernproblemen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in die Lage versetzt, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und dabei abzuschätzen, wie sich das eigene Handeln auf andere Menschen, auf künftige Generationen, auf die Umwelt oder auf das Leben in anderen Kulturen auswirkt. (20. WP) – 29. Sitzung (neu) – Mittwoch, 14. Juni 2023 Zum FDP-Antrag: Ich befürworte den ersten Absatz Ihres Antrages sehr, glauben Sie mir das. Ich denke, dass WiPo ab der 5. Klasse eine Lücke in der Bildung schließen würde. Ich will das kurz begründen. In meiner Masterarbeit habe ich mir angeschaut, wie wir Schülerinnen und Schüler resilienter, also widerstandsfähiger gegen Verschwörungserzählungen und generell Extremismus machen können. Eine ganz zentrale Hypothese in der Wissenschaft ist es, dass sozialwissenschaftlicher Unterricht zu einer verstärkten Resilienz führen könnte. In meiner Masterarbeit komme ich genau zu diesem Schluss. Jetzt könnte argumentiert werden, dass ja auch außerhalb der Schule nach dem Abitur mehr politische und ökonomische Bildung stattfinden könnte. Ja, aber dem muss entgegnet werden: Umso früher die Bildung stattfindet, desto besser ist die Resilienz gegenüber extremistischen Tendenzen. Und das ist alles andere als eine banale Erkenntnis. Haben Sie schon einmal versucht, Verwandte, die an eine Verschwörungstheorie glauben, zu überzeugen, dass das nicht stimmt? Haben Sie schon einmal mit jemandem geredet, der glaubt, dass die Welt flach ist, oder der an – in Anführungszeichen – die „jüdische Weltverschwörung“ glaubt? – Diese Menschen lassen sich nicht so einfach überzeugen, und um ehrlich zu sein: Wir haben nicht wirklich Maßnahmen, um die Menschen aufzuklären. Wenn ich glaube, dass der Staat Verbrechen begeht, lasse ich mich nicht einfach vom Gegenteil überzeugen. Denn eines ist klar: Im Internet finde ich inzwischen jede noch so abstruse Meinung oder Erzählung. Deshalb sind präventive Maßnahmen so relevant. Die beste präventive Maßnahme, die ich in Schleswig-Holstein kenne, ist eben politische ökonomische Bildung. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und Martin Balasus [CDU]) Deshalb komme ich zu dem Schluss, dass früherer WiPo-Unterricht ein Schlüssel ist, um extremistischen Tendenzen und Verschwörungserzählungen entgegenzuwirken. Jetzt kommt es aber: Klar ist auch, dass die finanziellen Mittel und die notwendigen Lehrkräfte für so ein Vorhaben nicht an jeder Ecke stehen. Der WiPoUnterricht ist, gerade fernab von den Gymnasien, immer noch ein Fach, welches vermehrt fachfremd unterrichtet wird. Aufgrund der herausragenden Bedeutung der politischen Bildung für den sozialen Zusammenhalt in unserem Land muss in Zukunft (Malte Krüger) eine Stärkung des Politiklehramts dringend angegangen werden. Auch wir möchten die Schulen noch stärker dabei unterstützen, eine nachhaltige Demokratiebildung und verstärkte politische Bildung zu gewährleisten. Schülerinnen und Schüler muss so früh wie möglich die Chance der Mitgestaltung in einer demokratischen Gesellschaft nähergebracht werden. Deshalb wollen wir den Bereich WiPo in der Schule stärken und sicherstellen, dass Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe I ab Klasse 7 in diesem Fach Unterricht bekommen. Außerdem wollen wir die Kontingenzstundentafel auf den Prüfstand stellen und anpassen, um den Schulen mehr Freiräume bei der Umsetzung innovativer Konzepte zu geben und Bereiche wie informatische Bildung, WiPo, Bildung für nachhaltige Entwicklung und Verbraucherinnen- und Verbraucherbildung zu stärken. Darüber hinaus möchte ich an dieser Stelle auch noch dem Landesbeauftragten für politische Bildung ausdrücklich für seine Arbeit danken. Durch vielfältige Formate können wir die Qualität der politischen Bildung in und außerhalb der Schule maßgeblich verbessern und werden diese Arbeit durch zusätzliche finanzielle Mittel weiterhin unterstützen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Rasmus Vöge [CDU]) Bevor ich zum Schluss komme: Ich bin der Überzeugung, dass wir eine gesellschaftliche und pädagogische Debatte darüber brauchen, welche und inwiefern Fächer im 21. Jahrhundert noch den allgemeinen Bildungszielen der Schule entsprechen. Wir haben viele Ideen und fügen immer neue Fächer hinzu. Jedoch sind wir uns alle bewusst, dass die Realität nicht in Fächern funktioniert und zudem die Herausforderung des 21. Jahrhundert vermehrt fächerübergreifende und verknüpfende Kompetenzen erfordert. Darüber und über die Frage, wie wir Lehrkräfte mit all ihren Zusatzaufgaben entlasten können, sodass sie sich wieder ihren Kernaufgaben wie Unterricht widmen können, müssen wir eine Diskussion führen. Heute aber stärken wir erst einmal dort, wo es angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung so dringend notwendig ist, denn Zusammenleben muss gestaltet werden, und auch das muss man lernen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und Dr. Heiner Garg [FDP]) Sitzung (neu) – Mittwoch, 14. Juni 2023 2149

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