Karin Prien
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir haben im vergangenen September hier im Landtag unsere zahlreichen Aktivitäten im Rahmen der Schwimmlern-Offensive vorstellen dürfen. Ich freue mich darauf, liebe Frau Krämer, dass Sie uns in regelmäßigen Abständen die Gelegenheit dazu geben, die ich auch heute wahrnehmen will, um zu berichten, was sich seit dem vergangenen September bewegt hat. Klar ist: Es muss sich etwas bewegen: Darüber besteht doch in diesem Haus Einvernehmen. (Beifall Annabell Krämer [FDP]) Tun Sie doch bitte nicht so, als wären Sie die Einzige, der es um das Schwimmenlernen in unserem Land ginge. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Annabell Krämer [FDP]: Handeln Sie doch endlich!) Ich will an dieser Stelle zuerst der Kollegin Sütterlin-Waack ganz herzlich für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit danken. Wir sind gemeinsam auf einem Weg, übrigens gemeinsam zwischen den Ministerien der Landesregierung und gemeinsam mit unseren engagierten Partnerinnen und Partnern vor Ort, mit den Organisationen und den Eltern, weil es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, Kindern in unserem Land das Schwimmen beizubringen. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt SPD) Ich werde diese Debatte deshalb gerne nutzen, einmal einzuordnen, wo wir heute stehen: Es ist offensichtlich, dass die Schwimmbadschließungen in der 2060 Schleswig-Holsteinischer (Ministerin Karin Prien) Pandemie weitere Auswirkungen auf die Schwimmfähigkeiten der Kinder hatten. Wir haben darauf gedrungen, die Schwimmbäder möglichst frühzeitig wieder für den schulischen Schwimmunterricht zu öffnen. Dennoch gab und gibt es weiter nach zwei Jahren Pandemie großen Nachholbedarf. Die durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ausgelöste Energiekrise hat die Situation weiter verschärft, da erneut Schwimmbäder geschlossen werden mussten. Mit den 4 Millionen Euro Energiekostenzuschuss leistet das Land einen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Schulschwimmunterrichts auch angesichts steigender Energiekosten. Bisher wurden 2,15 Millionen Euro beantragt und 1,94 Millionen Euro davon bereits bewilligt. Anträge können weiter gestellt werden, die Antragsfrist läuft bis zum 30. Juni 2023. Des Weiteren haben wir die Schulen darauf hingewiesen, dass die Schülerinnen und Schüler auch über den 6. Jahrgang hinweg entgegen der bisherigen Praxis Schwimmunterricht erhalten sollten, damit wir hier nachholen, was verpasst worden ist. Dennoch stimmen wir überein – ich darf es nochmal betonen –: Es gibt weiteren Handlungsbedarf. Um Schwimmfähigkeit für alle Schülerinnen und Schüler zu erreichen, gibt es die gemeinsame Verantwortung. Guter, verbindlich stattfindender schulischer Schwimmunterricht ist unabdingbar. Dafür stehen in unserem Land die Grundschulen mit ihren gut ausgebildeten Lehrkräften und denjenigen, die in großer Zahl die Fortbildungsangebote nutzen. Jetzt mal ehrlich, Herr Habersaat: Wie anders als über die Schulaufsicht wollen Sie die Einhaltung von Fachanforderungen denn überprüfen? Wer sonst soll es denn bitte machen in unserem Land? Es ist doch völlig richtig, dass die Schulaufsicht hier tätig wird. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf Martin Habersaat [SPD]) Aber selbstverständlich brauchen wir auch die Angebote weiterer Partner. Dazu zählen vor allem die Schwimmkurse der Ortsgruppen der DLRG, der Kreisverbände des DRK mit der Wasserwacht und der zahlreichen schwimmsporttreibenden Vereine im schleswig-holsteinischen Schwimmverband. Sie alle arbeiten überwiegend ehrenamtlich. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle – das hätte ich mir auch von anderen in diesem Hause gewünscht – im Namen der Landesregierung herzlich bedanken. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir wissen die herausragenden Leistungen unserer ehrenamtlich Engagierten sehr zu schätzen. Meine Damen und Herren, ich bleibe dabei: Es gibt auch eine Mitverantwortung aller Eltern bei der Umsetzung von Bewegungsforderungen. Diese zu übernehmen und umzusetzen, wird beim Schwimmenlernen ebenso wie beim Erlernen des Radfahrens dringend benötigt. Die Rahmenbedingungen sind herausfordernd. Ja, es fehlen an manchen Orten Tiefwasserschwimmstätten und an einigen Orten auch Niedrigwasserbecken, die Absicherung der Fahrwege: Das ist nicht überall in Schleswig-Holstein in gleichem Maße vorhanden. Daran müssen wir gemeinsam mit den Kommunen, die hier in der Pflicht sind, arbeiten. (Beate Raudies [SPD]: Genau!) Mit der Schwimmlern-Offensive nehmen wir diese gemeinsame Verantwortung wahr. Allein für das laufende Haushaltsjahr hat das Sportministerium den schwimmsporttreibenden Organisationen insgesamt 336.000 Euro für die Durchführung zusätzlicher Schwimmkurse und für die Aus- und Fortbildung von Übungsleiterinnen und -leitern in der Schwimmausbildung zur Verfügung gestellt. Wir erhöhen die Verbindlichkeit. Das haben Sie doch zu Recht eingefordert. Das IQSH stellt Weiterqualifizierungsangebote in ausreichendem Umfang und in erforderlicher fachlicher Qualität zur Verfügung. Schulleitungen halten die Lehrkräfte an, diese auch zu nutzen. (Beifall CDU und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Wir werden die über ein Monitoring identifizierten Schulen ohne Schwimmunterricht direkt über die Schulaufsicht und Kreissportbeauftragten unterstützen. Damit stellen wir eine engere Begleitung bei der schulseitigen Implementierung neuer Ansätze und Organisationstrukturen her. Eine Datenabfrage der Kreise durch die Schulaufsicht zur Umsetzung der Fachanforderungen Sport unterstützt den weiteren Entwicklungsprozess. Die Schulaufsicht vor Ort wird für eine engere Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Schulen und auch verschiedenen Schularten sorgen, um eine effektivere Zeit- und Personaleinsatz zu erreichen. Auch der Ganztag wird hier zunehmend eine Rolle spielen. Ziel ist es, die Möglichkeiten eines differenzierenden Unterrichts verstärkt zu nutzen und sich schul- und schulartübergreifend zu einer mög- (Ministerin Karin Prien) lichst optimierten Ausnutzung von freien Kapazitäten der Schwimmstätten abzustimmen. Das ist genau der richtige Weg. Wir müssen die vorhandenen Ressourcen besser nutzen. Die bereits etablierten Runden Tische werden fortgeführt. Wir werden ihre Zusammenarbeit intensivieren. Wir wollen uns mit allen relevanten Akteuren regelmäßig zu weiteren Handlungsoptionen und anzustoßenden Prozessen austauschen, Kooperationen mit externen Partnern wie den Aufbau eines externen mobilen Trainerpools zur Unterstützung einzelner Grundschulstandorte oder auch den Erhalt und Ausbau von Schwimmsportstätten oder die Finanzierung von Fahrtwegen. Weitere Themen sind die Zusammenarbeit von Schulen und Vereinen, um die einmal erworbene Schwimmfähigkeit zu erhalten und weiterzuentwickeln, etwa – ich erwähnte es – im Rahmen des Ganztags, aber auch im Rahmen von Projektwochen oder außerschulischen Ferienangeboten. Meine Damen und Herren, ich kann Ihnen versichern: Die Landesregierung wird das Thema schwimmen lernen weiterhin auf allen Ebenen verfolgen. Der vor der Pandemie bereits begonnene Prozess der engen Begleitung durch die Fachaufsicht wird fortgeführt und über ein Monitoring der Schulaufsicht beziehungsweise der Schulämter in den Kreisen ergänzt und dadurch noch einmal intensiviert. Zudem wird die koordinierte Zusammenarbeit der Schulen mit den Partnern in den Kreisen weiter befördert und unterstützt. Eine Änderung unserer Vorgaben für die Schulen bedarf es hierzu nicht. Dazu ist hier schon umfassend vorgetragen worden, das erspare ich Ihnen jetzt. Meine Damen und Herren, viel wichtiger ist es, dass jetzt alle Verantwortlichen wirklich mithelfen, die Bedingungen für sicheres Schwimmenlernen umzusetzen. Das betrifft das Land, die Kommunen, die Schulen und die Eltern. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
