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Martin Habersaat

SPD 12.05.2023 Sitzungen 20/27

Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Damen und Herren! Der Turn- und Sportbund Flensburg hat in den letzten Jahren bis zu 500 Kinder auf der Warteliste, die gern schwimmen lernen wollten. Beim TSB hat man angefangen, Kurse in den Ferien anzubieten, hat angefangen, parallele Kurse anzubieten, hat angefangen, alles rauszuholen, was das Campusbad hergibt. Trotzdem sind Hunderte von Kindern unversorgt. Schaut man sich das auf das Land betrachtet an, stellt man fest, es sind Tausende Familien, die mit besorgtem Auge auf den Sommer schauen, wo ihre Kinder baden gehen, aber noch nicht so sicher schwimmen können, wie die Eltern das mit Sicherheit gern hätten. Deswegen ist es schon wichtig, dass das Land mit seinen Möglichkeiten alles tut, um die Schwimmförderung zu stärken. Herr Balasus, ich war ein bisschen überrascht, dass Sie es ablehnen, dass die Kitas schon mit Wassergewöhnung anfangen. Ich finde das ganz wichtig. Ich war erfreut zu hören, dass Ihr grüner Koalitionspartner das auch wichtig findet und das Sozialministerium daran arbeitet. Ich hoffe, Sie stoppen das nicht mit Ihrem CDU-Votum, sondern finden das am Ende auch gut. Die Schulen müssen natürlich auch Schwimmen unterrichten. Man kann sich momentan leider nicht zu 100 Prozent darauf verlassen, dass das passiert. Die Zahl der Grundschulkinder, die nicht schwimmen können, hat sich deutschlandweit seit 2017 verdoppelt. 2017 haben laut einer Forsa-Umfrage zehn Prozent der Eltern gesagt, ihr Grundschulkind könne nicht schwimmen, 2020 waren es 20 Prozent. (Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dazwischen lag eine Pandemie!) – Dazwischen lag eine Pandemie. Trotzdem sind 20 Prozent eine Zahl, die man nicht achselzuckend hinnehmen kann, sondern die einen besonders zum Handeln motiviert. Da sind wir uns wohl einig. Rund 20 Prozent, das ist ungefähr auch die Größenordnung, in der Grundschulen in Schleswig-Holstein bei der letzten Abfrage kein Schwimmen unterrichtet wurde, genau genommen hatten 18 Prozent der Schulen eine Aussage verweigert, ob Schwimmunterricht stattfindet, und 13 Prozent haben gesagt, es finde kein Schwimmunterricht statt. Die Gründe dafür waren fehlende Wasserflächen, zu aufwendige Logistik, um zum nächsten Schwimmbad zu kommen, oder fehlende Fachkräfte. Das wollte das Bildungsministerium eigentlich jährlich erheben und jährlich nachgucken, wie sich diese Zahl der Schulen, in denen Schwimmunterricht nicht so stattfindet, wie es soll, entwickelt. Das ist seit 2019 bedauerlicherweise wegen Corona nicht passiert. Dieses Jahr soll es erstmals wieder passieren. Wir sind gespannt und hoffen darauf, dass es deutlich besser geworden ist. Schwimmbadbetreiber berichten uns davon, dass Schulen sie um Unterstützung bitten, weil ihnen das Personal fehlt, um den Kindern schwimmen beizubringen. Auch der TSB in Flensburg hat mit der Franziska-van-Almsick-Stiftung zusammen ein Projekt gestartet, Trainer angestellt und sie den Schulen angeboten. Der TSB schreibt, die Bedarfsabfrage war überwältigend, aber auch erschreckend. Das zeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist. (Martin Habersaat) In der schriftlichen Anhörung, die am Ende doch stattgefunden hat, gab es einige Rückmeldungen, die erschreckend waren und die im Ton so waren, Herr Balasus, dass sich Ihre Selbstsicherheit, mit der Sie hier vorgetragen haben, was Sie tun, jedenfalls nicht aus den Ergebnissen der schriftlichen Anhörung erklären dürfte. Die kommunalen Landesverbände attestieren Ihnen einen dringenden Handlungsbedarf. Selbst die Philologen, die in der Regel alles loben, was die CDU tut, schrieben: wenig konkret, kaum zielführend – nicht etwa zum FDP-Antrag, sondern zu Ihrem Antrag, Herr Balasus. (Beifall Annabell Krämer [FDP]) Nun hatten Sie Ihren Antrag unter dem Eindruck der Anhörung erweitert und drei Sofortmaßnahmen hinzugefügt. Diese Sofortmaßnahmen empfehle ich Freunden des parlamentarischen Handelns zur Lektüre. Was wird denn da als Sofortmaßnahme festgeschrieben? Erstens: Die Schulaufsicht soll die Schulen unterstützen. – Das steht im Schulgesetz. (Annabell Krämer [FDP]: Genau!) Zweitens: Der Runde Tisch Schwimmen wird fortgesetzt. – Die Sofortmaßnahme ist also die Nichtabschaffung eines Runden Tisches. (Beifall SPD und FDP – Annabell Krämer [FDP]: Bravo!) Drittens: Sie wollen einmal nachgucken, ob die Fachanforderungen in den Schulen eingehalten werden. – Na ja. Echte Sofortmaßnahmen haben wir Ihnen vorgelegt. Wir freuen uns, wenn einige davon stattfinden. Die Schwimmfähigkeit zu attestieren, ist von den Anzuhörenden mehrheitlich positiv beurteilt worden. – Ich weiß gar nicht, woher Ihr innerer Widerstand kommt. Vereinbarungen mit den Schulen, wo kein Schwimmen stattfindet – ich hoffe, das findet statt. Das kann Ergebnisse der Gespräche sein, die momentan erfolgen. Regionale Runde Tische da, wo es die Probleme gibt, gibt es bisher nicht, kündigen Sie heute an. – Okay, dann haben der Antrag und das ganze Verfahren etwas gebracht. Das sage ich auch zum Wasserflächen-Verzeichnis. Die wichtigste Maßnahme nach der Erstellung des Wasserflächen-Verzeichnisses ist doch, die Lücken – wenn man weiß, wo sie sind – zu schließen. Natürlich müssen dann Schwimmhallen gebaut werden. Wer anderes als eine Zweidrittel-GroKo in einem Landtag sollte das auf den Weg bringen, Herr Krüger? (Beifall SPD und FDP)

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