Annabell Krämer
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erneut reden wir heute über das Thema Schwimmunterricht. (Christopher Vogt [FDP]: Sehr gut!) Nachdem die grüne GroKo zunächst eine Beratung im Fachausschuss abgelehnt hat, hat nun doch eine umfangreiche Anhörung stattgefunden, die unsere Forderungen umfänglich bestätigt hat (Beifall FDP – Christopher Vogt [FDP]: So ist es!) und dem Bildungsministerium zum Status quo des Schwimmunterrichts in Schulen eine „Sechs – setzen!“ ins Stammbuch geschrieben hat. Fast 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben noch am Ende der sechsten Klasse keine ausreichende Schwimmfähigkeit. Was möchte die Koalition nun unternehmen, um diesen desolaten Zustand zu ändern? – Sie bittet die Landesregierung, „sich auch zukünftig dafür einzusetzen, dass jedes Kind bis zum Ende seiner Grundschulzeit die Möglichkeit erhält, schwimmen zu lernen.“ Sie bittet darum, die „Weiterqualifizierungsbemühungen“ von Lehrkräften und „den Dialogprozess mit allen am Schwimmunterricht … beteiligten Organisationen und Verbänden … fortzusetzen, um auf dieser Grundlage bestehende Schwimmangebote im Land weiterzuentwickeln.“ (Christopher Vogt [FDP]: Deshalb sollte es auch keine Anhörung geben!) Liebe Koalition, das kann doch nicht ihr Ernst sein, dass Sie den jetzigen Zustand lediglich manifestieren wollen und das Ministerium für den erreichten Status quo abfeiern? Sie haben es immer noch nicht begriffen, wollen es einfach nicht begreifen. (Zuruf Oliver Kumbartzky [FDP]) Die Eltern suchen händeringend nach Möglichkeiten, ihr Kind schwimmfähig zu bekommen. Die Bedarfe sind riesig, und bei privaten Schwimmkursen gibt es lange Wartelisten und viele Absagen. Will man es hier einfach nicht begreifen, oder wie ist das? – Schwimmfähigkeit rettet Leben! (Beifall FDP, SPD und SSW) Die Schulen sind hier ein zentraler Akteur. Aber, anstatt dass sich die Landesregierung klar dazu bekennt und endlich entsprechend handelt, ruft sie den Eltern zu, dass die Schulen dafür am Ende nicht zuständig seien und verlagert das Problem an externe Organisationen; Ehrenamt und kommerzielle Anbieter werden es schon irgendwie richten. – Nein, die Schulen sind hier der erste richtige Ansprechpartner. Liebe GroKo – ich nehme das natürlich zurück und sage: grüne GroKo –, auch wenn Sie es anscheinend nicht akzeptieren wollen: Das Erlernen der Schwimmfähigkeit ist Bestandteil der Fachanforderungen des Sportunterrichts. Diese Fachanforderungen setzt das Bildungsministerium in SchleswigHolstein nicht in erforderlichem Maße um. Wir fordern, dass die Fachanforderungen beim Schwimmen endlich verbindlich umgesetzt werden und echte Schwimmfähigkeit in den Schulen vermittelt wird. Der Schwimmunterricht in den Schulen muss so organisiert sein, dass wirklich 100 Prozent aller Schülerinnen und Schüler zumindest die Chance erhalten, als sichere Schüler (Annabell Krämer) (Zuruf CDU: Schwimmer!) von den Schulen zu gehen und das dauerhaft. Wir fordern die Landesregierung somit auf, sich hier stärker als bisher bei der Finanzierung einzubringen, die Rahmenbedingungen zu verbessern und die Erteilung des Schwimmunterrichtes endlich verlässlich zu überprüfen. Die erforderlichen Maßnahmen haben wir Ihnen deutlich aufgezeigt, werte Frau Ministerin. Ich erinnere die Landesregierung erneut daran, dass sämtliche in Schleswig-Holstein ausgebildeten Sportlehrer grundsätzlich schwimmlehrbefähigt sind. Sofern Schwimmstätten nicht in vertretbarer Umgebung erreichbar sind, sollte zumindest Blockunterricht im Rahmen von Projektwochen oder Klassenreisen gegeben werden. Eine Erstattung der Reisekosten könnte anteilig oder umfänglich vom Land erfolgen. Insofern ist eine verpflichtende Umsetzung des Schwimmunterrichts an den Grundschulen und eine Überprüfung zur Sicherstellung der erfolgreichen Erlangung der Schwimmfähigkeit ab dem Schuljahr 2023/24 – das ist unsere Kernforderung – überfällig, damit wir endlich ein klares Bild bekommen. Damit der vorgesehene Schwimmunterricht endlich verlässlich umgesetzt und seiner Relevanz gerecht wird, soll der Sachstand der Schwimmfähigkeit somit im Übergangszeugnis zur weiterführenden Schule vermerkt werden. Ferner sollen natürlich auch die Kooperationen der Schulen untereinander und mit Vereinen und Verbänden gefördert werden. Es sollte eine Fort- und Weiterbildungsoffensive geben, die es weiteren Lehrkräften vor Ort ermöglicht, sich zu einer qualifizierten Schwimmlehrkraft ausbilden zu lassen. Auch wenn Sie heute mit Ihrem „Wir machen so weiter wie bisher, und machen alles ganz toll, und in Schleswig-Holstein gibt es keine Defizite“ weitermachen, sage ich Ihnen in aller Deutlichkeit: Ich werde Sie mit diesem Thema weiter quälen. Ich werde Sie Jahr für Jahr mit diesem Thema weiter quälen, bis sich in Schleswig-Holstein endlich etwas tut, bis im Land zwischen den Meeren endlich jedes Kind die Chance erhält, das Schwimmen zu erlernen. Dass Sie sich da null bewegen, trotz dieser vernichtenden – wirklich vernichtenden – Anhörung! Dass Sie dann mit so einem Pillepalle-Antrag kommen und sagen: „Alles ist toll wie es ist; wir bitten die Landesregierung, so fortzufahren“! – Wirklich, ganz ehrlich, und dann nennen Sie sich Sportland Schleswig-Holstein? – Das ist eine Schande. – Besten Dank. (Beifall FDP, SSW und Martin Habersaat [SPD])
