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Sophia Schiebe

SPD 12.05.2023 Sitzungen 20/27

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich muss Ihnen heute ein Geständnis machen. (Zuruf: Oha! Hört, hört!) Dieser Landtag ist nur der zweitschönste Landtag. Unsere Kolleginnen und Kollegen können im wunderschönen Schweriner Schloss tagen. Das Schloss war in jüngster Geschichte jedoch nicht immer ein politischer Ort. Nach der Auflösung der Länder in der DDR im August 1952 wurde der Landtag im Schloss geschlossen, und auch die anderen dort untergebrachten Behörden zogen aus. In Rekordzeit wurden vom Keller bis zum Dachgeschoss Doppelstockbetten und Schulbänke aufgestellt. 275 angehende Erzieherinnen sollten von nun an dort auf ihren Beruf vorbereitet werden. Eine von ihnen hieß Elke Schiebe – meine Oma. Eigentlich wollte sie Grundschullehrerin werden, doch dafür gab es nicht ausreichend Plätze. Klar war: Sie wollte mit Kindern arbeiten. Sie selber hatte eine wunderschöne Kindheit mit vielen Freiheiten. Das wollte sie weitergeben. Auch ihre Grundschullehrkräfte haben sie geprägt. Sie waren ihre Vorbilder. Unsere Erzieherinnen und Erzieher sind Vorbilder für unsere Kinder. Sie machen ihre Arbeit mit unheimlich viel Herz. Doch unsere pädagogischen Fachkräfte sind ausgebrannt. Fehlende Kolleginnen und Kollegen führen zu Gruppenschließungen, Überforderung und noch mehr Krankheitsausfällen. Wir brauchen endlich eine ganzheitliche Strategie zur Fachkräftegewinnung. (Beifall SPD, Jasper Balke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Christian Dirschauer [SSW]) Zwei Jahre dauerte ihre Fachausbildung zur Kindergärtnerin – so hieß es damals. Es war eine richtig gute Ausbildung, so meine Oma. Alles war auf die Kinder ausgerichtet und stark am Alltag der Erzieherinnen orientiert. Ein Tag in der Woche war Praxistag. Dort musste das Erlernte angewandt werden, und es wurden Lehrproben durchgeführt. Von der guten Ausbildung habe sie ihr ganzes Berufsleben profitiert. Wir sind in der Verantwortung, unseren angehenden Erziehern und Erzieherinnen eine gute und wohnortnahe Ausbildung zu ermöglichen. Dass beispielsweise in Heide und Husum jetzt PiA-Klassen abgesagt werden mussten und angehende Erzieherinnen und Erzieher in diesem Sommer nicht ihre Ausbildung starten können, zeigt jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist. „Alle Fachschülerinnen haben vom Staat ein Stipendium erhalten. Die Unterkunfts- und Verpflegungskosten wurden vorab abgezogen, der Rest ausgezahlt. Ohne das Stipendium hätten wir alle das nicht machen können, unsere Eltern hatten ja kein Geld“ – so meine Oma. 60 Jahre nach dem Beginn der Ausbildung meiner Oma sind wir der damaligen Zeit nicht voraus, sondern hinken zwei bis drei Schritte hinterher. Das BAföG ist nicht allen bekannt, oder die Auszubildenden haben keinen Anspruch darauf. Die Ausbildung wird weiterhin nicht vergütet. Ob man so junge Menschen für die Ausbildung begeistern kann, ist fraglich. Nach der Ausbildung ging es dann direkt in die Praxis. Für sie hieß die erste Station Rossow, ein kleiner Ort in Vorpommern. Dort sammelte sie nicht nur erste Erfahrungen in ihrem Berufsleben, sondern lernte ihre große Liebe kennen, meinen Opa Wolfgang. (Zuruf Serpil Midyatli [SPD]) Besonders gefallen hat ihr an ihrer Arbeit das Zusammensein mit den Kindern. Eine enge Bindung zu ihnen und zu den Eltern aufzubauen, war ihr besonders wichtig. Ohne diese Bindung gelinge es nicht, die Kinder auf ihren Weg vorzubereiten und sie Teil der Gesellschaft werden zu lassen. (Beifall SPD) Das Beste aber an der Arbeit, so meine Oma, war das morgendliche Ankommen der Kinder. In keinem anderen Beruf wird man so herzlich begrüßt wie im Kindergarten. Durch die jahrelange berufliche Erfahrung weiß meine Oma genau, dass Kitas für die Entwicklung der Kinder sehr bedeutsam sind. Hier lernen Kinder andere Kinder kennen, und sie lernen, wie sie miteinander interagieren. Vor allem das Mittagessen trägt dazu bei. Die Kinder lernen, wie man isst, was gesundes Essen ist und dass es einfach ein unheimlich schönes Gefühl ist, zusammen zu essen. Es ist schade, dass in Schleswig-Holstein aktuell immer mehr Kinder vom Mittagessen abgemeldet werden, weil die Eltern es sich schlicht und ergreifend nicht mehr leis- (Sophia Schiebe) ten können oder weil die Kinder aufgrund der Kitagebühren erst gar nicht in der Kita ankommen. Den heutigen Erzieherinnen und Erziehern möchte meine Oma mitgeben, dass es wichtig sei, dass man sich in die Kinder hineinversetzen kann und stets das Gute in ihnen sieht. Damit die Erzieherinnen und Erzieher das berücksichtigen können, brauchen sie aber ausreichend Zeit. Eine Erhöhung der Vorund Nachbereitungszeit wäre daher ein wichtiger Schritt. Auch wenn meine kleinen Cousinen etwas enttäuscht waren, dass meine Oma als Bewohnerin eines Schlosses keine Königin geworden ist: Ich bin stolz darauf, Enkeltochter einer Erzieherin zu sein. Erzieher und Erzieherinnen haben einen einschneidenden Einfluss darauf, wie wir uns entwickeln. Dies sollten wir endlich wertschätzen. Eine vergütete Ausbildung und bessere Rahmenbedingungen sind das Mindeste, was wir tun können. (Beifall SPD, FDP und SSW) Ihr Gesetzentwurf erfüllt dies jedoch mitnichten. Anderes, als ihn abzulehnen, bleibt uns daher nicht übrig. (Beifall SPD, FDP und SSW)

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