Martin Habersaat
Erstes westdeutsches Flächenland mit „S“, und diesen Erfolg macht Ihnen auch niemand klein. Ich bin noch bei den Klassenfahrten. Wir hatten gerade wieder Presseartikel über das Thema Flugreisen: über 500 Euro, teilweise werden 600 bis 700 Euro für eine Klassenfahrt aufgerufen. Die Schwierigkeit an der Diskussion vor Ort ist: Natürlich wird es an den Schulen vor Ort diskutiert und festgelegt. Aber in welcher Situation sind denn die Eltern, die sagen, wir finden das mit dem Amalfi-Austausch für 600 Euro schwierig, können wir das nicht anders machen? Dann (Malte Krüger) sitzen sie einer Elternschaft gegenüber, die möglicherweise als Kind selber schon bei diesem Amalfi-Austausch dabei war. Das sind möglicherweise Rechtsanwälte, Ärzte, Abgeordnete, und für die ist das kein Problem. Dann sind sie erstens zahlenmäßig in der Minderheit, müssen zweitens für eine Veränderung des Status quo kämpfen und sich drittens relativ weit entblößen, was ihre finanziellen Möglichkeiten angeht. Diese Situation erspart man Menschen am besten ordnungsrechtlich. Was wir im Bundestag machen können, das können wir beide mal miteinander besprechen, wenn wir beide im Bundestag sitzen und da mitstimmen dürfen. (Vereinzelter Beifall SSW – Heiterkeit) – Erst mal halte ich fest, dass Sie das PerspektivSchul-Programm gelobt haben. Das ist ja schön, dass ich Ihnen das noch entlocken durfte. Zu Ihrer Frage oder vielmehr Aussage: Ich glaube, wir sind uns darin einig, dass es an einigen Schulen dieses Problem gibt, dass es dort einfach zu hohe Kosten für Ausflüge und Klassenfahrten gibt. Aber bei der Lösung sind wir uns nicht einig. Denn auch jetzt haben die Eltern die Möglichkeit, den Lehrkräften oder der Schulleitung mitzugeben, dass aus ihrer Sicht die Kosten für eine Fahrt zu hoch sind. Ich teile auch Ihre Einschätzung nicht, denn ich glaube, es gibt viele Schulen, die diese Diskussion noch nicht so führen, wie ich sie an meiner Schule erlebt habe, wo solche Aspekte sehr offen diskutiert worden sind. Das findet nicht an allen Schulen statt. Das PerspektivSchul-Programm wollen wir über 2024 hinaus fortführen, denn wir können von den Herausforderungen und Lösungsideen, die uns dort beschrieben werden, noch viel lernen. Bisher sind 62 Schulen an dem Projekt beteiligt und verfolgen gemeinsam das Ziel, trotz schwierigen sozialen Umfelds ihren Schülerinnen und Schülern die gleichen Perspektiven zu geben wie an anderen Schulen. Eine dieser PerspektivSchulen im Kreis Herzogtum Lauenburg durfte ich mit ihrer Arbeit vor Kurzem erleben. Ich habe dort unglaublich engagierte Lehrkräfte und eine sehr aktive Schulleitung erlebt, habe aber auch viel von den Herausforderungen vor Ort mitbekommen. Trotz einer tollen Atmosphäre fällt es dort schwer, neue Lehrkräfte zu gewinnen. Das liegt auch daran, dass die Schule nach wie vor als Problemschule stigmatisiert wird; und mit dem Lehrkräftemangel fällt es dann noch schwerer, dem sehr hohen Förderbedarf der Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden. Meine Redezeit ist leider überschritten. Ich würde mich freuen, wenn wir das PerspektivSchul-Programm weiter fördern. – Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)
