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Thomas Losse-Müller

SPD 10.05.2023 Sitzungen 20/25

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt zwei fast schon brutal harte, ehrliche Gradmesser dafür, wie ernst wir es mit dem sozialen Zusammenhalt meinen. (Thomas Losse-Müller) Die erste Zahl: 11.000 Menschen in Schleswig-Holstein haben keine eigene Wohnung. 11.000 Menschen sind wohnungslos oder gar obdachlos, haben also überhaupt kein Dach über dem Kopf. 11.000 Menschen – das sind so viele Menschen, wie in Niebüll wohnen. Die zweite Zahl: Wir hatten einmal über 200.000 Sozialwohnungen in Schleswig-Holstein, und die brauchten wir auch. (Zuruf CDU) Heute sind es nur noch 45.000, und es werden jedes Jahr weniger. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir leben da, wo andere Urlaub machen. Wir sind das nette Land mit den glücklichen Menschen zwischen den Meeren, der echte Norden: gelbe Rapsfelder, blauer Himmel, frische Luft. Hier kann man gut leben und wohnen, aber wir müssen uns klarmachen, dass es da eine ganz andere harte und bittere Kehrseite unseres Heimatlandes gibt. Auch für diese Seite tragen Sie als Regierung die Verantwortung. (Beifall SPD) Wir müssten eine ganze neue kleine Stadt von der Größe Niebülls bauen, um jeden in diesem Land ein Dach über dem Kopf zu geben. Wir müssten zweimal Neumünster oder Norderstedt nur mit Sozialwohnungen bauen, um wieder ausreichend günstigen Wohnraum zu haben. Schon jetzt ist klar: Die Lage wird schlimmer werden. Die Landesregierung hat gerade selber festgestellt – Anfang dieses Jahres –, dass es in Schleswig-Holstein 67 Wohnungsmärkte mit angespannter Wohnlage gibt. Dazu zählen unsere großen Städte Kiel, Lübeck, Norderstedt, so ziemlich alle Städte im Hamburger Rand und die Küstenorte und Inseln. Wenn man einmal zusammenzählt, stellt man fest, schon heute lebt jede dritte Schleswig-Holsteinerin, jeder dritte Schleswig-Holsteiner in einer Stadt mit angespannter Wohnlage. Wer heute eine Mietwohnung baut, muss mehr als 16 Euro Miete pro Quadratmeter nehmen, um die Baukosten wieder reinzuholen. Eine normale Dreizimmerwohnung mit 85 Quadratmeter kostet dann knapp 1.400 Euro Miete kalt. Auch die Mitte der Gesellschaft kann sich das nicht mehr leisten. Eine dreiköpfige Familie – Mutter, Vater, Kind – mit guten Jobs und einem Pinneberger Durchschnittseinkommen von 2.500 Euro muss dafür mehr als die Hälfte ihres Einkommens zahlen. Deshalb baut die Wohnungswirtschaft auch keine neuen Wohnungen mehr, weil die genau wissen, dass sie die zu diesen Preisen nicht mehr loswerden. Steigende Zinsen, steigende Baukosten – Familien geben ihre Baugrundstücke, gerade bei uns auf dem Dorf und in den Dörfern um uns herum, zurück, weil sie sich ihr Eigenheim nicht mehr leisten können. (Zuruf CDU: Und das Heizen auch nicht! –

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