Martin Balasus
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nie wieder Hausaufgaben! Jetzt müssen sie nicht einmal mehr abgeschrieben werden, das macht doch KI für uns. – So fällt vielleicht die ein oder andere spontane Schülerreaktion auf den Bot ChatGPT aus. Dieser freudigen Reaktion stehen natürlich viele kritische Reaktionen gegenüber. Neues wird ja häufig – oder allzu häufig – etwas kritisch beäugt: der böse Taschenrechner – von dem haben wir schon gehört –, das unseriöse Wikipedia oder Tablets zum Surfen im Unterricht – da hört doch keiner mehr zu. Liebe Kolleginnen und Kollegen, natürlich muss man sich die Frage stellen, wie KI das schulische Lernen verändern wird. Aber lassen Sie uns das doch bitte im positiven Sinne tun. Fortschritt ist immer etwas Gutes, wenn er wissenschaftlich und im Kontext von Schule auch pädagogisch begleitet wird. Fortschritt bringt eine Vielzahl von Chancen mit sich und lässt sich nie aufhalten. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Schule war schon immer ein lernendes System. Gerade Corona hat uns gezeigt, wie sinnvoll ein gewisser Grad an Digitalisierung in Schule ist. Schon bald wird der Umgang mit KI-Systemen wie ChatGPT ganz normal sein. Dazu werden gerade Lehrerinnen und Lehrer durch Fortbildungsangebote sensibilisiert und fachkompetent gemacht. Es wird natürlich überdacht werden müssen, welche Rolle zu Hause erbrachte Leistungen wie Hausaufgaben spielen, aber da gibt es bestimmt viele Lösungen. Vielleicht ist ein Essay sinnvoll oder ein Text, der mehr auf die Bewertung abzielt; das lässt sich nur schwerlich verfälschen. Ein Beispiel: „Fasse Kapitel 2 zusammen“, war als Aufgabenstellung schon immer wenig ansprechend. Schüler wussten schon immer, wie man Mühen umgehen kann. Eine bessere Aufgabenstellung würde lauten: Welches Kapitel des Buches hat dich besonders berührt und warum? KI könnte auf vielfältigste Weise bei den Hausaufgaben eingesetzt werden, vielleicht bei Recherche, bei Vorbereitung. Warum bindet man vom Chatbot verfasste Texte nicht direkt in den Unterricht ein? So würden Schülerinnen und Schüler zu Gutachterinnen und Gutachtern eines KI-generierten Textes – es wäre bestimmt super spannend, welche Argumente ein Chatbot liefern könnte. Also, keine Sorge, dass Schülerinnen und Schüler aus dem Internet klauen – wir brauchen Vertrauen in unsere Lehrkräfte, denn sie wissen ganz genau, was und vor allem auch wie ein Schüler schreibt. Zumindest wusste ich häufig, ob abgeschrieben wurde. Es ist ja grundsätzlich so, dass die mündliche Leistung gegenüber der schriftlichen überwiegt. (Zuruf Christopher Vogt [FDP]) Elementar ist, dass sich unsere Kinder mit KI auseinandersetzen und kompetent damit umgehen. Oberstes Ziel muss auch weiterhin das selbstständige und das kritische Denken künftiger Generationen sein. Denken Sie nur an den Satz: „Denn es ist zuletzt doch nur der Geist, der jede Technik lebendig macht.“ Das sagte nicht ChatGPT, sondern der gute Goethe. Also: Keine Panik vor KI, wir schaffen das! (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
