Sophia Schiebe
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Kindertageseinrichtungen sind Bildungseinrichtungen, also mehr als bloße Betreuungsmöglichkeiten und die Chance auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier werden die Grundlagen für das spätere Leben gelegt. Kinder sollen in unseren Kitas die Möglichkeit haben, sich zu entdecken, ihre Umwelt zu erkunden, Freundinnen, Freunde zu finden und ihre Stärken herauszufinden. Damit dies gelingt, brauchen unsere Kinder an ihrer Seite professionell ausgebildete Fachkräfte in den Kitas. Wir erhalten aber alle beinahe tagtäglich nach wie vor die Nachrichten, dass Gruppen oder ganze Kitas geschlossen werden, weil das Personal fehlt. Der Personalmangel und die Rahmenbedingungen führen viele Kitas und ihre Fachkräfte an die Belastungsgrenzen. In Fachkreisen kursieren Zahlen, die aussagen, dass unsere Fachkräfte aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen die Kitas nach fünf bis sieben Jahren wieder verlassen und anschließend einen ganz anderen Beruf ausüben. Dies können wir schlichtweg nicht hinnehmen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Doch auch dieses Mal werden die Probleme mit dem Gesetzentwurf mitnichten angepackt. Wir brauchen jetzt dringend eine echte Fachkräfteinitiative; ein Welcome Center reicht hier einfach nicht aus. (Beifall SPD und Christian Dirschauer [SSW]) Die Ausbildung muss endlich vergütet werden, und der Quereinstieg in die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung muss auf eine fundierte Basis gestellt werden – mit ausreichend Lehrkräften und Ausbildungsgängen. Mich erreichen erste Nachrichten, dass aufgrund von fehlenden Lehrkräften PiA-Klassen nicht starten werden, obwohl ausreichend Bewerbungen vorliegen. Auch wenn wir oft darüber gesprochen haben, muss ich eine kleine Anmerkung zu den Helfenden Händen machen. Ich sehe weiterhin kritisch, welches Aufgabenfeld die Helfenden Hände übernehmen sollen – vor allem im Hinblick auf die Bedeutung der Kitas für die spätere Entwicklung unserer Kinder. Nun gut. Worum es mir heute geht, ist die Tatsache, dass in allen anderen Bundesländern – außer natürlich in Schleswig-Holstein –, wo es sogenannte Alltagshelferinnen und Alltagshelfer gibt, diese für alle Kitas zur Verfügung stehen und nicht erst dann zum Tragen kommen, wenn der Fachkraft-Kind-Schlüssel nicht eingehalten wird. Dort wird es also eine wirkliche Entlastung geben. Die vergangenen Tage haben mich nachdenklich gemacht, denn wieder einmal waren Selbstverständlichkeiten eben seitens der Landesregierung doch keine Selbstverständlichkeiten. Dass die Tarifanpassungen übernommen werden, dachte ich, wäre normal. Aber die Aussagen von Schwarz-Grün ließen in den Diskussionen zum Haushalt auf etwas anderes schließen. Langfristig braucht es im KiTaG einen Automatismus, der die tarifliche Steigerung zukünftig sofort im SQKM berücksichtigt. (Beifall SPD und SSW – Beate Raudies [SPD]: Sehr gut!) Viele der Träger können nämlich zukünftig die finanziellen Vorleistungen nicht mehr stemmen, da sie keine Möglichkeit haben, Rücklagen zu bilden. Die Kindertagespflege ist ein wichtiger Bestandteil frühkindlicher Bildung. Die rasant gestiegenen Kosten in vielen Bereichen stellen eine enorme finanzielle Belastung für die Kindertagespflegepersonen dar. Hier bleibt der Gesetzentwurf hinter den notwenigen Anerkennungspauschalen zurück. Es braucht eine reale Erhöhung, damit Kindertagespflegepersonen ihren Beruf nicht verlassen. Den Verlust von weiteren Kindertagespflegepersonen können wir uns angesichts der vielen noch fehlenden Betreuungsplätze nicht leisten. Sprache ermöglicht unseren Kindern, vollumfänglich an der Gesellschaft zu partizipieren. Der Er-1802 Schleswig-Holsteinischer (Sophia Schiebe) werb von sprachlichen Kompetenzen bildet die Grundlage für den späteren Bildungsverlauf unserer Kinder. Das wissen wir. Daher begrüßen wir, dass die Landesregierung das Programm Sprach-Kitas fortsetzt. Ziel war es, sich nahezu an allen Kriterien des Bundesprogramms zu orientieren. Aus diesem Grund freut es mich, dass Schwarz-Grün nach der Sozialausschusssitzung doch zur Einsicht kam, kleineren Kindertageseinrichtungen mit hohem Anteil von Kindern mit besonderem Bedarf an Sprachförderung zu ermöglichen, weiterhin Sprach-Kita zu werden. Die Begrenzung auf mindestens 40 Plätze, wie ursprünglich formuliert, würde die kleinen Einrichtungen strukturell benachteiligen. Das hätte für mehr als 900 Kitas in ganz Schleswig-Holstein große Folgen gehabt. Schön, dass ich Sie im Sozialausschuss überzeugen konnte! Das nächste Mal stimmen Sie vielleicht schon einfach an dieser Stelle zu und verkaufen es nicht als Ihre Idee. (Beifall SPD und SSW – Beate Raudies [SPD]: So ist das!) Diese Forderung war nämlich schon längst bekannt. Die Träger weisen darauf hin, dass das Programm Sprach-Kita nicht vollumfänglich vom Land durchfinanziert ist und durch die jeweiligen Standortkommunen oder durch Eigenmittel des Träger gedeckt werden muss. Dies führt dazu, dass sich viele Kitas nicht bewerben werden. Auch die heute vorgeschlagenen Änderungen greifen wieder einmal zu kurz und lösen die aufkommenden Probleme nicht in Gänze. Wir haben mit mehreren Änderungsanträgen im Sozialausschuss versucht, Lücken zu schließen. Diese fanden bis auf eine Ausnahme allerdings keine Mehrheit. Daher bleibt uns heute nichts anderes übrig, als Ihren Gesetzvorschlag erneut abzulehnen. (Beifall SPD)
