Martin Habersaat
Vielen Dank, Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es lohnt sich, das Thema Klassenleitung von verschiedenen Seiten zu betrachten. Ich finde, Klassenleitungsstunden sind eine gute Idee. Diese entlasten nur die Klassenlehrkräfte nicht, sondern das heißt, da wird eine Stunde zusätzlich im Stundenplan installiert, in der sich die Klasse mit der Klassenlehrkraft trifft. Immerhin haben Sie nicht die Idee, dass diese zusätzlich in das Kontingent der Klassenlehrkraft kommt. Das finde ich schon einmal beruhigend. Herr Krüger, Sie müssen mir noch einmal vorrechnen, wie Sie auf 285 zusätzliche Stellen kommen, die das kostet. Ich komme sogar auf einige mehr, aber da tauschen wir unsere Rechenwege gern aus. Sie haben recht, man muss sich angucken, wie man die Fachkräfte generiert, zum Beispiel, indem wir es schaffen, dass die Lernmittelbibliotheken nicht mehr von Lehrkräften verwaltet werden, die dafür vom Unterricht entlastet werden; zum Beispiel durch Verwaltungskräfte an Schulen, und zwar mehr als fünf, die Sie im Moment bereit sind, für knapp 800 Schulen in Schleswig-Holstein zur Verfügung zu stellen. Das könnte ein Schritt sein. Wenn wir bei der Administration und dem digitalen Lernen die Lehrkräfte entlasten, dann könnte das auch ein Weg sein. Ehrlicherweise müssen Sie zumindest sagen, dass Sie keine Probleme damit haben, wenn wiederholt die zu unterrichtenden Stunden in der Grundschule raufgesetzt werden, was durchaus vernünftig ist; wenn der Informatikunterricht nicht in den bestehenden Stundenkontigenten erfüllt wird, sondern zusätzlich an die Schulen kommt, und wenn eine Oberstufenreform stattfindet, die auch zusätzlichen Lehrkräftebedarf generiert. Das sind alles Punkte, bei denen Sie auch jeweils mehrere hundert Stellen an zusätzlichem Bedarf geschaffen haben. Es geht also offenbar mit zusätzlichen Stellenbedarfen. Lassen Sie uns dann an der Stelle doch auch gucken, wo diese den Lehrerinnen und Lehrern und ihren Arbeitsbedingungen zugutekommen. Ich finde, das Kontingent für Schulleitungen ist für den Einstieg besonders gut geeignet, weil dies so beliebig skalierbar ist. Da können Sie relativ klein anfangen und später steigern. Die Haushaltsberatungen laufen ja noch. Geben Sie sich einen Ruck! Ehrlicherweise müssen Sie einräumen, dass das Kitaessen von uns aus dem Ukrainenotkredit finanziert worden wäre, um Familien wegen der gestiegenen Allgemeinkosten zu entlasten. Das, was wir jetzt diskutieren, betrifft den allgemeinen Haushalt. Wie gesagt, die Haushaltsberatungen laufen noch. Ich nutze die Gelegenheit, noch kurz etwas zu der Unterstützung für die Vertretungslehrkräfte zu sagen. Ja, an vielen Schulen werden sie unterstützt – freiwillig von Lehrkräften, die das zusätzlich zu ihrem normalen Deputat übernehmen, nicht regelhaft. Wir haben in der letzten Legislatur mehrfach beantragt, den Schulen eine regelhafte Unterstützung für diese Kräfte zu geben, angelehnt an die LiA-Unterstützung mit zwei Stunden wöchentlich je nach Fach. Im Koalitionsvertrag haben Sie das immerhin für neue Vertretungslehrkräfte auch vorgesehen. Ich frage mich: Was ist mit den alten? – Aber geschenkt, nur für neue. Wir haben uns das jetzt nicht (Martin Habersaat) mehr getraut, weil wir die zwei Stunden an Fachkräften ja auch irgendwie erwirtschaften müssten. Deshalb haben wir gesagt: Dann schauen wir hier lieber auf die Seniorlehrkräfte. Aber wenn Sie meinen, Sie können an der Stelle so viele Fachkräfte generieren, dann nutzen wir den Schwung auch, um die Klassenlehrkräfte zu entlasten. Herr Balasus, wenn Sie die Arbeitssituation von Lehrkräften hier als Klein-Klein diffamieren, dann sollten Sie sich das noch einmal genau überlegen – in einer Landtagstagung, in der wir über wasserfeste Polizeidienstausweise gesprochen haben. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD)
