Sophia Schiebe
Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich zitiere mit Erlaubnis: „Viele kleine Fische schwimmen heut zu Tische, reichen sich die Flossen, und es wird beschlossen, ab jetzt nicht mehr zu blubbern, stattdessen was zu futtern. Es rufen alle mit: Recht guten Appetit.“ (Heiterkeit und Zurufe) Wir alle kennen von eigenen Kindern und unseren Familien diese wundervollen Mittagssprüche, die aus den Kindertageseinrichtungen mitgebracht werden. Wir wissen, wie wichtig es ist, dass unsere Kinder lernen, wie man sich gesund und gut ernährt, denn eine ausgewogene Ernährung wirkt sich nicht nur wesentlich auf das Wachstum, die Entwicklung und die Leistungsfähigkeit unserer Kinder aus, sondern beeinflusst auch die spätere Gesundheit im Erwachsenenalter. Wie und was unsere Kinder essen, bestimmt deren Wertschätzung für Lebensmittel. Ein attraktives Essen in einer gemeinsam gestalteten Atmosphäre sensibilisiert nicht nur für gesundes, regionales und nachhaltiges Essen, sondern schafft auch Wertschätzung gegenüber den Menschen, die die Le- (Sophia Schiebe) bensmittel erzeugen und zubereiten. Es fördert das Gemeinschaftsgefühl in den Gruppen unserer Kindertageseinrichtungen und trägt zur Stärkung der Selbst- und Sozialkompetenz bei. Auch in den Leitlinien zum Bildungsauftrag in den Kindertagesstätten auf Seite 29 folgende wird die Bedeutung einer gesunden, gemeinsamen Einnahme einer Mahlzeit in unseren Kindertagesstätten in Schleswig-Holstein manifestiert. Wir scheinen uns also alle darüber einig zu sein, wie wichtig die gemeinsame Einnahme einer warmen Mahlzeit für unsere Kinder in den Kindertageseinrichtungen ist. Doch was können wir an einigen Stellen mittlerweile beobachten? Die Krisensituation, in der wir uns befinden, stellt Familien vor große finanzielle Hürden. Durch die steigende Inflation haben wir eine Preissteigerung bei Lebensmitteln in Höhe von 20 Prozent allein vom Jahr 2021 auf das Jahr 2022 erlebt. Dieser Anstieg ist so hoch wie in den letzten sechs Jahren zusammengerechnet. Auch in unseren Kindertageseinrichtungen haben sich die Verpflegungskosten in einigen Orten bereits verdoppelt. Damit haben gerade die einkommensschwachen Familien sehr zu kämpfen. Einige Träger und auch Elternvertretungen haben mir bereits berichtet, dass Kinder vom Mittagessen abgemeldet und deswegen früher abgeholt werden oder ein Brot eingepackt bekommen. Teilhabe aller Kinder in SchleswigHolstein ist damit nicht mehr gegeben, meine lieben Kolleginnen und Kollegen. Als SPD-Fraktion haben wir an mehreren Stellen bereits Anträge gestellt, die unsere Familien in Schleswig-Holstein entlasten sollen. Alle Anträge wurden bislang abgelehnt. Auch im ersten Entwurf des Haushalts lassen sich nur wenige Entlastungen ausmachen. Noch nicht einmal der Konsens, der mit dem Kitagesetz verkündet wurde, die Elternbeiträge immer weiter zu senken, ist hier vorzufinden. Ein echtes Armutszeugnis, liebe schwarz-grüne Landesregierung, vor allem in diesen Zeiten und im Angesicht des plötzlich auftretenden Haushaltsüberschusses. (Beifall SPD und SSW) Doch schenken wir der Finanzministerin Glauben, dass trotzdem kein Geld für reguläre Entlastungen unserer Familien vorzufinden ist, stellt sich die Frage, weshalb wir nicht den bereits beschlossenen Ukraine-Notkredit nutzen, um unseren Familien in Schleswig-Holstein finanziell unter die Arme zu greifen. Genau aus diesem Grunde haben wir ihn doch in diesem Hause beschlossen. Ein Jahr Verpflegungskosten für unsere Kleinen ist da doch das Mindeste. Andernfalls erklären Sie den Bürgerinnen und Bürgern und uns, wo Ihre Prioritäten liegen. Bei den Familien in Schleswig-Holstein anscheinend nicht, wo also dann? Zum Schluss meiner Rede spreche ich noch eine kleine Einladung zu einer gemeinsamen Einnahme einer Mittagsmahlzeit an meine Kollegen Heiner Garg und, wenn wieder gesund, Christian Dirschauer aus. Das soll nicht nur dazu führen, dass wir wie in den Kitas unser Zusammengehörigkeitsgefühl in der Opposition stärken, nein, wir können diese Zeit auch nutzen, um einen gemeinsamen Antrag darüber zu formulieren, was wir alles in der Evaluation des KiTaG geprüft haben wollen; denn von Dingen, von denen ich bislang dachte, dass sie selbstverständlich geprüft würden, wie die Verpflegung in den Kindertagesstätten, kann anscheinend nicht ausgegangen werden, sonst würden die regierungstragenden Fraktionen heute ja nicht extra einen Antrag dazu formulieren. Andernfalls verstehe ich die Intention des Alternativantrages nicht. – Vielen Dank. (Beifall SPD, FDP und SSW)
