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Malte Krüger

GRÜNE 22.02.2023 Sitzungen 20/19

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich merke schon: Die Stimmung ist gut. Das freut mich sehr. Was ist eigentlich ein Treibhausgas? Wo liegt die Hallig Hooge? (Werner Kalinka [CDU]: Die liegt in der Nordsee!) Wozu brauchen wir eigentlich die Bundesversammlung? Das Wissen, das Unmengen von Schülerinnen und Schülern früher vor allem in der Schule gelernt haben, das trage ich heute in meiner Hosentasche. Meine Herausforderung ist immer seltener, die eine richtige Antwort auf eine Frage parat zu haben, sondern aus der unüberschaubaren Vielzahl an Antworten, die mir im Internet sowie anderswo geboten werden, die richtige auszuwählen, die mir bei der Bearbeitung meines Problems hilft und bei der die Quelle seriös und verlässlich ist. Das muss Schule heute leisten. Sie soll neben Wissen auch Fähigkeiten, Zukunftskompetenzen vermitteln und ein Ort sein, an dem junge Menschen Werte und Haltungen ausbilden. Auch die Probleme und Herausforderungen, vor denen sie, also unsere Schülerinnen und Schüler als Bürgerinnen und Bürger von morgen stehen, werden immer komplexer und passen oft nicht mehr zu einem einzelnen Schulfach. Die Probleme sind da: Klimawandel, der Verlust an Biodiversität, die Globalisierung, Krieg in Europa, (Malte Krüger) eine immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich. Das ist nur eine Auswahl an Themen, mit denen sich auch junge Menschen tagtäglich auseinandersetzen müssen. Um sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, braucht es den aufgeklärten Umgang, das kritische Denken, die Einnahme verschiedener Perspektiven und – vor allem – das Zusammenführen ganz unterschiedlicher Fachhintergründe. Kurz gesagt: Interdisziplinäres Wissen wird immer wichtiger. Das muss Schule also heute leisten. Sie soll Lernende dazu befähigen, sich mit fächerübergreifenden Themen zu befassen, sich selbstständig zu informieren und sich letztlich in gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einbringen zu können. Damit Schulen dies leisten können, brauchen sie mehr Freiräume. Sie brauchen noch mehr Möglichkeiten, Stundentafeln an eigene Bedürfnissen anzupassen, fächerübergreifend zu arbeiten und für neue Lernformen neue Möglichkeiten der Leistungsbewertung zu erproben. Diese Freiräume wollen wir Schleswig-Holsteins Schulen mit dieser Experimentierklausel geben. Dabei sollen möglichst viele Stimmen und Erfahrungen von all denjenigen eingesammelt werden, die schon mit spannenden Ideen vorangehen oder sich Gedanken zur Zukunft ihrer Schule machen. Zuallererst sind dies natürlich die Schülerinnen und Schüler selbst, die unser Schulsystem jeden Tag ganz direkt betrifft. Sie haben oft eigene Ideen und Wünsche, für die sie Räume und Möglichkeiten brauchen. Auch Lehrkräfte, Elternvertretungen, Schulleitungen werden beteiligt, ebenso Vertretungen aus Wissenschaft und Politik. Letztlich wird so deutlich, dass wir die Bildung der Zukunft ebenso gesamtgesellschaftlich prägen wollen, wie auch die Bildung unsere Gesellschaft prägt. Wir wollen von guten Konzepten lernen und diese als Best-PracticeBeispiele festhalten, damit auch andere von ihnen lernen können. Ich finde: Auch Vereine, Musikschulen, Jugendverbände und die offene Jugendarbeit haben Spannendes zu bieten, was noch viel enger in den Schulalltag eingebunden werden kann. Wenn wir in Richtung erfolgreich arbeitender Ganztagsschulen schauen und wie diese mit außerschulischen Akteuren zusammenarbeiten werden, dann werden wir auch viel für die Experimentierklausel lernen können. Ich sage nur: Synergieeffekte nutzen. Das ist das Stichwort, wenn wir Richtung Ganztag schauen. Da können wir für die Experimentierklausel lernen. Ich verstehe die Regionalkonferenzen daher so, dass dort die Stimme gehört werden soll, damit die Experimentierklausel besser werden kann. Für uns gehört dazu, dass wir offene Lernformen, mehr Möglichkeiten für fächerübergreifenden Unterricht und unserer grünen Auffassung nach auch jahrgangsübergreifenden Unterricht ermöglichen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Team Teaching und Projektunterricht können dann in Ergänzung das Unterrichten abwechslungsreicher und so für die Schülerinnen und Schüler auch spannender machen. Auch in anderen Bundesländern gibt es ähnliche Bestrebungen unter ganz unterschiedlichen Namen. In Berlin etwa heißt es „Modellvorhaben zur Verbesserung der Lernbedingungen“, in Brandenburg „Schulversuche zum individualisierten Lernen“, und in Bayern ist es das Pilotprojekt „Individualisierung“. (Christopher Vogt [FDP]: Ich dachte, Sie reden jetzt noch von Bremen!) – Nein, die Bezeichnung von Bremen habe ich mir nicht aufgeschrieben. Das hat dort aber auch einen interessanten Namen. – Für mich hört sich das, ehrlich gesagt, oft so an, als ob jedes Bundesland sein eigenes Rad erfinden will. Ich würde mir wünschen, dass wir in einen Modus kommen, bei dem die Bundesländer auch bei diesen Themen voneinander lernen und sich gemeinsam weiterentwickeln können. Eine Experimentierklausel allein macht natürlich noch keinen guten Unterricht. Die Wissenschaft, Schülerinnen und Schüler sind sich einig: Der bedeutendste Faktor für guten Unterricht sind und bleiben motivierte und gut ausgebildete Lehrkräfte, die Begeisterung wecken, weil sie selbst von ihrem Job begeistert sind. Deshalb arbeiten wir selbstverständlich weiterhin daran, neue Lehrkräfte zu gewinnen, ihnen in Aus- und Fortbildung das nötige Handwerkszeug zu vermitteln und ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern.

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