Martin Balasus
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Bildung und Freiheit bedingen einander. Ohne Freiheit keine echte Bildung und ohne Bildung keine Freiheit. Nicht zuletzt deshalb ist im Grundgesetz die Freiheit der Lehre garantiert, die ja auch eine Freiheit der Bildung ist. Eine andere Verknüpfung ist: Wer frei, das heißt freiwillig, lernt, lernt erfolgreicher. Wenn also Bildung und Freiheit zusammenkommen, ist das immer etwas Gutes. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Was bedeutet das Ganze jetzt für unseren Antrag „Gestaltungsräume für Schulen durch Experimentierklausel“ zu schaffen? – Experimente sind nur eine weitere Facette von Freiheit und Bildung. Man nimmt sich die Freiheit, etwas auszuprobieren, und erzielt dadurch Wissensgewinne. Und Experimente können und dürfen auch einmal schiefgehen. Kein Grund zur Panik, auch aus Fehlern kann man lernen, und beim nächsten Mal macht man es besser. Genau dazu wollen wir unsere Pädagoginnen und Pädagogen motivieren und die Freiheit an Schulen noch mehr ermöglichen. Schulen sollen zu Laboren werden, in denen an der Schule von morgen geforscht wird. Ideen gibt es bereits viele, manche werden sich lohnen, manche weniger. Wichtig ist, dass gewonnene Erkenntnisse reflektiert werden. Damit unsere Schulen diesen Weg auch gehen können, möchten wir ihnen ein Konzept an die Hand geben. Dieses soll sie motivieren, Freiräume zur innovativen Gestaltung von Schule und Unterricht zu nutzen. Natürlich soll sich dabei an Best-PracticeBeispielen orientiert werden. Gleichzeitig gilt es, Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wie Schulen innovative Konzepte entwickeln und erproben können. Natürlich nutzen manche Bildungseinrichtungen die bestehenden Freiräume bereits sehr erfolgreich. Auf den gerade einsetzenden Regionalkonferenzen des Bildungsministeriums können sich alle an Schule beteiligten Akteure gegenseitig über ihre Best-Practice-Beispiele informieren und von- und miteinander lernen. Aber natürlich sollen nicht nur vorhandene Ideen genutzt, sondern ganz bewusst neue Wege gegangen werden. Schule muss heute ganz anders als noch vor einigen Jahrzehnten oder Jahren gedacht werden. Die Anforderungen und Herausforderungen an junge Menschen nehmen stetig zu. Deshalb möchten wir unsere Schülerinnen und Schüler durch Zukunftskompetenzen fit machen. Dazu gehören Bereiche wie Demokratiebildung, BNE, Lernen durch Engagement, Entrepreneurship Education, Verbraucherbildung, (Martin Balasus) MINT, Begabtenförderung. Die Liste ließe sich fortsetzen. Diese Aufgabenfelder beschränken sich nicht auf einzelne Unterrichtsfächer, sondern müssen übergreifend und global gedacht werden. Dazu sollen beispielsweise die Gestaltungsräume genutzt werden, welche die Kontingentstundentafel bereits bietet. Unterricht muss neue Wege gehen. Fächerübergreifend, interdisziplinär, problemorientiert, kollaborativ oder auch individualisiert soll gelernt werden. Auch an Zeit, Raum und Struktur des Unterrichtsgeschehens soll experimentiert werden. Muss man immer im Klassenraum lernen? Darf eine Stunde nur 45 Minuten dauern? Sollte die Schule auch einmal um 9 Uhr beginnen? Warum auch nicht einmal neue Wege in der Leistungsbewertung ausprobieren? Ein Portfolio, das über einen längeren Zeitraum hinweg angefertigt wird, berücksichtigt sehr schön den Lernweg und den Lernzuwachs eines Schülers oder einer Schülerin, anders als eine Klassenarbeit, die nur das Lernziel überprüft. Auch neue Arbeitszeitmodelle können wertvolle Anregungen sein. Freitag könnte der Tag an der Schule sein, an dem Projektarbeit stattfindet. Wie kann KI in unsere Bildungseinrichtungen Einzug halten? Kann Chat-GPT sinnvoll genutzt werden? Als Klassenlehrer stand für mich stets die Beziehung zu meinen Schülerinnen und Schülern im Vordergrund. Beziehungen brauchen Zeit, um aufgebaut, gefestigt und vertieft zu werden. Leider war das immer schwierig, weil ich gleichzeitig Deutschlehrer gewesen bin und natürlich immer die Deutschstunde dafür hergeben musste. Ich habe mir wirklich immer intensiv eine Klassenleiterstunde gewünscht. Davon würden nicht nur die Fachkompetenzen der Schülerinnen und Schüler profitieren, nein, die ganze Klassengemeinschaft, der einzelne Schüler oder die einzelne Schülerin, die Lehrkraft und natürlich auch die Elternschaft. Im Rahmen der Experimentierklausel könnte also auch dieses Problem endlich angegangen werden. (Beifall CDU – Zurufe Beate Raudies [SPD] und Martin Habersaat [SPD]) Unser Vorhaben ist in dieser Form einzigartig in Deutschland und somit selbst ein Experiment. (Martin Habersaat [SPD]: Universum!) – Das haben Sie gesagt. – Unser Vorhaben ist in dieser Form selbst ein Experiment, mit dem wir Schulen explizit dazu ermutigen wollen, neue Wege zu gehen, um das Potenzial aller ihrer Schülerinnen und Schüler zu entfalten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Schule darf nicht starr, unbeweglich und unflexibel sein. (Werner Kalinka [CDU]: Nur Mut!) Schule ist ein Ort des Lernens, des Lachens und des Lebens. (Vereinzelter Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zurufe SPD) Schule muss sich stetig weiterentwickeln, und unsere Experimentierklausel wird der Katalysator für die Schule von morgen sein. – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
