Dr. Ulrike Täck
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen! Sehr geehrte Kollegen! Das Hauptanliegen der FDP in ihrem Antrag ist eine sichere und bezahlbare Energieversorgung. Das wollen wir alle. Wir reden jetzt mal darüber. Von praktisch allen Stromerzeugungsarten ist der Atomstrom der teuerste. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Fakten kommen gleich. Das gilt für die gesamtgesellschaftlichen Kosten, aber auch schon für die Gestehungskosten. Wenn wir uns die Gestehungskosten anschauen, sind wir für Wind onshore bei sechs Cent pro Kilowattstunde, Atomstrom kostet 17 Cent pro Kilowattstunde. Das sind keine Zahlen, die ich mir ausgedacht habe; das kommt vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages. Wenn man sich die gesamtgesellschaftlichen Kosten anschaut, dann geht diese Schere zwischen Windkraft und Atomkraft immer weiter auf, weil die Atomkraft mit ihrem hochradioaktiven Material, mit dem Transport, der Zwischen- und der Endlagerung für eine komplett unübersichtliche Situation sorgt, und zwar nicht nur finanziell, sondern insbesondere, wenn wir an die möglichen Auswirkungen auf unsere nachfolgenden Generationen denken. Diese hohen Kosten der Atomkraft sind doch auch Finanzen, die woanders fehlen, und zwar nicht nur in den Kassen von Bund und Ländern, sondern in letzter Konsequenz in den Portemonnaies der Bürgerinnen und Bürger. Kommen wir zur sicheren Energieversorgung! Sie erwähnen Frankreich immer wieder; die Atomkraft wird Frankreich in Zukunft nicht besonders helfen. Sie wollen jetzt auch Wasserstoff mit Atomkraft produzieren, aber das wird Sie nicht weiterbringen, denn dass die Atomkraftwerke zum Beispiel in Frankreich nicht liefen, hat nichts mit Wartungen zu tun. Wegen des heißen Sommers stand zu wenig Kühlwasser zur Verfügung, und deshalb mussten die Kernkraftwerke gedrosselt werden. In Deutschland ist das auch passiert. Atomkraft ist keine zuverlässige Energie. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW – Zuruf Oliver Kumbartzky [FDP]) Nun etwas Anekdotisches zum Thema Sicherheit, weil man Zuverlässigkeit und Sicherheit vielleicht auch anders einsortieren kann: Die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen Sechser im Lotto ist eins zu 15 Millionen. Nach den neuesten Berechnungen der Max-Planck-Gesellschaft ist die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen Super-GAU eines AKW eins zu 3.600. Man stelle sich die Frage, warum manche Leute noch Lotto spielen und nicht daran glauben, dass das AKW hochgeht. Atomkraft ist keine sichere Energie. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, das Bauen von Atomkraftwerken hatte seinen Boom in den 1970erJahren. An diese Zeit hat meine Generation, die auch die Generation von Herrn Buchholz ist – denn wir sind in der gleichen Generation –, schöne Erinnerungen. Es ging uns ja so gut. Wir hatten alles. Es war Klasse. Aber wir lebten auf Kosten der heutigen jungen Generation. Und nun wollen Sie, sehr geehrte Damen und Herren der FDP, denselben Fehler wiederholen. Das sollte doch zu denken geben! (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Ulrike Täck) Ich bitte Sie, den Antrag der FDP abzulehnen. – Danke. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
