Martin Habersaat
Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Damen und Herren! Wir müssen in den Argumenten klar bleiben. Herr Balasus, wenn Sie sagen, Lehrkräfte wollten nicht mehr Geld, aber sie wünschten sich Beförderung – das war Teil Ihrer Aussage –, dann gehört dazu die Antwort auf die Frage, warum sie sich denn wahrscheinlich eine Beförderung wünschen. Ich habe da so eine Vermutung. (Christopher Vogt [FDP]: Gesellschaftliche Anerkennung! – Heiterkeit) – Die Anerkennung, ja genau: Alle meine Freunde lachen über mich, weil die A 14 sind und nicht nur A 13! Oder irgendwie so. Das Problem bei der leistungsgemäßen Bezahlung von Lehrkräften sehe ich ähnlich wie Herr Krüger darin, dass das Kerngeschäft von Lehrkräften der Unterricht ist. Ich glaube zwar nicht, dass die Leistung im Unterricht durch die Lehrkraft nicht zu beurteilen ist, aber ich glaube, dass das wahnsinnig schwer zu bemessen ist. Ich habe beispielsweise an einem Gymnasium in Düsternbrook ganz andere Voraussetzungen als an einer Gemeinschaftsschule in Kiel-Gaarden. Es ist schon einmal völlig klar, dass es da nicht um Schulabschlüsse gehen kann, um die Leistung zu beurteilen. Um Noten sollte es auch nicht gehen, denn sonst komme ich schnell in die Versuchung, mein Gehalt mittels der Notenvergabe selbst beeinflussen zu können. Was dann? – Es ist jedenfalls schwierig. Deshalb freue ich mich auf die Beratungen im Ausschuss und die Ideen, die wir dazu aus Bayern vielleicht zu hören bekommen. Das mit den Nullsemestern und den nicht ausgebildeten Lehrkräften wird von einigen noch unterschätzt. Deshalb nenne ich noch einmal die Zahlen. Das Bildungsministerium hat vorgestern mitgeteilt: 200 Stellen in Schleswig-Holstein sind unbesetzt. Die werden im Laufe des Schuljahres nachbesetzt. Das war der Ist-Stand an diesem Tag: 200 Stellen nicht besetzt. Dann schauen wir in den Bericht zur Unterrichtssituation 2021/22. Das ist der aktuellste Bericht, den wir haben. Da gab es 487 Stellen, die waren zwar besetzt, aber durch Menschen, die schwanger, im Sabbatical oder langzeiterkrankt, also jedenfalls nicht an der Schule waren. Damit sind wir schon bei über 600 fehlenden Lehrkräften. Im gleichen Bericht zur Unterrichtssituation haben wir gelesen, dass fast jede zehnte Stelle an Schulen in Schleswig-Holstein durch Menschen besetzt ist, die keine abgeschlossene Ausbildung haben. An Grundschulen ist das Problem am größten: 14,1 Prozent der Leute, die dort unterrichten, haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. In den Gymnasien sind es immerhin noch 2,9 Prozent. Wir haben ungefähr 26.000 Lehrkräfte in Schleswig-Holstein. Sagen wir, 2.500 oder 2.600 von ihnen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung, plus die knapp 700 von eben, das sind insgesamt über 3.000 Fachkräfte, die an unseren Schulen fehlen. Über 3.000 ist eine ganz andere Zahl als 200 und motiviert vielleicht noch einmal ganz anders, da mehr hinzuschauen. – Vielen Dank. (Beifall SPD)
