landtag.ltsh.de ↗

Peter Lehnert

27.01.2023 Sitzungen 20/18

Das Präsidium ist sehr großzügig bei der Redezeitbemessung und auch bei den letzten Sätzen. Ich bitte aber alle Kolleginnen und Kollegen, die letzten Sätze in entsprechender Kürze zu halten. Das Wort hat jetzt für die Landesregierung die Ministerin für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung, Aminata Touré. Aminata Touré, Ministerin für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich freue mich über die Anträge des Parlaments, weil sie zeigen, wie wichtig dieses Thema ist. Einige von uns haben Glück und fühlen sich selten einsam, andere von uns vielleicht häufiger. Ich persönlich kann mich an viele Gespräche über Einsamkeit gerade während des Lockdowns erinnern. Auf einmal war das Thema Einsamkeit deutlich präsent. Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl, bei dem die eigenen tatsächlichen sozialen Beziehungen nicht den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen. Es ist ein sehr vielschichtiges Thema, das bisher kaum definiert war. Erst seit Kurzem erhält es die wissenschaftliche und sozialpolitische Aufmerksamkeit, die es braucht. Einsamkeit ist nicht zuletzt ein schamhaftes Thema. Wer gibt schon gerne zu: „Mir geht es nicht gut, ich fühle mich einsam.“? Es zieht sich durch alle gesellschaftlichen Gruppen. Leider stellen wir gerade bei Seniorinnen und Senioren fest, dass sie dieses Thema zunehmend beschäftigt. Deswegen finde ich es gut, dass wir darüber sprechen, wie wir Einsamkeit strukturell begegnen können, wie wir Angebotslücken zwischen gesundheitlicher, pflegerischer und sozialer Unterstützung schließen können. In unserem Koalitionsvertrag haben wir das Ziel formuliert, in der Pflege wieder stärker vor Ort zu koordinieren und Ansprechperson vor Ort zu sein. Beispielhaft werden im Koalitionsvertrag die Community Health Nurse, die Gemeindepflegerin beziehungsweise der Gemeindepfleger, die Gemeindeschwester oder der Gemeindelotse genannt. (Ministerin Aminata Touré) Wir haben in Schleswig-Holstein bereits jetzt Angebote, die in die Richtung der Anträge gehen. Das sind zum Beispiel die circa 60 Dorfkümmerer. Sie unterstützen altersunabhängig Menschen im ländlichen Raum. Sie beraten, betreuen und begleiten zu Terminen. Im städtischen Raum gibt es professionelle wohnortnahe Unterstützung durch die Anlaufstellen Nachbarschaftshilfe in mehreren Kieler Stadtteilen. Wir haben die 13 Kompetenzteams des Landesnetzwerks „seniorTrainerin“ mit Angeboten gegen Einsamkeit. Es gibt die Pflegestützpunkte, die schriftlich, telefonisch und persönlich auch bei Hausbesuchen zu den Themen Leben und Wohnen im Alter sowie Pflege und Betreuung beraten. Es gibt die Nachbarschaftstreffs, zum Beispiel in Lübeck, Flensburg und Norderstedt, Orte, an denen man sich niedrigschwellig austauschen und begegnen kann. Das Angebot ist vielfältig, doch offensichtlich noch nicht vollständig. Trotz guter bestehender Strukturen und toller Menschen, die in diesen Strukturen großartige Arbeit leisten, gibt es Einsamkeit. Vor Kurzem hatte ich einen Termin mit dem DRK. Mit Frau Langner, mit Herrn Geerdts und mit Herrn Schmieder habe ich mich ebenfalls über diese Fragen ausgetauscht. Wir waren uns einig: Es braucht Angebote für das Leben und Wohlbefinden älterer Menschen außerhalb von Pflege. Deshalb finde ich es sinnvoll, dieses Thema im Ausschuss weiter zu diskutieren. Wie können wir bestehende Strukturen im Land weiterentwickeln und bekannter machen? Wie können wir das Thema Einsamkeit stärker als bisher in den Fokus nehmen? Wie können wir von der rein pflegerischen Versorgungsperspektive wegkommen und noch stärker auf Themen wie Einsamkeit und Wohlbefinden achten? Welche Strukturen braucht es dafür, und wie können diese finanziert werden? Im Bundeskoalitionsvertrag steht: „Professionelle Pflege ergänzen wir durch heilkundliche Tätigkeiten und schaffen u. a. das neue Berufsbild der ‚Community Health Nurse‘.“ Jede Form von niedrigschwelliger, präventiver und unbürokratischer Hilfestellung ist sinnvoll und notwendig. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Lassen Sie uns deshalb gemeinsam unsere Kanäle nach Berlin nutzen, um deutlich zu machen, dass wir uns die Umsetzung des Bundeskoalitionsvertrages wünschen und sie erwarten. Wir werden nicht alle Fragen politisch beantworten können. Einige Debatten werden wir als Gesellschaft im Umgang miteinander beantworten müssen. Aber wir können uns dem Thema durchaus dahin gehend widmen, dass wir fragen, welche Strukturen wir in einer alternden Gesellschaft noch bereitstellen müssen. Mir ist es wichtig, gerade die Perspektive von Seniorinnen und Senioren selbst stärker in den Blick zu nehmen. Was wünschen sie sich neben den pflegerischen Aspekten? Ich möchte mich im Rahmen von Besuchen bei Senioren- und Seniorinnentreffs mit ihnen darüber austauschen, was sie mehr benötigen. Ich werde diese Eindrücke in unsere politischen Beratungen mitnehmen und freue mich deshalb über die Ausschussüberweisung. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU)

Protokoll ↗