Lasse Petersdotter
Weil die Aufmerksamkeit nicht ganz da war, wiederhole ich noch einmal, dass es komplexere Punkte gibt und weniger komplexe. (Beifall Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Bei den weniger komplexen gibt es, glaube ich, einen, auf den sich auch viele einigen können, das ist die Frage: Wie leicht verfügbar müssen Schreckschusspistolen sein? Also, es gibt nicht so viele Anwendungsbereiche im Alltag, in denen Schreckschusspistolen notwendig sind. Oft ist die Regelung dann doch so, dass es einen Kleinen Waffenschein zwar für den Gebrauch und für das Tragen einer Schreckschusspistole braucht, aber auf der anderen Seite nur einen Altersnachweis, um sich die Dinger im Internet zu bestellen. Wir erleben in den letzten Jahren an Silvester immer wieder, wie Schreckschusspistolen zweckentfremdet und falsch eingesetzt werden. Gerade darüber müssen wir uns in den Debatten auseinandersetzen. Ja, es gibt auch gute Gründe für ein Böllerverbot, Herr Kollege Brockmann. Das sind die umweltschutzpolitischen, das sind aber auch die brandschutzpolitischen Gründe – die sind alle recht offensichtlich. Ich möchte auch sagen: Vielleicht ist es nicht die beste Kombination, dass der Tag, zu dem wir uns gesellschaftlich darauf geeinigt haben, viel Alkohol zu trinken und an dem viele betrunkene Herren unterwegs sind, der Tag ist, an dem wir mit Sprengstoffen ein bisschen offener umgehen dürfen. Das ist unserer Auffassung nach nicht die beste Kombination, aber wir können die Debatte natürlich auch offen weiterführen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW) Für unsere Diskussion heute – (Dr. Bernd Buchholz [FDP]: Kein Beifall bei der CDU – fürs Protokoll!) – Vielen Dank, Herr Protokollführer. (Heiterkeit) Für unsere Debatte heute ist aber eines entscheidender, ist eines viel wichtiger als Böllerverbot und anderes: das ist eine Debatte über den Respekt vor Einsatzkräften. Es braucht mehr Respekt vor Feuerwehrleuten, vor Polizistinnen und Polizisten, vor Notfallsanitäterinnen und -sanitätern und mehr Wertschätzung für die Arbeit, die diese Menschen leisten. (Beifall ganzes Haus) Der Missstand, den wir da erleben, zeigt sich doch nicht nur bei Angriffen an Silvester, sondern dieser Missstand zeigt sich doch schon bei fehlenden Rettungsgassen oder bei irgendwelchen Vollpfosten, die dem Rettungswagen hinterherfahren, während eine Rettungsgasse besteht. Der fehlende Respekt und das Problem zeigen sich bei Gaffern, die sich am Leid anderer Menschen ergötzen und so Einsätze stören. Ich möchte es einmal anekdotisch darstellen. Ich war im Sommer bei einer freiwilligen Feuerwehr im Kreis Segeberg. Ein neues, schönes Feuerwehrhaus, neues Gerätehaus – eigentlich für alle eine gute Nachricht, aber was mir die Feuerwehrleute dort beschrieben haben ist, dass es ernsthaft Menschen in der Nachbarschaft gibt, die sich darüber beschweren, wenn die Feuerwehrleute da mal grillen. In meinem Verständnis gehört das dazu, dass die Leute grillen, beisammen sind. Auch das gehört zur freiwilligen und auch zur beruflichen Feuerwehr. (Beifall ganzes Haus) Völlig fassungslos hat mich gemacht, dass sich ernsthaft Menschen in der Nachbarschaft über die Sirenen beschweren. Also, dann können wir den Laden auch dichtmachen – Entschuldigung –, also, wenn wir nicht mal mehr in der Bereitschaft sind zu akzeptieren, dass Sirenen heulen, wenn Einsätze sind. Ich bin froh darüber. Ich habe viele Jahre neben der Berufsfeuerwehr in Kiel gelebt. Ja, meine Güte! Ich bin doch auch froh, wenn die ausrücken, wenn ich einmal Hilfe brauche. Darauf sollten wir uns als Gesellschaft mindestens einigen können. (Beifall ganzes Haus) Es ist richtig, dass in der Kita und in der Schule mehr Austausch mit Einsatzkräften stattfinden muss, aber wir müssen auch feststellen, dass einige Menschen – auch im hohen Alter – an ihren Respekt wieder erinnert werden müssen. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, und deshalb bin ich auch dafür, dass wir im Ausschuss weiter über die Anträge diskutieren, sprechen und gute und gemeinsame Lösungen des ganzen Hauses suchen, also die Anträge an den Ausschuss überweisen. – Vielen Dank. (Beifall ganzes Haus)
