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Sandra Redmann

SPD 25.01.2023 Sitzungen 20/16

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich mit Erlaubnis der Präsidentin mit einem Zitat meines ehemaligen Kollegen Stefan Weber beginnen: „Wenn ich hier weiter darüber nachdenke, frage ich mich: Lebewesen, für die wir Menschen eine Schutzpflicht und eine Fürsorgepflicht haben und die wir nicht fragen können, werden wie Gegenstände, wie Möbelstücke über einen anonymen digitalen Markt angeboten? Ethisch gesehen müsste man hier eigentlich fragen: Was machen wir Menschen mit unseren Mitgeschöpfen?“ Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Handel mit Tieren im Internet blüht. Hunde, Katzen, Reptilien, aber auch Katzen, Großkatzen, Hyänen – es gibt nichts, was es nicht zu kaufen gibt. Die Identität der Händlerinnen und Händler sowie die Einhaltung der Artenschutzregelungen ist schwer oder gar nicht nachzuvollziehen. Neben lebenden Tieren werden auch Elfenbein, Felle, Präparate und vieles mehr angeboten. Welches Tierleid dahintersteckt, mag man sich kaum vorstellen. Heutzutage ist es nicht schwierig, ganz schnell ein Tier zu erwerben: ein Knopfdruck reicht – ohne Beratung, ohne Aufklärung über artenschutzrechtliche Fragen, ohne Ansicht der Tiere. Oft werden diese zudem unter unwürdigen Bedingungen gehalten und transportiert. Liebe Kolleginnen und Kollegen, gerade im Internet sind leider viele unseriöse Anbieterinnen und Anbieter unterwegs. Gern werden Interessenten mit niedlichen und coolen Fotos angelockt, die Realität sieht aber oft anders aus. Die Tiere sind in einem schlechten Zustand, nicht geimpft und wurden medizinisch kaum oder gar nicht versorgt. Hundewelpen werden zu früh von ihrer Mutter getrennt und kommen zum Teil aus sogenannten Welpenfarmen. Dort wird auf Menge produziert, auf den Markt geworfen, um schnell zu verkaufen. Nach Zahlen, die die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN beziffert hat, gibt es allein in Deutschland circa 1,4 Millionen Anzeigen, mit denen ein Welpe Anlage bei (Sandra Redmann) vertickt werden soll. Der Verkaufswert liegt bei etwa 1 Milliarde Euro. Laut Einschätzung eines ehemaligen Welpenhändlers sind 90 Prozent der Anzeigen für Hunde im Zusammenhang mit illegalem Welpenhandel zu sehen. Der Handel mit Tieren ist also ein Geschäft, und zwar ein lohnendes. Nach dem Kauf ist die Enttäuschung dann oft groß: Der Hund sieht gar nicht so süß aus, er ist nicht so kinderfreundlich wie behauptet, und von den Kosten für die tierärztliche Betreuung hat auch niemand gesprochen. Dann landet der Hund im Tierheim. Damit hat der Onlinehandel unmittelbar Einfluss auf unsere Tierheime. Hund, Katzen, Reptilien – die Kapazitätsgrenze ist erreicht. Liebe Kolleginnen und Kollegen, in den letzten Wochen habe ich viele Tierheime besucht. In Kiel habe ich Skadi kennengelernt, einen wunderschönen jungen Husky, übers Internet angeboten, nacheinander an fünf verschiedene Halterinnen und Halter verkauft, weil niemand mit der Hündin richtig zurechtkam. Eine gute Beratung hätte da vielleicht geholfen. Nun hat sie zum Glück ein schönes Zuhause gefunden. Ein Kennenlernen von Tier und neuen Besitzerinnen und Besitzern und Aufklärung über Haltung und Wesen des Tieres sind unerlässlich. (Vereinzelter Beifall ganzes Haus) Es ist ein großartiges Signal, dass heute alle Fraktionen gemeinsam für eine bundesweite Initiative gegen Online-Tierhandel flankierend mit einer zentralen Recherchestelle stimmen werden. Eine einschränkende Regelung kann die von mir vorgetragenen Punkte zum großen Teil verhindern und so dazu beitragen, dass vielen Tieren Leid erspart wird. Zudem zeigt es, dass die Hilferufe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Tierheimen bei uns angekommen sind, und wir sind zudem dankbar für die Forderung der Tierschutzverbände, die wir aufgegriffen haben. Ich bedanke mich ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit bei den eben Angesprochenen. Schön, dass wir heute gemeinsam zu so einem guten Ergebnis kommen werden! Das ist ein guter Tag für den Tierschutz in Schleswig-Holstein. – Vielen Dank. (Beifall ganzes Haus)

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