Dirk Kock-Rohwer
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Landwirtschaft ist stark an Traditionen gebunden. Veränderungen und Entwicklungen gehören aber schon immer dazu. Die Notwendigkeit für Veränderungen werden zurzeit von Bäuerinnen und Bauern sehr stark wahrgenommen. Aber eine klare Richtung fehlt, auch eine Verlässlichkeit für zukünftige Entwicklungen. Genau hier sehe ich die Aufgabe der Politik. Wir müssen Richtungsempfehlungen geben, die die Bedürfnisse der Gesellschaft widerspiegeln, dabei Natur, Umwelt und Klima sowie vieles mehr möglichst ganzheitlich erfassen. Daher unser Antrag zur Einberufung eines Runden Tisches Ökolandbau. Hierbei soll nicht nur die landwirtschaftliche Seite eine Rolle spielen, sondern auch die Vermarktungswege müssen beleuchtet werden, um neue Ansatzpunkte für eine Ausweitung zu finden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, warum brauchen wir mehr Ökolandbau? Die systemrelevanten Vorteile sind im Thünen Report 65 ganz klar herausgearbeitet worden. Mit dem System Ökolandbau können wir viele Vorteile nutzen. Auf den ökologischen Flächen ist die Artenvielfalt bei Flora und Fauna sehr viel größer. Wir sollten nicht vergessen, dass die Biodiversitätskrise die andere große Herausforderung unserer Zeit ist. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Die CO -Bilanz ist auf ökologisch wirtschaftenden 2 Betrieben in der Regel besser als auf konventionellen Betrieben, auch auf die Mengeneinheit produzierter Ware bezogen, weniger Methanausstoß bei Weiderindern, weniger Lachgasemissionen aus Stickstoffumsetzung im Boden, kein Energieverbrauch bei der Stickstoffdüngerproduktion, CO - 2 Speicherung im Boden wird erhöht. Die Klimaschutzleistung beträgt laut Thünen Report 1.082 Kilogramm CO -Äquivalent pro Hektar und Jahr. Das 2 heißt, eine Tonne CO wird pro Hektar und Jahr auf 2 Ökobetrieben in den Boden eingebracht. Der Nebeneffekt: Der Boden ist lebendiger, er ist durchlebter, hat mehr Poren, kann daher schneller Oberflächenwasser aufnehmen und speichern, aber auch durch Regenwurmgänge und tiefe Wurzelkanäle nach unten ableiten. Durch geringeren Einsatz von Düngemitteln und nicht vorhandenen Pestizideinsatz werden weniger Schadstoffe in Oberflächengewässer oder ins Grundwasser abgegeben. Auf Ökobetrieben ist die Tierzahl immer an die Fläche gebunden, das heißt, es gibt weniger Tiere pro Hektar mit Weidegang oder Auslauf. Und das Ganze ohne große Futtermittelimporte aus dem Ausland. Somit wird die Nährstoffbilanz auch nicht zusätzlich durch ausländische Importe erhöht. Weiterer Nebeneffekt: Stärkung des ländlichen Raumes durch mehr Öko, zumeist auch mehr lokale und regionale Vermarktung, eine größere Wertschöpfung wird oftmals durch Verarbeitung vor Ort erreicht. Dies hat zur Folge, dass mehr Menschen auf dem Land Arbeit finden und unsere ländlichen Räume beleben. Im Thünen Report werden die Vorteile des Ökolandbaus mit Zahlen anhand verschiedener KostenNutzen-Analysen dargestellt; das vorzutragen, würde hier allerdings den Rahmen sprengen. Wenn man die gesamtgesellschaftlichen Kosten betrachtet, zeigen sich dort die enormen Kalkulationsvorteile der ökologischen Wirtschaftsweise. Liebe Kolleginnen und Kollegen, noch einmal zusammengefasst: Mehr Ökolandbau stärkt die Biodiversität, hat eine bessere CO -Bilanz, ermöglicht ei2 ne bessere Wasserspeicherung im Boden, schont den Wasserkörper und bewirkt geringere Tierzahlen auf der Fläche und eine Stärkung des ländlichen Raums. Wir haben heute Morgen viel über Zahlen und Ausgaben gehört. Mit mehr Ökolandwirtschaft gibt es die oben genannten Leistungen für Mensch, Natur und Umwelt ohne neue Millionen an Investitionen einfach so dazu. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Die Gesellschaft fordert Lösungen in den oben genannten Bereichen. Lassen Sie uns Wege finden, um den Landwirtinnen und Landwirten eine verlässliche Richtung für die Zukunft aufzuzeigen. Ich betone noch einmal: Biodiversität, Klimaschutz und Ernährungssicherheit gehen Hand in Hand mit mehr Ökolandbau. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und SSW)
