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Malte Krüger

GRÜNE 15.12.2022 Sitzungen 20/14

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kettenverträge – das hört sich schlecht an. Ich selbst war übrigens in einer dieser Kettenvertragssituationen, weiß also ziemlich genau, worüber ich hier rede. Dem Ganzen habe ich mich auch noch freiwillig ausgesetzt. Befristete Verträge gehören zu den Reizwörtern der Arbeitskultur. Befristete Verträge können jedoch gute Gründe haben: eine Elternzeitvertretung, Mutterschutzvertretung, Vertretung bei längerer Krank- (Malte Krüger) heit, Teilzeitarbeit oder ein Sabbatjahr. Das sind alles gute Gründe für eine befristete Stelle. Meine Vorvorgängerin als bildungspolitische Sprecherin, Anke Erdmann, hat 2013 erklärt – ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin –: „Wir alle sprechen … über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, freuen uns über Elternmonate … . Die Befristung von Lehrkräften ist aber genau die Kehrseite dieser Medaille“. Wenn Lehrkräfte Elternzeit nehmen, dann braucht es Ersatz, und zwar befristet, denn diese Lehrkräfte kommen ja wieder und wollen zurück auf ihre Stelle, und sie haben gute Gründe für ihr Fernbleiben. Ich will Kettenverträge aber nicht schönreden. Vor der Landtagswahl habe ich selbst mit zwei befristeten Verträgen vorübergehend als Vertretungslehrkraft gearbeitet, weil ich auf einen Referendariatsplatz gewartet habe. Es ist nicht so, dass Vertretungslehrkräfte wissen, wo sie in einem halben Jahr arbeiten. Es bleibt immer ein Gefühl von Unsicherheit, was nach Ablauf des Vertrags geschieht. Unsere Vision ist klar: Jeder qualifizierten Lehrkraft soll auf ihren Wunsch so schnell wie möglich ein unbefristetes Arbeitsverhältnis angeboten werden. Wir können es uns nicht leisten, gute Lehrkräfte zu verlieren, weil wir ihnen als Land kein gutes Angebot machen. Eine unbefristete, reguläre Planstelle bleibt für uns der Königsweg im Lehrerinnenund Lehrerberuf. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Das ist wichtig für die Verlässlichkeit der Schule, der Lehrkraft und für die langfristige pädagogische und fachliche Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern. Mit dem Antrag der FDP wird jedoch suggeriert, fertig ausgebildete und studierte Lehrkräfte könnten in Schleswig-Holstein keine unbefristete Stelle bekommen. Dieses Bild halte ich schlichtweg für falsch. Es verkennt die Realität des Lehrkräftemangels. Allerdings ist es ein im Land ungleicher Mangel; Martin Balasus hat gerade darauf hingewiesen. Kommen Sie einmal zu mir nach Steinburg oder Dithmarschen; dort bekommen Sie schnell eine unbefristete Stelle, ohne jegliches Problem. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Kollege Hein hat sich gefreut; ich schließe mich an: Es ist dort sehr schön. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) In unserem Alternativantrag steht eindeutig, dass wir die Zahl aufeinanderfolgender befristeter Arbeitsverträge, die sogenannten Kettenverträge, weiter reduzieren wollen. Die Gründe, warum es zu aufeinanderfolgenden befristeten Arbeitsverträgen kommt, sind genau so unterschiedlich wie die Qualifikationen und Motive derjenigen, die auf befristeten Stellen arbeiten; es gibt unterschiedliche Gruppen. Lehramtsstudierende arbeiten während ihres Studiums mit befristeten Verträgen aushilfsweise an Schulen. Hochschulabsolvierende überbrücken eine Wartezeit auf das Referendariat mit befristeten Verträgen; das ist das sogenannte 0. Semester. Menschen mit Zweitem Staatsexamen warten auf eine Planstelle in der Nähe zu ihrem Wohnort. Und es gibt Menschen, die befristet als Vertretungslehrkräfte arbeiten, weil sie die Voraussetzungen für eine Planstelle nicht erfüllen. Für die zuletzt genannte Gruppe haben wir mit den Möglichkeiten des Seiten-, Quer- und Direkteinstiegs Wege in den Lehreberuf geöffnet. Wir sehen aber auch, dass diese Wege nicht allen Vertretungslehrkräften offenstehen, zum Beispiel, weil die Kapazitäten für den Quereinstieg begrenzt sind. Hier müssen wir uns die Einzelfälle ganz genau ansehen, um zu schauen, ob und wie wir diese Menschen dauerhaft beschäftigen können, ohne gewisse Qualitätsstandards, die es für diesen Beruf bedarf, über Bord zu werfen. Meine Damen und Herren, wir haben es hier mit einer echt komplexen Fragestellung zu tun. In unserem Antrag steht deutlich – das ist mir besonders wichtig –: Für Vertretungslehrkräfte, Quer- und Seiteneinsteiger und Lehrkräfte mit befristeten Verträgen braucht es Informationen zur Begrenzung der befristeten Verträge, zu Qualifizierungsmöglichkeiten und Perspektiven im Lehramt. Information ist für mich ein ganz wichtiger Bestandteil, wenn wir über Lösungen reden. Ich wünsche mir bessere Informationen und Transparenz zu Verträgen und Beruf. Die unbefristete Besetzung regulärer Planstellen ist der Königsweg – das habe ich schon gesagt. Vertretungen und damit unbefristete Verträge von unterschiedlicher Länge werden an Schulen immer notwendig und in vielen Fällen auch sinnvoll sein. Qualifizierung von dringend benötigtem Lehrpersonal und sinnvolle Einzelfallentscheidungen braucht es, wenn eine Vertretungslehrkraft noch nicht für eine unbefristete Planstelle qualifiziert ist. Gute und (Malte Krüger) engagierte Leute mit Potenzial wollen wir an den Schulen halten und ihnen eine Perspektive eröffnen. Herr Vogt, Herr Garg hat heute schon öfter auf die Weihnachtsstimmung verwiesen: Wir Grüne stehen Ihrem Vorschlag der Überweisung offen gegenüber. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU – Christopher Vogt [FDP]: Sehr gut!)

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